Indopazifische Quad-Gruppe: Rubios Charmeoffensive bei 45 Grad Celsius

Auch bei 45 Grad Hitze haben US-Außenminister Marco Rubio und seine Frau Jeanette im nordindischen Agra noch die Kraft gefunden zu lächeln. Das Paar posierte zu Wochenbeginn vor dem weltberühmten Taj Mahal. Rubio war zu einer mehrtägigen Charmeoffensive nach Indien geflogen, die am Dienstag im Treffen des quatrilateralen Sicherheitsdialogs („Quad“) in Delhi mündete. Neben dem Gastgeber, Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar, waren auch die dessen Amts­kol­le­g:in­nen aus Australien und Japan angereist.

Ob die Quad-Gruppe überhaupt noch eine Zukunft hat, galt zuletzt als fraglich. Belastet wurden die Beziehungen zwischen Indien und den USA durch Trumps Aussagen zum indisch-pakistanischen Grenzkonflikt im letzten Jahr, seinen einseitig verhängten Einfuhrzöllen auf indische Waren, Migrationsfragen sowie seine Bemerkung, Indien sei eine „tote Wirtschaft“.

Zugleich suchte Trump aber auch immer wieder demonstrativ Nähe zu Delhi. So auch diesmal. So bezeichnete der US-Präsident Indiens hindunationalistischen Premier Narendra Modi als „Freund“ und erklärte, Indien könne sich „zu 100 Prozent“ auf die USA verlassen.

Doch scheinen die Zeiten, in denen Trump von vielen In­de­r:in­nen gefeiert wurde, vorbei. Als vor Rubios Besuch in Delhi Autorikschas mit Trumps Antlitz durch die Straßen fuhren, kam dies bei der Bevölkerung nur mäßig an.

Indiens Interesse an Quad als handlungsfähige Gruppe

Jetzt versuchte aber auch Delhi, Quad wieder als handlungsfähige Gruppe zu inszenieren. Das Interesse daran könnte auch von US-Seite nach Trumps jüngstem Besuch in Peking, der kaum greifbare Ergebnisse brachte, wieder gewachsen sein. Die vier Staaten zeigten sich am Dienstag jedenfalls einig mit einer gemeinsamen Erklärung und neuen Initiativen zur Hafeninfrastruktur in Fidschi sowie zur Sicherung kritischer Mineralien und seltener Erden.

Laut Rubio habe der Krieg mit Iran diese Zusammenarbeit „noch relevanter“ gemacht. In Schlüsselbereichen könne man „enorme Vermögenswerte“ bündeln. „Das Ziel ist (…), Quad zu einem Ort des Handelns zu machen“. Australiens Außenministerin Penny Wong warnte vor wachsender Unsicherheit im Indopazifik. Man wolle sich dafür einsetzen, dass die Region „friedlich, stabil und wohlhabend“ bleibe. Quad habe bereits konkrete Ergebnisse geliefert von Katastrophenhilfe bis zu maritimer Sicherheit.

Deutlicher wurde Japans Außenminister Takeshi Motegi. Die vier Staaten lehnten Versuche ab, „den Status quo einseitig mit Gewalt oder Zwang zu verändern“ – eine indirekte, aber deutliche Anspielung auf China etwa mit Blick auf Taiwan oder das Südchinesische Meer.

Mit solchen Aussagen besinnt sich die Quad-Gruppe wieder stärker auf ihren ursprünglichen Kern: maritime Sicherheit im Indopazifik angesichts von Chinas wachsendem Einfluss. Peking kritisierte das Format denn auch erneut als „Anti-China“.

„Vier maritime Demokratien“ bündeln ihre Aktivitäten

Laut Indien diene der Dialog auch der Terrorismusbekämpfung. Die Kooperation der „vier maritimen Demokratien“ bei Überwachung, Unterseekabeln, Logistiknetzwerken und Katastrophenschutz solle ausgebaut werden, ebenso der Bereich Energiesicherheit, so Außenminister Jaishankar.

Rubio lud Modi zudem nach Washington ein. Nach indischer Lesart wäre allerdings Trump mit einem Besuch in Indien an der Reihe, nachdem Modi zuletzt im Februar 2025 in Washington war. Modi dürfte dennoch im Dezember zum G20-Gipfel in die USA reisen. Davor erwartet er aber Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum BRICS-Gipfel in Indien.

Manche Be­ob­ach­te­r:in­nen sehen bereits ein Tauwetter in den indisch-amerikanischen Beziehungen. Andere sprechen von einer amerikanischen „Reparaturmaßnahme“. Ein Preisschild hat die Annäherung offenbar auch für Indien: Rubio erklärte, Indien habe zugesagt, in den kommenden fünf Jahren US-Waren im Wert von 500 Milliarden Dollar zu kaufen. Die USA bieten Indien, das bisher viel Öl und Gas aus Russland bezieht, umfangreiche Energielieferungen an.

  • informationsspiegel

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