G ut, dass es vorbei ist, mögen manche gedacht haben nach dem Aus der deutschen Männer im Sechzehntelfinale gegen Paraguay. Nicht nur, weil es derzeit einiges an Masochismus braucht, um DFB-Fußball zu ertragen. Sondern auch, weil dieses Nationalteam wenig Liebe weckt. Rechte nutzen es eh seit Langem am liebsten als Punching Ball. Doch mittlerweile hat die Mannschaft, die von circa 2006 bis 2014 ein eher progressives postmigrantisches Deutschland symbolisierte, auch fast alle anderen verprellt.
Mit ihrem politischen Schweigen, der abgeschafften Regenbogenbinde, der Nicht-Haltung zum mit Menschenfeinden vernetzten Missionar Nmecha und diesem unangenehmen Vibe: Ehrgeizlingen wie Kapitän Joshua Kimmich, der Paraguay mit peinlichen Grimassen traktierte, oder der Arroganz des inzwischen zurückgetretenen Trainers Julian Nagelsmann. Das Team steht ratlos in einer kriselnden, zersplitterten Gesellschaft. Es kann einem ein wenig leidtun. Egal, was es politisch tut oder nicht tut, es kann nur verlieren. Helfen würden nur Fußballtriumphe, aber ach.
Das Aus Deutschlands sagt wenig über den Abstieg dieses Landes, es sind schon viele kriselnde Staaten Weltmeister geworden – und mit Argentinien, Frankreich, England und Marokko stehen neue Kandidaten bereit. Aber der Abstieg des Landes macht viel mit der Wahrnehmung der DFB-Elf. Welche Migrantin will für Deutschland schreien, während ein deutscher Kanzler genussvoll gegen Minderheiten hetzt und Menschen in Europa um ICE-artige Deportationen fürchten müssen? Wer möchte derzeit Deutschland als Weltmeister sehen, das wegen Beihilfe zum Völkermord an den Palästinenser:innen vor dem Internationalen Gerichtshof angeklagt ist, Kritik daran gefährlich einschränkt und mit einem WM-Titel vortrefflich das internationale Image polieren könnte? Wer will Friedrich Merz prahlen sehen mit der Leistungskultur der DFB-Elf, während er das letzte Stück Sozialstaat zerschlägt?
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Und wer möchte diesem Land, das bis 2039 stärkste Militärmacht Europas sein soll, noch eine fußballerische Steilvorlage geben zu deutschem Größenwahn? Bitte nicht. Selten fühlte sich der Gedanke an deutschen Welterfolg so falsch an. Nein, das aktuelle DFB-Team ist genau das Team, das dieses Land und seine herrschende Klasse verdient. Dass auch das Scheitern den Rechten nützt, gehört zur Ironie der Lage.
Das Team steht ratlos in einer kriselnden, zersplitterten Gesellschaft
Viele Jahre wirkte das demonstrative Schreien vieler Linker gegen das deutsche Männerteam ein wenig lächerlich und performativ. Weltmeisterschaften sind per se Nationalismuspropaganda. Wer das nachvollziehbar doof findet, kann sie boykottieren. Stattdessen wahllos deutsche Gegner zu feiern, deren Menschenrechtskatalog genauso schlecht oder schlimmer aussah, und sich dafür gut zu fühlen, war, nun ja, sehr deutsch. Bitterer fühlt es sich an, wenn man mit diesem Land – das ein kapitalistischer Nationalstaat ist, aber trotzdem manches einst ganz okay machte – und seinem Team mal was verband. Vielleicht sogar Hoffnung. Und jetzt nur noch Scham und Gleichgültigkeit fühlt.






