Affäre um Kolping-Stiftung in Paraguay: 16 Jahre und noch keine Entscheidung

Die Geschäftsführerin der Kolping-Stiftung in Paraguay machte 2010 Korruption bei ihrem Arbeitgeber öffentlich und wurde entlassen. Seitdem klagt sie.

Die Kolping-Stiftung hat in der Auseinandersetzung mit ihrer ehemaligen Geschäftsführerin in Paraguay eine juristische Niederlage einstecken müssen. Brigitte Fuzellier hatte bereits 2010 ihrem Arbeitgeber Korruption bei einem Projekt vorgeworfen, das unter anderem mit Geldern des Deutschen Entwicklungsministeriums finanziert wurde. Die Stiftung bestreitet die Vorwürfe und hatte Fuzellier daraufhin entlassen. Fuzellier wiederum fordert Schadensersatz von ihrem ehemaligen Arbeitgeber.

Das Berufungsgericht im paraguayischen San Lorenzo entschied nun, dass das Verfahren gegen die Kolping-Stiftung um nachträgliche Gehaltszahlungen fortgesetzt wird. „Obwohl schon so viele Jahre verstrichen sind, hoffe ich noch immer auf Gerechtigkeit“, begrüßte Fuzellier das Urteil gegenüber der taz.

Damit geht die Auseinandersetzung auch 16 Jahre nach dem eigentlichen Ereignis weiter. Die damalige Geschäftsführerin der Kolping-Stiftung Paraguay hatte Anfang 2010 Korruptionsvorwürfe gegen ihre Amtsvorgänger erhoben. Zwischen 2002 und 2007 sollen beim Bau eines neuen Stiftungshauses mehr als eine Million Euro an europäischen Entwicklungsgeldern hinterzogen worden sein. Bis 2007 hatte die Kolping-Stiftung rund 1,4 Millionen Euro vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) und der EU für den Bau erhalten. Nach einer Prüfung des BMZ musste Kolping Deutschland 241.000 Euro an die Bundesregierung zurückzahlen.

„Es ist eine Schande“

Ende September 2010 beschloss der Vorstand der Kolping-Stiftung Paraguay, Fuzellier fristlos zu entlassen. Anstatt die Vorwürfe weiter aufzuklären, startete der neue Geschäftsführer eine Welle von Anzeigen gegen Fuzellier wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten während ihrer Geschäftsführung. Hans Drolshagen, seinerzeit Geschäftsführer bei der Sozial- und Entwicklungshilfe des Kolpingwerks (SEK) in Köln, bestritt die Vorwürfe: Es habe keine Korruption beim Kolpingwerk gegeben, hieß es aus Deutschland. Dennoch hat die Stiftung alle Verfahren gegen ihre ehemalige Geschäftsführerin verloren oder sie wurden abgewiesen.

2023 hatte Fuzellier eine zweite Klage gegen Kolping International und Kolping Paraguay eingereicht, mit der sie einen Schadensersatz von 10 Millionen Dollar forderte. Als Folge der Kosten des Rechtsstreits büßte Fuzellier nicht nur weitgehend ihr Vermögen ein. Zugleich musste sie ihr betriebenes Unternehmen schließen, das Produkte aus kleinbäuerlichen Betrieben verkauft hatte und für rund 2.000 Kleinproduzierende die einzige Einnahmequelle darstellte. „Es ist eine Schande für Kolping, wie sie ein Entwicklungsprojekt und ganze Familien zerstört haben“, so Fuzellier. Auch über diese Klage ist bislang noch nicht entschieden.

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