Leo XIV im Streit mit Trump: Der Antiimp-Papst

I ch hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe – als überzeugte Ex-Katholikin. Aber kaum jemand hat derzeit ein stabileres Twitter-Game als der Papst. Leo XIV. haut dieser Tage einen Banger nach dem anderen raus. Donald Trump und seine MAGA-Anhängerschaft hassen den Pontifex dafür, Internet-Linksradikale feiern ihn, als wäre er der neue Lenin. Und ich frage mich: Darf ich als Linke jetzt wirklich den Papst gut finden? Sollte ich meinen – lange! – überfälligen Kirchenaustritt vielleicht doch noch ein paar Jahre verschieben?

An Gründonnerstag schrieb der Papst: „Die imperialistische Besatzung wird von innen heraus unterbrochen. Die Gewalt, die bis heute Gesetz ist, wird entlarvt.“ Auf X zirkulierte daraufhin ein Meme, auf dem der Papst Lenins Was tun? gen Himmel streckt – jenes Werk, in dem der russische Revolutionär postuliert, der Kampf gegen Imperialismus und Kapitalismus müsse stets im eigenen Land geführt werden.

Auch das Thema Armut will Leo ganz in linker Tradition bei der Wurzel packen. Diese Wurzel globaler Ungleichheit seien nicht fehlende Ressourcen, so der Papst auf X, sondern die ungleiche Verteilung von Vermögen. „Der Papst sagt, die Produktivkräfte sind entwickelt, aber die Produktionsverhältnisse sind noch nicht nachgezogen – wir sind bereit für den Sozialismus“, interpretierte die deutsche Marxistin Bafta Sarbo die Worte des Kirchenoberhaupts.

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Irgendwo muss man ja anfangen

Na ja gut, mit ein bisschen Umverteilung hätten wir noch keinen Sozialismus erreicht. Aber irgendwo muss man ja anfangen.

In Fragen von Krieg und Frieden vertritt Papst Leo XIV. ebenfalls deutlichere Positionen als so manche „linke“ Partei – und scheut offenbar auch den Konflikt mit den Mächtigen nicht. Innerhalb weniger Minuten schoss er am Samstag gleich zweimal gegen Trumps Kriegspolitik, indirekt, aber unmissverständlich: „Gott segnet keine Kriege. Wer ein Jünger Christi ist, steht niemals auf der Seite derer, die gestern das Schwert ergriffen haben und heute Bomben abwerfen.“ Ein klarer Seitenhieb gegen den US-Präsidenten, der immer wieder behauptet, in Gottes Gnade zu handeln.

Trump fühlte sich offenbar angesprochen. Auf Truth Social folgten zunächst verbale Attacken, anschließend ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst als Jesus zeigt, der einen Kranken segnet – im Hintergrund: US-Flagge, Kampfjets und Engel in Kampfmontur.

Natürlich: Ein paar pointierte Posts verwandeln die katholische Kirche noch lange nicht in eine revolutionäre Kraft. Die Institution bleibt geprägt von Machtmissbrauch, Misogynie und einem über Jahrhunderte angehorteten Reichtum. Wer in ihr eine verlässliche Verbündete im Kampf gegen Faschismus und Imperialismus sucht, dürfte am Ende ähnlich enttäuscht werden wie vom Staat.

Aber bis dahin können sich Linke zumindest aus strategischer Sicht darüber freuen, wenn der Papst unter seiner Millionen-Followerschaft linke Talking-Points normalisiert.

Mein Austritt aus der Kirche bleibt trotzdem überfällig. Davon hält mich allein meine irrationale Angst vor Behördengängen ab.

  • informationsspiegel

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