Outdoor Sex: Ein Balanceakt auf der Parkbank

W ir sind schon ein paar Stunden in der Möbel Olfe und feiern B.s Geburtstag, als ein neuer Gast dazukommt: R. arbeitet in einer neuen Kulturlocation, irgendwas mit Kunst und Politik, wie so viele in Berlin. B. holt noch eine Runde Bier, wir trinken und reden.

R., mir gegenüber, sucht ein Feuerzeug in seinen Jackentaschen, zieht stattdessen ein Maßband hervor. Während er mich davon zu überzeugen versucht, irgendein Projekt mit ihm zu starten, zieht er das Maßband aus der Box, lässt es zurückschnallen. Dann verschwindet es aus meinem Blickfeld.

Kurz darauf spüre ich ein zartes Streichen an meinem Innenschenkel. Es bahnt sich seinen Weg unter meinen Rock an meiner Strumpfhose entlang, bis es gegen Widerstand stößt. Ich schaue R. prüfend an. Der grinst. Dann spricht er weiter mit B. über irgendwelche Rechnungen, die der eine dem anderen schuldet.

Gegen 3 Uhr wollen die anderen aufbrechen. Ich erkläre mich bereit, R. Gesellschaft zu leisten, der noch sein Bier austrinken will. „Wir können euch hier alleine lassen?“, fragt L. „Klar“, versichere ich ihr. Sobald sie aus der Tür sind, rutsche ich auf, sodass R. und ich über Eck nebeneinander sitzen. R. lehnt sich über den Tisch. „Machen wir also dieses Projekt?“, fragt er in einem Ton, der eher danach klingt, als wolle er mit mir zusammen auf dem Klo verschwinden. Ich schüttele amüsiert den Kopf und lehne mich in Richtung seines Ohres: „Auf keinen Fall.“

R. fährt mit einem Finger über meine Arme, die verschränkt auf dem Tisch liegen. Ich schaue zu, wie er sanft meinen Handrücken streichelt. Dann beugt sich R. noch näher zu mir, unsere Gesichter ganz nah. Kurz verharren wir so, dann küssen wir uns.

„Zum Kanal oder zum Engelbecken?“

Irgendwann lösen wir uns voneinander und grinsen uns an. R. macht eine Kopfbewegung Richtung Ausgang. „Wollen wir auch los?“ Ich nicke. Vor der Tür knutschen wir weiter, unschlüssig, wie es weitergeht. „Ich würde dich gerne lecken“, sagt R. „Aber hier geht es wohl nicht?“ Natürlich nicht. Hier wimmelt das Partyvolk. In Gedanken wäge ich die Optionen ab, doch R. hat längst eine Idee. „Zum Kanal oder zum Engelbecken?“, fragt er, beides ist nicht weit. Ich entscheide mich für Letzteres. Das ist näher.

In der Grünanlage spazieren wir an einem Mann mit Hund vorbei, davon abgesehen ist sie zu dieser Nachtzeit menschenleer. Wir suchen uns eine Stelle unbeleuchtet von Laternen und knutschen. R zieht meine Strumpfhose herunter, geht in die Hocke, ich öffne die Beine so gut es geht, und er leckt mich, während ich versuche, das Gleichgewicht zu halten, und mich frage, ob doch irgendjemand zusieht. R. richtet sich wieder auf, sagt: „Ich glaube, ich habe etwas dabei“, holt sein Portemonnaie hervor, nimmt ein Kondom heraus.

Ich steige mit einem Bein aus Strumpfhose und Slip und schlüpfe wieder in den Stiefel. Wir knutschen, bewegen uns langsam in Richtung einer Bank, ich stelle einen Fuß auf die Sitzfläche, greife nach unten und helfe R., in mich einzudringen.

Mehr als einen Quickie lässt weder die Position noch unser Zustand zu. Ich ziehe mich wieder an und lasse mich zu R. auf die Bank und in seine Umarmung sinken. Wir küssen uns, zum ersten Mal sanft und zärtlich. Langsam fängt es an zu dämmern, die ersten Vögel zwitschern.

Ein paar Tage später schreibt mir B., R. habe nach meiner Nummer gefragt. Für ein gemeinsames Projekt. Meine Antwort fällt kurz aus: „Nee, lass mal.“

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