“Wallah, reicht mit Yappa, Yappa, bitte sag mal, VizekanzlerWarum folgst du mir auf Insta? Halt mal lieber bisschen Abstand Ich will nichts mit denen zu tun haben, die das Land hier an die Wand fahren Wir hängen nicht mit Cem-Özdemir-Kanaken, Bruder, lass ma’“
(„Keiner von euch“, 2026)
„Arda“, stellt er sich vor, der Rapper, der kürzlich halb Berlin aufgemischt hat, und setzt damit gleich mal das gegenseitige Du für das nun folgende Gespräch. Dann bittet er in einen steril wirkenden Besprechungsraum von Universal Music am Berliner Ostbahnhof. Arda Yolci hat an diesem Montagnachmittag Ende Juni schon einen kleinen Interviewmarathon hinter sich. Dennoch sitzt er aufrecht und mit wachen Augen am Tisch, vor ihm eine Flasche Wasser und eine Tasse mit Kaffeeresten. Das Interesse an ihm ist riesig, seit der Rapper unter seinem Künstlernamen „Apsilon“ kürzlich Promis aus Politik und Medien gedisst hat, von Lars Klingbeil über Cem Özdemir bis hin zu Anne Will. Die Wut seiner Texte weicht im Gespräch einer freundlichen, offenen Art. Seine Sätze wählt er ruhig und mit Bedacht.
taz: Apsilon, folgt dir Lars Klingbeil eigentlich noch auf Instagram?
Apsilon: Ich glaube, er folgt mir noch, ja.
taz: In deinem Song „Keiner von euch“ hast du dich prominent von ihm distanziert. Klingbeil war anschließend in einem Podcast zu Gast. Da wirkte er ziemlich getroffen und meinte, er würde sich wünschen, dass man sich auf „ganz andere Kräfte“ fokussiert. Er sei nicht der Gegner. Ist Lars Klingbeil der Gegner für dich?
Apsilon: Ich habe gar kein persönliches Problem mit Lars Klingbeil, und natürlich ist die AfD die politische Kraft, die gerade akut bekämpft werden muss. Aber Klingbeil ist ein Stellvertreter für eine bestimmte Art von Politik. Die aktuelle Bundesregierung versucht, einen vermeintlich stabilen Status quo aufrechtzuerhalten. Sie sagen im Prinzip: Wir können nichts daran ändern, dass es so eine krasse Ungleichheit gibt, dass es jedes Jahr neue Kriege gibt auf der Welt. Wir können nichts dagegen tun, dass manche Menschen immer reicher werden. Aber wir müssen jetzt alle den Gürtel enger schnallen. Wir müssen mehr arbeiten und gleichzeitig bei den Renten kürzen, bei der Bildung kürzen und noch mal 10 Euro beim Bürgergeld. Diese Politik bietet den Nährboden, auf dem dann die AfD wächst.
taz: Du hast gerade ein neues Album veröffentlicht, „Glanz Null“. Darauf trittst du kompromissloser auf als auf deinem Debütalbum. Spricht daraus auch die Bemühung, nach deinem frühen Erfolg jetzt nicht von den falschen Leuten Applaus zu bekommen?
Apsilon: Es ist mir viel wert, wenn Leute sagen, dass sie meine Musik berührt. Und mich freut natürlich auch der große Zuspruch, den ich bekomme. Aber man läuft als junger Künstler auch schnell Gefahr, dass man versucht, zu einer bestimmten Szene dazuzugehören, wenn man von ihr Bestätigung erhält. Dann passt man sich unweigerlich und unterbewusst an – in seinen Positionen, in seinem Auftreten –, und das möchte ich einfach nicht. Ich will niemandem sagen: Ey, du darfst meine Musik nicht hören. Aber ich will auch nicht, dass meine Inhalte missverstanden werden oder manche Menschen denken, sie seien nicht Teil des Problems, nur weil sie jetzt diese Musik feiern.
Im Interview: Apsilon
Der Mensch
Apsilon, 29, heißt mit bürgerlichem Namen Arda Yolci. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Arman ist er im Berliner Stadtteil Moabit aufgewachsen.
