Männer zur Meldepflicht beim Militär: „Ich würde mich nicht bei denen melden“

Obwohl das Wehrpflichtgesetz bereits im Dezember geändert wurde, entbrennt über ein Detail daraus erst jetzt eine Debatte: Männer zwischen 17 und 45 Jahren, die mehr als drei Monate lang ins Ausland wollen, müssen sich das von der Bundeswehr genehmigen lassen. Die taz hat Männer gefragt, was sie davon halten.

Janik, 29, IT-Sicherheitsexperte aus Franken

„Die Nachricht hat mich schockiert, ich empfinde das als krasse Freiheitseinschränkung. Noch dazu in Friedenszeiten! Das ist absolut nicht nachvollziehbar. Ich wurde zu meiner Abi-Zeit nicht gemustert und mittlerweile bin ich schwerbehindert. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt wehrfähig bin, aber ich weiß: Für Deutschland kämpfen würde ich niemals. Von den Grünen erwarte ich sowieso nichts, aber von der Linkspartei bin ich enttäuscht, dass sie gegen diese Vorschrift nicht lautstark protestiert hat. Haben die das Gesetz nicht gelesen?!“

Matthias, 38, Ingenieur aus Potsdam

„Ich empfinde diese Form der Genehmigungspflicht von Auslandsaufenthalten unangemessen und übergriffig. Ich verstehe zwar, dass Wehrpflichtige erreichbar sein sollen, aber das reicht doch im Spannungsfall. Die Pflicht – frecherweise fast heimlich eingeführt und von Medien leider monatelang unbemerkt – greift genau die freiheitlich-demokratische Grundordnung an, die die Bundeswehr verteidigen möchte.“

Yasar, 34, Rechtsanwalt aus Berlin

„Die Wehrpflicht wird genutzt, um immer mehr in das Leben junger Menschen einzugreifen. Es geht die Bundeswehr nichts an, ob jemand ein Erasmusstudium macht oder einen Job im Ausland findet. Ich würde mich auf jeden Fall nicht bei denen melden, sollte ich mehr als 3 Monate im Ausland gehen. Krieg dient immer nur den Interessen des Kapitals und dessen Beschützer, dem Staat. Ich lasse mich doch nicht für die Gewinne von Waffenschmieden wie Rheinmetall verheizen!“

Sebastian, 37, Journalist aus Leipzig

„Ich mache mir große Sorgen um unsere Demokratie. Um unsere Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen, sollten wir der Bundeswehr wirklich alles mitteilen: Sorte der Frühstückmarmelade, Lieblingsserien, Tageslaune – täglich, per E-Mail. Je mehr Informationen sie bekommen, desto besser können sie sich auf das Wesentliche konzentrieren: Menschen töten.“

Philipp, 31, Architekt aus München

„Das ist ein vollkommen unverhältnismäßiger Einschnitt in unsere persönliche Freiheit. Als wären wir kurz vor einem Kriegseintritt! Einen Nutzen für die Bundeswehr sehe ich darin nicht. Und die Kriegsbegeisterung in unserem Land finde ich brandgefährlich. Die Regierung sollte sich lieber um tatsächliche Probleme kümmern, zum Beispiel Rente, Bildung, Gesundheit.“

Kai, 42, Elektriker aus NRW

„Das Ganze löst keine großen Gefühle in mir aus. Ich habe nicht vor, so lang ins Ausland zu reisen. Wenn doch, und ich mich nicht melden würde, hätte das laut Gesetz keinerlei Konsequenzen. Und ich glaube auch nicht, dass Deutschland von Russland angegriffen wird.“

Malte, 29, Dramatiker aus Mönchengladbach

„Ich finde das einen ganz schönen Hammer. Ich war ja gerade ein halbes Jahr im Ausland. Das heißt, ich war schon in Argentinien, als ein Freund mich auf darauf hingewiesen hat, dass ich mich abmelden müsste. Das habe ich natürlich nicht gemacht. Mit der Bundeswehr hatte ich in meinem Leben noch nie etwas zu tun. Und das wird auch so bleiben!“

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