Nach schweren Fehlern seines Vorgängers: Ex-Google-Chef Brittin wird neuer BBC-Intendant

Matt Brittin heißt der neue Chefintendant der britischen öffentlich-rechtlichen Medienanstalt BBC. Der britische Sender kündigte die Ernennung des 57-jährigen Engländers am Mittwoch an, antreten wird er am 18. Mai. Brittins Vorgänger Tim Davie war aufgrund schwerer Falschdarstellungen und Fehlern bei der Berichterstattung der BBC, darunter eine Dokumentation über Donald Trumps Wahlkampf, die falsche Aussagen machte, zurückgetreten. In den USA hat Trump die BBC gerade auf 10 Milliarden US-Dollar Schadensersatz verklagt.

Mit rechtlichen Einwänden hat auch Brittin Erfahrung. Sein letzter Job als Googles Chef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika musste er sich mit Steuerklagen verschiedener Staaten und Klagen bezüglich der Dominanz und den Inhalten Googles und seiner Kanäle wie Youtube auseinandersetzten. Brittin wird nachgesagt, unter Druck die Nerven behalten zu können, etwa als Google als Mutterkonzern von Youtube vor zehn Jahren negative Schlagzeilen erhielt, weil Supermärkte, Autobauer und Kosmetikunternehmen vor Videos extremistischer Youtuber für sich warben.

Insgesamt war Brittin 18 Jahre lang bei Google. Wie sein Vorgänger Tim Davie hat er bisher keine Berufserfahrung bei der BBC und ist auch kein Journalist. John Sergeant, ehemaliger politischer Chefkorrespondent der BBC, bezeichnete die Ernennung Brittins daher als verheerend.

„Der Öffentlichkeit dienen“

Brittin sagte, er wolle seinen Posten mit Bescheidenheit angehen und zuhören. Er wolle um Vertrauen kämpfen und der Öffentlichkeit dienen. Seine Vision der BBC: „In seiner besten Form zeigt die BBC uns und der Welt, wer wir sind.“

Samir Shah, der BBC-Vorstandsvorsitzende, pries Brittin. Er habe Erfahrung in der Leitung und Transformation einer komplexen Organisation. „Der Vorstand und ich sind der Überzeugung, dass Matt die richtige Person ist, um die BBC in ihrem Kampf für eine nachhaltige Zukunft in einer unsicheren Welt zum Wohle des Publikums und des Vereinigten Königreichs zu leiten.“

Neben der Klage von US-Präsident Trump gegen die BBC steht für Britten noch ein Großprojekt an: Die nächste Verhandlungsrunde mit der britischen Regierung über die Aufgaben des Senders soll 2027 abgeschlossen werden. Dabei geht es weniger um Inhalte als um die Finanzierung des Senders und Fragen zum Wert und dessen Verantwortung.

Brittin kommt aus einer bescheidenen Familie aus Walton-on-Thames in Surrey, Südengland, wo er mithilfe eines Stipendiums eine Privatschule besuchen konnte. Anschließend studierte er in Cambridge Bodenwirtschaft und Geografie. In seiner Familie war er der Erste, der einen Universitätsabschluss errungen hat. An der Cambridge University wurde er Mitglied der Rudermannschaft und ruderte dreimal beim Rennen gegen die Oxford University. Bei der Ruder-WM 1989 in Slowenien gewann er im Achter mit dem britischen Team die Bronzemedaille.

Nach dem Studium wurde er Unternehmensberater beim US-amerikanischen Unternehmen McKinsey, anschließend strategischer Chef beim britischen Mediengiganten Trinity Mirror. Bei Google dann war er zunächst britischer Verkaufschef, bevor er die Karriereleiter nach oben stieg. Brittin war auch neun Jahre lang im Vorstand der britischen Supermarktkette Sainsbury’s. Und – ein bisschen News-Erfahrung hat er damit dann doch – zuletzt auch Vorstandsmitglied beim britischen Guardian.

  • informationsspiegel

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