Nach neuem Gutachten: Abgeordnete gestärkt für AfD-Verbotsverfahren

Einzelne Bundestagsabgeordnete aus allen demokratischen Fraktionen haben am Donnerstag gefordert, eine mögliche Verfassungswidrigkeit der AfD durch das Bundesverfassungsgericht prüfen zu lassen. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker erklärte, die abschließende Bewertung obliege zwar dem Bundesverfassungsgericht. „Wir haben aber allen Anlass, dem Gericht diese Prüfung zu ermöglichen.“ Dies sei auch im Interesse von Wählern und Sympathisantinnen der AfD – „sie müssen wissen, auf was sie sich mit einer Unterstützung dieser Partei einlassen“.

Die SPD-Abgeordnete Carmen Wegge forderte die Einsetzung einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe. Diese solle die nötige Vorarbeit leisten, „damit wir möglichst bald mit einem belastbaren, gut begründeten Antrag nach Karlsruhe gehen können“. Grünen-Politiker Till Steffen sprach sich dafür aus, das Verbotsverfahren „umgehend“ einzuleiten. Ähnlich äußerten sich auch Clara Bünger (Linke) und Stefan Seidler (SSW).

Alle fünf hatten sich bereits in der Vergangenheit für ein Verbotsverfahren ausgesprochen. In der vergangenen Legislaturperiode hatte die fraktionsübergreifende Gruppe im Bundestag die Einleitung eines Verfahrens zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der AfD gefordert. Jetzt fühlen sich die Abgeordneten durch ein neues Gutachten bestätigt, das am Donnerstag vorgestellt worden ist.

Dieses hatte die „Gesellschaft für Freiheitsrechte“ am Donnerstag vorgestellt. Das von acht Ju­ris­t*in­nen und weiteren Ex­per­t*in­nen verfasste, 1.500-seitige Gutachten sieht gute Erfolgschancen für einen AfD-Verbotsantrag vor dem Bundesverfassungsgericht. Ausschlaggebend dafür seien besonders Verstöße gegen das Demokratieprinzip und die Menschenwürdegarantie.

Gemeinsamer Antrag für Bundestag geplant

Einen Antrag auf ein Parteiverbot beim Bundesverfassungsgericht können der Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung stellen. Die endgültige Entscheidung über die Verfassungswidrigkeit einer Partei liegt dann beim Bundesverfassungsgericht.

Die beiden Vorsitzenden der grünen Bundestagsfraktion, Britta Haßelmann und Katharina Dröge, luden am Donnerstag die anderen demokratischen Fraktionen zu einem Gespräch ein, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ziel sei es, einen gemeinsamen Antrag in den Bundestag einzubringen. Es sei Aufgabe aller Fraktionsvorsitzenden, zum Schutz der Demokratie jetzt zu handeln.

Auch SPD-Co-Chefin Bärbel Bas sprach sich am Donnerstag für juristische Schritte aus. „Wenn unsere Demokratie bedroht ist, sind alle Demokraten verpflichtet zu handeln. Deshalb gehört für die SPD zusätzlich zur politischen Auseinandersetzung mit der AfD auch eine juristische zum Schutz unserer Demokratie“, teilte sie laut der Nachrichtenagentur Reuters mit.

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Album „KitschKrieg Zwei“: Sie sind pünktlich
    • June 26, 2026

    KitschKrieg sind zwei in den USA lebende deutsche Produzenten zwischen Rap, Techno, Tugendterror. Sind sie, wie der Titel ihres Hits, „Gut Genug“? mehr…

    Weiterlesen
    Die Wahrheit: Am Land
    • June 26, 2026

    Für Städter ist ein Aufenthalt in der Provinz verstörend. Viele Tiere stechen und die Leute sprechen ohne Untertitel. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Album „KitschKrieg Zwei“: Sie sind pünktlich

    • 4 views
    Album „KitschKrieg Zwei“: Sie sind pünktlich

    Die Wahrheit: Am Land

    • 5 views
    Die Wahrheit: Am Land

    Dieter Nuhrs Femizid-Witze: Er füttert ein misogynes Weltbild

    • 4 views
    Dieter Nuhrs Femizid-Witze: Er füttert ein misogynes Weltbild

    Nach neuem Gutachten: Abgeordnete gestärkt für AfD-Verbotsverfahren

    • 5 views
    Nach neuem Gutachten: Abgeordnete gestärkt für AfD-Verbotsverfahren

    100 Tage Rechtsregierung in Chile: Die Rückkehr des Generals

    • 6 views
    100 Tage Rechtsregierung in Chile: Die Rückkehr des Generals

    Hitze in Deutschland: Gute Wirtschaftspolitik geht nur mit guter Klimapolitik

    • 4 views
    Hitze in Deutschland: Gute Wirtschaftspolitik geht nur mit guter Klimapolitik