Der Rapper
Schon während seines Medizinstudiums an der Berliner Charité schrieb er Texte. Der rassistische Terrorakt von Hanau im Februar 2020 wurde für Apsilon zum Wendepunkt: Die Doppeldebütsingle „Sport / Ich Leb“ ist ein trotziges Statement gegen rechte Gewalt. Im Herbst 2024 landete er mit seinem Debütalbum „Haut wie Pelz“ auf Platz 10 der Charts. Produzent von Apsilons Songs ist sein Bruder Arman. Am Freitag ist nun mit „Glanz Null“ Apsilons zweites Album erschienen.
taz: Was ist „Glanz Null“ für ein Album, was macht es für dich aus?
Apsilon: Der Titel bezieht sich darauf, dass man als Kind diesen Glanz in den Augen hatte, der symbolisch steht für einen sorglosen, naiven, hoffnungsvollen Blick auf die Welt. Das ist der Startpunkt. Aber irgendwann realisiert man dann, dass dieser Blick verloren gegangen ist. Auf dem Album erzähle ich meine ganz persönliche Geschichte davon, aber es passiert wahrscheinlich bei jedem. Das Album erzählt von der Suche nach diesem Glanz – was ist das überhaupt und kann ich den zurückbekommen?
taz: Gab es einen bestimmten Moment, in dem diese Idee aufgepoppt ist?
Apsilon: Ja, ich glaube schon. Ich habe auf einer Feier bei mehreren Menschen in meinem Umfeld gemerkt, dass sie in einem eigentlich glücklichen Moment lachen, aber dieses Lachen nicht mehr ihre Augen erreicht. So, als würde es nicht bis nach ganz innen durchdringen. Das war auch ein Spiegel für mich selbst. Es gibt natürlich immer noch viele Momente, in denen ich glücklich bin, aber diese kindliche Sorglosigkeit hat sich schon ziemlich verändert. Bei mir und ich glaube auch in meiner Generation hat sich eher eine apokalyptische Grundstimmung ausgebreitet.
taz: Du bist im Berliner Ortsteil Moabit aufgewachsen. Wie sah deine Kindheit aus?
Apsilon: Ich hatte eine sehr schöne Kindheit, mit Fußballspielen, Wassermelone essen, Animes schauen, Yu-Gi-Oh! und Pokémon spielen, draußen sein mit Freunden. Aber in Moabit war auch viel Armut, und man hat irgendwie schon gespürt, dass die Welt kein fairer Ort ist. Trotzdem bin ich dankbar, dass ich nicht in einer abgeschirmten Bubble aufgewachsen bin und mir diese Realitäten schon früh klar wurden.
taz: Deine Großeltern waren Gastarbeiter*innen aus der Türkei. Inwiefern prägt dich diese Herkunft heute noch?
Apsilon: Kulturell auf jeden Fall. Genauso wie ich mit Deutschrap aufgewachsen bin, bin ich auch mit türkischer Musik aufgewachsen und mit der Sprache natürlich. Aber vor allem prägt die Herkunft auch den Blick auf Deutschland. Meine Großeltern haben in Fabriken gearbeitet – von Kabelherstellung über Fischverarbeitung bis zur Schokoladenfabrik war da alles dabei. Und deren Erfahrungen von Ausbeutung im Betrieb, der Schwierigkeit, eine Wohnung zu finden, und der Frage, ob man sich mit diesem Land in Anbetracht all dessen überhaupt verbunden fühlt – das sind alles Sachen, die sich auch in unserer Generation fortsetzen.
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taz: 2023 hast du mit „Baba“ einen Hit gelandet. In dem Song setzt du dich mit der Härte der Männer in deiner Familie auseinander, die auch auf ihre Lebensgeschichte zurückzuführen ist. Konntest du selbst diese Härte überwinden?
Apsilon: Der Track und die Gespräche danach mit meinem Vater haben viel geholfen. Der hat das erst als Kritik verstanden, ich musste ihm erklären, dass es versöhnlich und umarmend gemeint ist und ich ihm auch dankbar bin. Kaum Emotionen und Schwäche zu zeigen, war für ihn ja ein Überlebensmechanismus. Dabei hat mein Vater selbst schon viele dieser Strukturen aufgebrochen, was mir überhaupt erst ermöglicht hat, so eine Musik zu machen.
