Hohe Benzinpreise: Bitte keinen neuen Tankrabatt

Po­li­ti­ke­r:in­nen überschlagen sich mit Vorschlägen für billigeren Sprit. Gezielte Hilfen für ärmere Autofahrer wären allerdings sinnvoller.

S o schnelle Reaktionen hätte man auch angesichts explodierender Mieten oder der ungerechtfertigten Preiserhöhungen bei der Deutschen Bahn gerne: Kaum steigen in Deutschland die Spritpreise, überschlagen sich Po­li­ti­ke­r:in­nen mit Vorschlägen, wie sie gesenkt werden könnten.

Die einen wollen die Mineralölsteuern senken, also einen Tankrabatt wie 2022. Die anderen fordern, den Co2-Preis auf Sprit auszusetzen – und wieder andere einen Preisdeckel wie in Ungarn oder Kroatien. Rufe nach einem autofreien Sonntag oder einem spritsparenden Tempolimit auf Autobahnen dagegen gibt es wenige.

Die Preise für einen Liter Benzin oder Diesel haben die magische Grenze von 2 Euro überschritten – aber das ist nicht astronomisch hoch. Noch ist nicht ausgemacht, ob dieses Niveau überhaupt anhält. Aber schon vorübergehende Preissteigerungen an den Zapfsäulen bringen das Autoland Deutschland in Rage – und das wollen Po­li­ti­ke­r:in­nen aller Couleur natürlich nutzen: Die ansonsten schwerfällige Bundesregierung reagiert umgehend mit der Vorgabe, dass Tankstellen nur noch einmal am Tag ihre Preise anheben dürfen – ein sinnvoller Schritt.

=”” span=””>

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

=”” div=””>

Autofahrende haben ein Recht darauf, nicht abgezockt zu werden – aber das ist etwas anderes, als klimaschädliches Verhalten finanziell zu unterstützen. Viel spricht dafür, dass die Mineralölkonzerne die Preise viel stärker als gerechtfertigt angehoben haben. Eine Übergewinnsteuer könnte sie davon abhalten, zumindest die Ernte aus dieser Gier einzufahren.

Ja, es gibt Menschen mit sehr wenig Geld, die ein Auto brauchen. Wer Mindestlohn bezieht und um fünf Uhr morgens aufstehen muss, um 80 Kilometer mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, der oder die sollte unterstützt werden – zum Beispiel gezielt mit Tankgutscheinen vom Arbeitgeber, der sich das Geld vom Staat zurückholt. Solche Maßnahmen wären viel sinnvoller, als das Autofahren aus Spaß oder reiner Bequemlichkeit zu unterstützen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Prozessauftakt gegen Palästina-Gruppe: „Wir unterbrechen für 20 Minuten. Nein, zwei Stunden.“
    • April 28, 2026

    Fünf Aktivisten haben in Ulm bei einer israelischen Rüstungsfirma offenbar einen Millionenschaden verursacht. Jetzt sollte der Prozess starten. Betonung auf: sollte. mehr…

    Weiterlesen
    Krieg in Libanon: Eskalation statt Waffenruhe
    • April 28, 2026

    Der Waffenstillstand zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah existiert nur auf dem Papier. Israel setzt Luft- und Bodenangriffe fort. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Prozessauftakt gegen Palästina-Gruppe: „Wir unterbrechen für 20 Minuten. Nein, zwei Stunden.“

    • 7 views
    Prozessauftakt gegen Palästina-Gruppe: „Wir unterbrechen für 20 Minuten. Nein, zwei Stunden.“

    Krieg in Libanon: Eskalation statt Waffenruhe

    • 7 views
    Krieg in Libanon: Eskalation statt Waffenruhe

    Entscheidung von Verwaltungsgericht: Jüdische Stimme ist nicht mehr extremistisch

    • 7 views
    Entscheidung von Verwaltungsgericht: Jüdische Stimme ist nicht mehr extremistisch

    Ausstellung über New Yorker Kunst: Der Tod ist nah

    • 7 views
    Ausstellung über New Yorker Kunst: Der Tod ist nah

    Grüne gegen Friedhofszwang: Auch Tote sollen wählen dürfen

    • 7 views
    Grüne gegen Friedhofszwang: Auch Tote sollen wählen dürfen

    Zwischen Flohmarkt und Kardamom-Bun: Flucht in die ironische Distanz

    • 6 views
    Zwischen Flohmarkt und Kardamom-Bun: Flucht in die ironische Distanz