„Scrubs“ und „Malcom Mittendrin“: Die Revival-Mania

Im knallharten Konkurrenzkampf um Abo-Kunden erfreuen sich Serien-Reboots und Revivals bei den Machern der Streamingdienste größter Beliebtheit. Getreu dem Motto: wo es eine irgendwie wahrnehmbare, wenn auch in die Jahre gekommene Fanbase gibt, lässt sich aus dem Remake einer Kultserie Kapital schlagen.

Auch wenn Hulu gerade die seit Jahren in Aussicht gestellte Neuauflage von „Buffy the Vampire Slayer“ beerdigt hat (aus Angst vor drohenden Shitstorms gegen popkulturelle queere Kapitalismuskritik?), wartet der zum Disney-Konzern gehörende Sender dieser Tage mit den Revivals zweier Kult-Sitcoms aus den frühen 2000ern auf.

„Scrubs“ und „Malcolm mittendrin“ haben mit ihrem anarchischen Humor damals Fernsehgeschichte geschrieben und die Genres der Krankenhausserie und die Familien-Vorort-Comedy auf den Kopf gestellt. Sie haben aber auch Unmengen sexistischer, ableistischer und klassistischer Klischees produziert, die für heutige Produktionen in dieser Form kaum vorstellbar wären. Kann das überhaupt als Revival funktionieren?

Um es auf den Punkt zu bringen. Bei „Malcolm mittendrin“ funktioniert das in einer vierteiligen Miniserie, die gerade mal Spielfilmlänge hat, durchaus, wenn auch mit Abstrichen. Wenngleich das alles in einem sehr überzeichneten Finale mündet.

Jede Menge popkulturelle Verweise

Bei „Scrubs“ stellt sich die Frage, ob dieses Revival wirklich nötig war, denn aus dem Schatten seiner eigenen, schon angestaubten historischen TV-Bedeutung kommt das Revival nicht wirklich heraus. In zehn Episoden kehrt die Hauptfigur Dr. John Dorian (Zack Braff) ins kommunale Krankenhaus Sacred Heart zurück. Aus dem früheren Assistenzarzt wird der Abteilungsleiter. Mit Kollegin Elliot Reid (Sarah Chalke), mittlerweile seine Ex-Frau, entspinnt sich das üblich angespannte Verhältnis aus postpubertärer Verunsicherung, pseudoromantischer Zuneigung, sozialer Abgrenzung und machistischer Besserwisserei. Dazu gesellen sich sämtliche Figuren aus früheren Jahren zuzüglich junger Nachwuchsärzte, die den altbekannten, in der Serie überspitzten Streit zwischen Internisten und Chirurgen ausfechten.

Aufgepeppt wird das mit jeder Menge pointierten popkulturellen Verweisen. Egal ob ein Patientenangehöriger aussieht und sich verhält wie Carl aus dem Pixar-Film „Oben“. Oder die wiederkehrenden Tagtraumsequenzen von Dr. Dorian zum James Bond-Filmzitat werden, als Wrestling-Szene enden oder ärztliche Behandlung als Boxenstopp wie im Formel Eins-Rennen inszeniert wird.

Kritik am schlecht funktionierenden, unsozialen Gesundheitssystem, mittlerweile fester Bestandteil jeder Krankenhausserie, kommt auch hier vor. Sonst geben die Schauspieler aber die üblichen, zwei Jahrzehnte alten Kalauer von sich und klatschen sich Zoten reißend mit High Five ab, während Dr. Dorian und Kumpel Turk (Donald Faison) ihre Jungs-Selbst-Viktimisierung pflegen.

Bryan Cranston bekommt viel Platz

Dass es im Sacred Heart mittlerweile mit Sibby Wilson (Vanessa Bayer) eine Personalmanagerin gibt, die gegen sexistische Sprüche vorgeht, dient eher dazu, diese Art betrieblicher Intervention zu karikieren. Lässt sich dieses Revival nur deswegen ertragen, weil Hauptdarsteller Zach Braff als Autor, Regisseur und Schauspieler des Indi-Klassikers „Garden State“ (2004) einen gewissen Kultcharakter jenseits dieser Show hat?

Etwas weniger angestaubt kommt das Revival von „Malcolm mittendrin“ daher. Es schreibt zumindest die Geschichte des hochbegabten und Titel gebenden Malcolm (Frankie Muniz) aus einer White-Trash-Familie fort und reproduziert nicht nur altbekannte dramaturgische Stehsätze.

Malcolm hat sich mit Ende dreißig komplett von der Familie gelöst, arbeitet in leitender Funktion bei einer Charity-Organisation, hat als alleinerziehender Vater eine Teenager-Tochter namens Leah (Keely Karsten) und ist in seine Freundin Tristan (Kiana Madeira) verknallt. Von der Existenz seiner Tochter, die glaubt, ihre Großeltern wären verstorben, erfahren Malcolms Eltern erst, als sie ihn überraschend besuchen, um ihn zu ihrem 40-jährigen Kennenlern-Jubiläum einzuladen. Die Party soll Familienmitglieder (fünf Brüder und seit neustem auch einer Tochter) sowie Freunde zusammenbringen und fungiert final als alle Serienfiguren vereinende Bühne.

Dem Darsteller von Malcoms Vater Hal, Bryan Cranston, der erst nach Ende der Familien-Sitcom als Drogendealer in der Serie „Breaking Bad“ seinen großen Durchbruch hatte und mittlerweile sogar zu Wes Andersons Stamm-Cast gehört, wird relativ viel Raum in diesem Reboot gegeben. Nachdem er herausfindet, dass Sohn Reese (Justin Berfield) ihn in unzähligen Internetvideos zum Gespött gemacht hat und sein genialer Sohn Malcolm ihm die Existenz seiner Enkeltochter verheimlicht hat, begibt er sich in selbstzerfleischender Verzweiflung zu einem zwielichtigen Therapeuten, der ihm einen knallharten Drogentrip verschreibt.

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„Scrubs“ und „Malcom mittendrin“

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Die Revival-Mania geht weiter

Malcolm, der sich weigert zur Party seiner Eltern zu gehen, wird derweil von Tochter und Freundin entführt und zur Familienfeier kutschiert. Und auf der regiert natürlich jener absolute alltägliche Wahnsinn, den die streitsüchtige Familie seit Jahr und Tag ohne Rücksicht auf Verluste auslebt.

Die Grundidee dieser Serie, die radikale Entfremdung eines hyperintelligenten, hochbegabten Kindes in einer bildungsfernen Familie, das letztlich aber genauso wenig soziale Intelligenz wie der Rest besitzt, hat vor allem klassistischen Krawallcharakter. Aber „Malcom mittendrin“ porträtiert auch gekonnt kleinbürgerliches Spießertum, die Idiotie ständig konkurrierender und sich prügelnder Geschwister, erzählt von autoritären Arbeitshierarchien und karikiert familiäre Abhängigkeitsverhältnisse mitsamt den dazugehörigen manipulativen Strategien

Die Familienfeier als Schlussakkord dieses Reboots ist nicht weniger krawallig als es der Rest der Serie schon immer war. Aber im Gegensatz zum Revival von „Scrubs“ bleibt einem hier weniger das Lachen im Halse stecken. Die Revival-Mania geht indes weiter. Im Juli wird von Netflix sogar „Unsere kleine Farm“ aus den 70ern wiederbelebt. Fehlt nur noch ein Revival von „Waltons“ und „Bonanza“.

  • informationsspiegel

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