Britische Epstein-Affaire: Keir Starmer auszuwechseln ist auch keine Lösung

Nach der Mandelson-Epstein-Affäre werden die Rufe nach einem Rücktritt des Premiers lauter. Das Problem: Etwas Besseres steht nicht zur Verfügung.

W äre das Auswechseln des Regierungschefs der Schlüssel zu besserer Regierungsführung, müsste Großbritannien das bestregierte Land der westlichen Welt sein. Das ist nicht der Fall, darüber herrscht bei den Briten Einigkeit quer durch die politischen Lager. Keir Starmer ist schon der sechste Premierminister in zehn Jahren, er ist von allen der unbeliebteste, und womöglich folgt bald der siebte. Die Dienstkatzen in 10 Downing Street überleben deutlich länger und sind populärer.

Starmers Probleme sind hausgemacht. Sein Reflex in Krisenzeiten ist das Einigeln in der Hoffnung, dass alles vorbeigeht. Das funktioniert, solange sein Umfeld ihn abschirmt. Aber in der Mandelson-Affäre geriet sein Umfeld in die direkte Schusslinie und macht nicht mehr mit.

Die Verantwortung für die Entscheidung, den diskreditierten alten New-Labour-Guru Peter Mandelson aus der Versenkung zu holen und ihm den Botschafterposten in Washington zuzuschanzen, gegen den Willen des zuständigen Ministeriums, liegt bei Keir Starmer, nicht bei Beamten und Beratern. Für die Trump-Schlangengrube brauchten wir eine Schlange, lautet eine der vielen farbenprächtigen Ausreden in Labour-Kreisen für Mandelsons Berufung, seit das Ausmaß seiner Verstrickung in Jeffrey Epsteins kriminelle Machenschaften offengelegt wurde.

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Aber dass lauter Mandelson-Günstlinge zentrale Posten in Starmers Regierungsapparat bekleiden, liegt nicht an Trump. Es liegt an Starmer und seinem Vertrauen in die skrupellosen Machtpolitiker aus der Ära von Tony Blair – sie schenkten Labour einst drei Wahlsiege und dreizehn Jahre an der Macht, und auch Starmer will lange regieren, um „dem Land zu dienen“, wie er immer sagt.

Starmer ist persönlich integer, sagen alle, die ihn kennen. Aber wie alle erfolgreichen Labour-Führer vor ihm hat ihn die fixe Idee in Besitz genommen, er sei der Träger einer höheren Mission, um Großbritannien zu erneuern. Tony Blair wurde mit diesem Denken größenwahnsinnig. Sein Stratege Mandelson sieht alle Labour-Regierungschefs von Blair bis Starmer als seine Zauberlehrlinge. Man kann mit Sendungsbewusstsein sicher einiges erreichen. Aber man entfremdet sich vom eigenen Land und man steht mit Fehlern sehr alleine da.

Soll Keir Starmer weg? Die Mehrheit der Briten wünscht sich das. Aber wollen sie wirklich nach der Tory-Selbstzerfleischung die Labour-Selbstzerfleischung, was eventuell den Weg für Nigel Farage frei macht, der alle Übel der Machtkonzentration noch vervielfachen würde? Starmer ist sicher kein besonders guter Premierminister. Aber etwas Besseres steht gerade nicht zur Verfügung.

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