“Opa für drei Groschen am Tag malochert Jeden Monat bis zur Ohnmacht für den Tagelohn Kohlenstaub geschluckt für euren Nachkriegswohlstand [ … ]
Tag für Tag am Ackern für das Kapital in Taschen vom Gleichen Pack, das dreißig Jahre vorher ohne Wimpernzucken Menschen in die Gaskammern verfrachtet hatte”
(„Köfte“, 2022)
taz: Was hat dich als Jugendlicher politisiert?
Apsilon: Das Aufwachsen in Moabit auf jeden Fall. Der U-Bahnhof Turmstraße ist nicht weit weg, und damit war man immer mit der Drogenszene und eben krasser Armut in Kontakt. Gleichzeitig habe ich mitbekommen, wie Freunde, Verwandte, Familie verdrängt werden, weil die Mieten immer weiter steigen. Das hat alles dazu beigetragen, dass ich schon relativ früh das Gefühl hatte: Ey, die Gesellschaft, wie sie funktioniert, ist nicht fair. Und ich glaube, wenn man einmal dieses Grundgefühl hat, dann kommt der Rest von allein.
taz: Auch die Musik?
Apsilon: Natürlich hat mich auch Rap politisiert. Da geht es ja immer um dieses Nichtgewolltsein im System. Ich habe damals viel Kendrick Lamar gehört, aber auch deutsche Rapper wie Haftbefehl oder Nate57 haben mir das Gefühl gegeben: Hey, andere Menschen fühlen sich ja so, wie ich mich fühle.
taz: Hast du dich auch mit US-Rap identifizieren können?
Apsilon: Also, wenn es um Schwarzsein und racial issues in den USA geht, ist das natürlich eine ganz andere Dynamik und Geschichte. Aber es gibt eine gewisse Grundenergie, die sich überschneidet. Ich kenne das auch von Menschen, die meine Musik hören und dann Bedenken haben, dass sie es nicht fühlen dürfen, weil sie nicht den gleichen Hintergrund haben. Mir ist auf jeden Fall wichtig, dass man da keine Trennung vornimmt, und ich freue mich, wenn auf meinen Konzerten alle gleich laut mitsingen. Viele Probleme enden ja auch nicht an ethnischen Grenzen. Eine Pflegekraft oder eine alleinerziehende Mutter kann deutsch sein und trotzdem das Gefühl haben, dass sie in dieser Gesellschaft untergeht.
Die Diskrepanz zwischen Billionären, die sich ins All schießen, und einem Alltag, in dem man sich im Winter überlegt, ob man die Heizung aufdrehen soll, wird immer offensichtlicher
taz: Auf „Keiner von euch“ rappst du auch von abgelehnten Talkshow-Einladungen. Warum hat es deiner Meinung nach keinen Zweck, sich etwa zu „Hart aber fair“ zu setzen?
Apsilon: Einerseits sind es immer ähnliche Gäste und Themen, es wird der Eindruck erweckt, es würden alle Meinungen abgedeckt, obwohl natürlich ein Repräsentationsbias vorherrscht. Und am Ende hat man da Menschen, die rhetorisch gut ausgebildet und auf sympathische Art und Weise mit einem Lächeln im Gesicht darüber diskutieren, ob es okay ist, Menschen ertrinken zu lassen oder eine Schule zu bombardieren. Ich denke, es gibt einfach Themen, bei denen man keinen Konsens oder eine vermeintliche Harmonie zwischen den Meinungen herstellen muss.
taz: Bei mehreren Benefizkonzerten hast du Spenden für die Nothilfe in Gaza gesammelt, auf deinen Touren hältst du Ansprachen, in denen du die israelischen Kriegsverbrechen und den deutschen Anteil daran thematisierst. In dem Lied „Rennen“ sprichst du von einer Festivalausladung in diesem Zusammenhang. Ist dir das selbst passiert?
Apsilon: Es gab den einen oder anderen Fall, bei dem uns zu verstehen gegeben wurde, dass das der Grund ist, warum wir nicht auftreten sollen. Mehr kann ich dazu aber nicht sagen.
taz: Auf dem Album prangerst du die „Stuttgarter Zeitung“ an, weil sie in einem Artikel versucht hat, einen Auftritt von dir in einem „Free Palestine“-T-Shirt zu problematisieren.
