Krise in der Küstengemeinde: Die Vetternwirtschaft schlägt zurück

W issen Sie noch, letztes Frühjahr, als es an dieser Stelle über Wochen kein anderes Thema gab als die Lokalwahlen in einer kleinen, stinkreichen Gemeinde an der dalmatinischen Adriaküste?

Im Mai 2025 wurde der 30 Jahre lang die Gemeinde wie ein Privatunternehmen regierende Bürgermeister in einem hochdramatischen Wahlkrimi besiegt. Die Liste „Die drei Buchten“ zog erstmals mit zwei Vertretern in den Gemeinderat und kämpft seitdem für ein Ende von Korruption und verschwenderischer Investition in touristische Infrastruktur.

Die Bilanz ein Jahr später: neue Bänke an Bushaltestellen aufgestellt, Straßenmarkierungen aufgefrischt, Konzessionen für Strandbars und den Verleih von Sonnenliegen vergeben, Straßen neu asphaltiert.

Auch die kleinste der drei Buchten erhielt neuen Asphalt. Aber nur 500 Meter und auch nur auf einer Seite der Straße. Für die andere hat das Geld angeblich nicht mehr gereicht. Die geplante Sanierung der Strandpromenade, die gleichzeitig die einzige Straße der Bucht ist, wurde nicht mal zur Hälfte, sondern gleich ganz auf Eis gelegt.

Probleme ungelöst

Die geerbten Probleme sind auch noch alle da: Der millionenschwere Jachthafen hat weiter keine Konzession und wird quasi privatwirtschaftlich betrieben. Die illegal im Wald gebauten Metallbunker zur Verwahrung von Touristen stehen kurz vor der Fertigstellung. Vor dem „Ufo“ genannten verfallenden Architekturjuwel, der ehemaligen Kinderheilanstalt Krvavica, steht immer noch keine Infotafel zu seiner Geschichte, geschweige denn, dass etwas unternommen wurde, um es vor dem Einsturz zu bewahren.

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Der neue Bürgermeister ist inzwischen Teil des Problems

Die ehemalige Regierungspartei HDZ nimmt an den Gemeinderatssitzungen überwiegend nicht teil oder verlässt sie geschlossen nach wenigen Minuten. Sie boykottiert die Arbeit, um das Narrativ zu bedienen, der Gemeinderat sei illegitim.

Gerüchte um Korruption

Doch nicht nur der HDZ macht es den neuen Kräften schwer. Auch der Bürgermeister, der ohne die Unterstützung der damaligen Opposition niemals Bürgermeister geworden wäre, ist inzwischen Teil des Problems.

Auf der Gemeinderatssitzung diese Woche wurde er nun erstmals öffentlich aus den eigenen Reihen heftigst attackiert: Wie kann es sein, dass Sie einem Unternehmen mehrere hunderttausend Euro bezahlen, um stinknormale Straßenlampen auszuwechseln? Wieso wandern die Einnahmen aus dem Hafen immer noch nicht in die offizielle Kasse? Wieso blockieren sie die Regulierung der Küstenrandbebauung und die Sanierung der Buchten?

Gerüchte kursieren, der neue Bürgermeister habe sich von der HDZ korrumpieren lassen mit der Aussicht auf einen Listenplatz fürs Nationalparlament, wenn er die Sache mit der aufmüpfigen Gemeinde da unten wieder in Ordnung bringt.

Niemand hat gesagt, dass es einfach werden würde, 30 Jahre Vetternwirtschaft zu knacken. Doch nun, da die Königsmacher öffentlich ihren König für die Fortsetzung dieses größten Gifts für ein demokratisches Miteinander kritisieren, geht der Kampf in eine neue Runde.

Es könnte sein, dass der Bürgermeister versucht, mit der alten Macht am Ruder zu bleiben. Es könnte sein, dass er der alten Macht nur ein bisschen Futter gibt, damit auch die ihn unterstützen. Es könnte aber auch sein, dass er das Handtuch schmeißt und es Neuwahlen gibt.

Schon jetzt fühlen sich viele bestätigt in ihrer Einschätzung, dass der kriminelle Filz dieser Gegend nicht entwirrbar ist. Die unbegründete Absage des ersten alternativen Musikfestivals Mitte der Woche hat nun auch jene desillusioniert, die gerade erst angefangen hatten, sich ehrenamtlich für die Kultivierung des Lebens abseits des Tourismus zu engagieren.

Abgesagt ist der Kampf gegen die Korruption trotzdem noch nicht. Wir bleiben dran!

  • informationsspiegel

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