Sondersitzung zu Gasreserven: Ministerin Reiche sieht Versorgung gesichert

In einer Sondersitzung des Bundestags-Wirtschaftsausschusses ging es um die Gasspeicher-Reserven. Die Wirtschaftsministerin spiele Risiken herunter, kritisieren die Grünen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht keinen Anlass für staatliche Eingriffe bei der Gasversorgung – weder aktuell noch mit Blick auf den kommenden Winter. Das sagte sie nach Angaben von Teil­neh­me­r:in­nen bei der nicht öffentlichen Sondersitzung des Bundestagsausschusses Wirtschaft und Energie am Dienstagnachmittag.

Die grüne Bundestagsfraktion hatte Reiche wegen der geringen deutschen Gasreserven vor den Ausschuss zitiert. Der größte deutsche Gasspeicher in Rehden war am Dienstag nur noch knapp über 6 Prozent gefüllt, bundesweit liegt der Füllstand aktuell bei 22,4 Prozent. Schon im Sommer hatte die Energiebranche vor möglichen Engpässen bei einem sehr kalten Winter gewarnt. Durch den Krieg in der Ukraine hat sich der Energiemarkt geändert. Anders als früher sinken die Preise im Sommer nicht. Deshalb haben die Händler kein Interesse daran, Lagerbestände aufzubauen, die sie im Winter zu höheren Preisen verkaufen können.

Aus diesem Grund sind die Speicher jetzt im Vergleich zu anderen Jahren stark geleert. Laut Wirtschaftsministerium ist die Versorgung wegen der Möglichkeit von LNG-Importen und zur Verfügung stehenden Gasspeichern in Nachbarländern gesichert. Trotzdem wird die Versorgungslage von vielen als angespannt empfunden. Außerdem bestehen Sorgen, ob für den kommenden Winter eine ausreichende Wiederbefüllung der Speicher erfolgt. Dazu sollte Reiche bei der Sondersitzung Stellung nehmen.

„Die Erklärungen der Ministerin waren unbefriedigend“, sagte der Bundestagsabgeordnete und frühere grüne Wirtschaftsstaatssekretär Michael Kellner der taz. „Sie spielt die bestehenden Risiken herunter.“ Die Ministerin habe keinen Plan für den Fall vorgelegt, dass sich die angespannte Lage weiter zuspitzt. Sie setze bei der Gasversorgung stark auf US-amerikanisches LNG und habe kein Problem mit der entstehenden Abhängigkeit und den Gefahren, die angesichts der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump damit verbunden sind, kritisierte Kellner. Bei der Wiederbefüllung der Speicher will Reiche ausschließlich auf den Markt setzen. Auch das hält Kellner für riskant.

Problem Wiederbefüllung

Der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag Jörg Cezanne sieht trotz niedriger Gasspeicherfüllstände derzeit keine Versorgungsprobleme. „Sich allerdings wie die Bundesrepublik darauf zu verlassen, dass die Marktteilnehmer am Speichergasmarkt und lieferfähige internationale Anbieter das im laufenden Jahr von alleine lösen, erscheint mir dem Problem nicht angemessen“, sagte auch er.

Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Auffassung, die Versorgung sei in diesem Winter gesichert. „Die eigentliche Herausforderung liegt in der rechtzeitigen und ausreichenden Befüllung der Speicher vor dem nächsten Winter“, betonte BDEW-Chefin Kerstin Andreae.

Was die Bundesregierung zur Absicherung von möglichen Gaskrisen etwa aufgrund von Angriffen auf die Infrastruktur unternimmt, ist unklar. Das Wirtschaftsministerium prüft derzeit, wie ein „zusätzliches Instrument“ dafür aussehen könnte.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung
    • July 10, 2026

    Christine Wunnicke hat den diesjährigen Büchnerpreis verliehen bekommen. Federleicht verbindet sie mikroskopisch genaue Erkundungen mit Humor. mehr…

    Weiterlesen
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“
    • July 10, 2026

    In Deutschland soll die Teilzeitkrankschreibung eingeführt werden, Vorbild ist Schweden. Wie funktioniert es dort? mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    • 4 views
    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    • 6 views
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    • 5 views
    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    • 7 views
    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    • 5 views
    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?

    • 5 views
    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?