Frauen in IT-Berufen ausgebremst: Diskriminierung von Frauen in der IT-Branche steigt

Das Patriarchat prägt Vorurteile, KI verstärkt sie. Beides sind Gründe, warum Frauen es in der Informationstechnik weiterhin schwer haben.

dpa | Obwohl die deutsche Wirtschaft den Fachkräftemangel in den IT-Abteilungen ohne weibliche Talente kaum lösen kann, halten sich in der Branche Stereotype. Eine Bitkom-Studie anlässlich des Weltfrauentags zeigt: Noch immer hält fast jedes zweite Unternehmen Männer für schlichtweg besser geeignet für Tech-Berufe.

Diese Vorurteile spiegeln sich auch in Zahlen der repräsentativen Befragung unter 603 Unternehmen wider: In keiner einzigen deutschen IT- oder Digitalabteilung arbeiten derzeit mehr Frauen als Männer. In 89 Prozent der Unternehmen stellen Frauen in diesen Fachbereichen weniger als die Hälfte der Belegschaft. Lediglich 9 Prozent berichten von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.

Der Trend aus der Bitkom-Umfrage wird bestätigt durch eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey. Demnach ist in Europa der Frauenanteil in Tech-Rollen in den vergangenen drei Jahren von 22 Prozent auf 19 Prozent gesunken. Dabei absolvieren immer mehr Frauen ein Studium in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft oder Technik. Sie stellen 33 Prozent der Bachelor- und 39 Prozent der Doktortitel. Dieses Talent kommt im Arbeitsmarkt nicht an.

Dieser Trend ist auch darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Einstiegspositionen in den meisten Tech-Job-Bereichen abnimmt. Wachstum entsteht der McKinsey-Studie zufolge vor allem in KI-, Daten- und Analytics-Rollen, die bislang überwiegend von Männern besetzt sind. Der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen scheint also auf den Arbeitsmarkt für die Frauen negative Auswirkungen zu haben.

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KI verändert die Nachfrage nach Tech-Rollen strukturell

Melanie Krawina, McKinsey

Viele Unternehmen fördern traditionelle Rollenbilder

„KI verändert die Nachfrage nach Tech-Rollen strukturell. Einstiegspfade werden enger, während Positionen wichtiger werden, in denen es um Daten, strategische Entscheidungen und die Kontrolle von KI-Systemen geht“, sagte Melanie Krawina, Co-Autorin der Studie und Associate Partnerin bei McKinsey in Wien.

43 Prozent der Unternehmen geben offen an, Männer seien für IT- und Digitalberufe einfach besser geeignet. 48 Prozent glauben, dass solche Berufe Frauen abschrecken. „Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert“, kritisierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

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