„An alle, die gerade einen Job suchen: Wie geht’s euch?“, so beginnen viele Videos, die unter Hashtags wie #jobs oder #arbeitslos kursieren. Die Antwort wird meist schon nach wenigen Sekunden deutlich: schlecht. Die Betroffenen berichten von neuen Lebensläufen, Portfolios, Initiativbewerbungen, Arbeitsproben oder dem persönlichen Nachfragen vor Ort – doch all das scheint vergeblich. Nur Absagen oder, schlimmer noch, gar keine Rückmeldung. Junge Menschen schildern eine zermürbende Jobsuche, die trotz monatelanger Bemühungen und teils dreistelliger Bewerbungszahlen erfolglos bleibt.
Das Problem betrifft besonders Akademikerinnen und Akademiker, aber längst nicht nur die, die „irgendetwas mit Medien“ studiert haben. Auch Absolventinnen und Absolventen der Betriebswirtschaftslehre sowie Berufseinsteiger mit Praktika, Nebenjobs und ersten Jahren Berufserfahrung berichten von denselben Schwierigkeiten. Ob Medien, Marketing, Tourismus oder Vertrieb – viele kommen zum selben Schluss: Der Arbeitsmarkt ist tot.
„Es kann einfach nicht sein, dass alle anderen, die dann den Job kriegen, immer so viel besser sind als ich“, resümiert eine junge Frau aus einem der Videos. Damit hat sie wahrscheinlich recht. Denn die Ursachen der aktuellen Situation sind vielfältig.
Zum einen werden Stellen der allmählich aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden Babyboomergeneration häufig nicht mehr nachbesetzt. Stattdessen verteilen Unternehmen die anfallenden Aufgaben auf bestehende Mitarbeitende.
Zum anderen passt die Qualifikation vieler Bewerberinnen und Bewerber trotz guter Ausbildung nicht zu den Anforderungen der ausgeschriebenen Stellen. Technologische Entwicklungen wie künstliche Intelligenz verändern Berufsbilder rasant, lassen manche Tätigkeiten ganz verschwinden und schaffen neue Kompetenzanforderungen, die in vielen Ausbildungs- und Studiengängen bislang kaum vermittelt werden.
Bildung und Leistung lohnen sich nicht
Hinzu kommt die angespannte wirtschaftliche und geopolitische Lage. Schwaches Wirtschaftswachstum, Krisen und Kriege dämpfen die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. In unsicheren Zeiten stellen Arbeitgeber zurückhaltender ein. Das könnte auch erklären, warum selbst Bewerbungen auf vermeintlich einfache Tätigkeiten scheitern.
Eine Tiktokerin berichtet von gescheiterten Bewerbungen im Einzelhandel und fragt frustriert: „Seit wann reicht ein BWL-Studium nicht mehr, um Regale im Supermarkt einzuräumen?“ In den Kommentaren vermuten User, dass Unternehmen lieber Menschen mit entsprechender Ausbildung einstellen, die voraussichtlich langfristig im Betrieb bleiben. Überqualifizierte gelten als kurzfristige Lösung – eine Investition, die sich nicht auszahlt und die man sich nicht leisten kann.
Junge Menschen stecken fest: Für die Berufe, für die sie ausgebildet wurden, gibt es derzeit keinen Markt. Gleichzeitig erhalten sie Absagen für Tätigkeiten, mit denen sie die schwierige Phase überbrücken könnten.
Die Zeiten, in denen man Arbeitslosigkeit à la Arno Dübel noch eine gewisse Kultigkeit abgewinnen konnte, sind aber vorbei. Die Realität heißt heute: 30 Jahre alt, Masterabschluss, Grundsicherung. Für viele ist das nicht nur ein finanzielles Problem, sondern ein Angriff auf das Versprechen, dass sich Bildung und Leistung auszahlen.
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Trotzdem begegnet ihnen oft Häme statt Mitgefühl in den Kommentarspalten: „Hauptsache Langzeitstudent“, „War ja klar“, „Wieso so überrascht?“. Dabei stehen sie vor einem Arbeitsmarkt, der ihnen jahrelang Chancen versprach und nun keine Verwendung für sie zu haben scheint. Man sollte ihnen stattdessen Durchhaltevermögen und Glück wünschen – sie werden es brauchen.






