Mit 15 macht man seltsame Dinge. Zum Beispiel trugen wir winzige Socken zu 7/8-Jeans, sodass der Knöchel sichtbar war. Auch bei 5 Grad und Regen. Flanking hieß der Nackte-Knöchel-Trend. In dem Spalt zwischen Fußgelenk und Hosensaum wehte immer ein kühler bis eisiger Wind, aber mein Teenie-Ich war überzeugt, dass das wahnsinnig gut aussah, vor allem mit Skinny Jeans.
Heute bin ich fast doppelt so alt und mir ziemlich sicher, dass ich Komfort nicht mehr für irgendeinen Look opfern würde. Bis ich gefragt werde, ob ich nicht etwas über einen aktuellen Trend schreiben möchte: Stiefel im Sommer. In der Redaktion ist offenbar aufgefallen, dass ich ebenjene auch bei 30 Grad gerne trage. Warum aber ein hoher Lederschaft, wenn man auch Sandalen und Frischluft haben könnte?
Cowboystiefel zu kurzen Röcken sieht man seit ein paar Jahren häufiger, spitze 90s-Boots sind ebenfalls zurück, die Gen Z spaziert sogar im Sommer mit fellgefütterten Ugg-Boots herum. Das Einsteigermodell sind dabei Stiefel mit Plateausohle, so ein Paar liebe ich seit mehreren Jahren innig. Schwarzes Leder, halbhoher Schaft, vier Zentimeter dicke Sohle. Ich trage sie bei Schnee, bei Glätte – und bei Hitze. Ein Sommerkleid mit Flip-Flops sieht nach Strand aus. Aber ein Kleid mit Stiefeln? Sofort angezogen!
Die Stiefel halten meinen Fuß, sie verändern meinen Gang. Während ich sonst eher schlendere, schreite ich in ihnen. Jeder Schritt fühlt sich an, als hätte ich eine Mission zu erfüllen. Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass meine Füße an einem heißen Tag in Stiefeln angenehm temperiert wären. Eigentlich sind sie abends sogar so angeschwollen, dass ich mich wie ein Käfer auf den Rücken lege und jemand mir die Stiefel vom Fuß ziehen muss. Aber am nächsten Morgen ist der Hitzestau vergessen, und ich schlüpfe wieder hinein.
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Dass eine Plateausohle den Fuß ruinieren kann, blende ich dabei gerne aus. Die steife Sohle verhindert nämlich, dass der Fuß natürlich abrollt. Stattdessen bleibt er starr, die Fußmuskulatur leidet. Nachdem ich letzten Sommer auf einem Festival drei Tage und Nächte in meinen Stiefeln getanzt habe, waren zwei meiner Zehen mehrere Monate taub.
Am letzten Morgen dieses Festivals stopfte L. unsere Schuhe in eine Mülltüte, damit sie das Gepäck nicht verdreckten. Parallel sammelten wir den Abfall zwischen den Zelten auf. Die weißen Plastiksäcke schleppten wir zum Müllcontainer, wo ich nichts ahnend die Tüte mit meinen Stiefel zu den Hunderten anderen in den Container warf.
Es hätte das Ende meiner Stiefelära sein können, meinen Füßen wäre das wahrscheinlich gut bekommen. Aber ich fand das gleiche Paar auf einer Secondhandplattform wieder und kaufte es sofort. Wie ein trotziger Teenie.