Apsilon: An dem Abend in Stuttgart habe ich nicht mal was zum Thema gesagt. Es wurde allein der Slogan „Free Palestine“ in Hamas-Nähe gestellt. Das war schon ein ziemlich krankes Framing, aber es steht auch sinnbildlich für den Diskurs in den deutschen Medien. Ähnliche haltlose Diffamierungen gab es auch gegenüber anderen meinungsstarken Personen.
taz: Auf deinem Debütalbum 2024 waren die Gaza-Referenzen noch subtil verstreut. Auf „Glanz Null“ wirst du deutlich konkreter, das Wort „Palästina“ etwa fällt nun erstmals. Hattest du in der Vergangenheit Angst, dass da Gegenwind kommen könnte?
Apsilon: Ich muss ehrlich sagen, nein, ich hatte keine Angst. Auch weil ich weiß, dass das, was ich sage, Hand und Fuß hat und ich meinen Standpunkt jederzeit verteidigen kann. Im HipHop gibt es ohnehin ein größeres Bewusstsein bei diesem Thema, da bin ich nicht der Einzige, der sich zu Wort meldet. Meine Abgefucktheit mit dem politischen und medialen Umgang mit Gaza ist über die Jahre aber auf jeden Fall gewachsen. Das hört man auf „Glanz Null“ sicherlich raus.
taz: Gibt es für dich eine Grenze, welche Art von Kritik an Israel legitim ist und welche nicht?
Apsilon: Wir haben in Deutschland auf jeden Fall ein Antisemitismusproblem. Und das ist in den letzten zweieinhalb Jahren nicht besser geworden, im Gegenteil. Die Debatte dreht sich leider aber auch zu selten um den Antisemitismus in der rechtsextremen Szene, siehe die Holocaustrelativierung in Teilen der AfD oder der Anschlag in Halle. Und ich finde es ehrlich gesagt ziemlich frustrierend, dass man immer, wenn man über die Verbrechen in Palästina spricht, sich erst mal klar und deutlich von so vielem distanzieren muss, um von diesem Generalverdacht freigesprochen zu werden. Ich habe das Gefühl, dass besonders hierzulande Kritik an der israelischen Regierung regelmäßig missverstanden oder bewusst missinterpretiert wird, um der Person dann anzulasten, dass sie Israel von der Erde fegen will – was überhaupt nicht meine Sicht ist und auch nicht jene der meisten Leute, die Israel kritisieren. Auf der anderen Seite wurde Gaza bereits praktisch von der Erde gefegt, wenn man sich die Satellitenbilder anguckt.
taz: Die Deutschen waren für die Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden verantwortlich. Israel ist für viele Menschen jüdischen Glaubens heute auch ein Versprechen, vor solchen Verbrechen sicher zu sein. Hast du auch Verständnis dafür, dass diese Tatsache den Umgang mit dem Thema hierzulande prägt?
Apsilon: Auf jeden Fall. Ich verstehe auch, dass die Geschichte es schwieriger macht, diese Dinge zu bewerten. Und trotzdem spricht es Menschen und Medien nicht frei davon, Kriegsverbrechen als Kriegsverbrechen zu benennen.
“Ausgeladen werden bei ’nem Festival Weil man seine Fresse aufmacht zu Palästina Bucht mal eure Indie-Rapper, bucht mal eure Druffis Die auf Feministen machen für ein bisschen Pussy Mein Bruder Timu tickt in euren Clubs auf den Drecksklos Eure Smarties, über die ihr Lieder macht auf Techno”
(„Rennen“, 2026)
taz: Auch Teile der Szene bekommen auf dem Album ihr Fett weg. Du sprichst von „Druffis“, die auf Technobeats rappen und sich performativ als Feministen ausgeben. Was stört dich an Drogenkonsumenten?
Apsilon: Dass Leute Drogen nehmen, ist gar nicht der Punkt. Das ist sicherlich auch ein Zeichen unserer Zeit, wenn Menschen darin eine Ausflucht suchen, und ich bin Befürworter von Entkriminalisierung und einer guten Infrastruktur bezüglich Suchterkrankungen. Es ist vielmehr eine mediale Sache, dass Straßenrap, bei dem es oft ums Dealen geht, vor allem in der Vergangenheit häufig abgetan wurde als „Gift für die Jugend“. Jetzt kommen Leute, die anders aussehen, eine andere Haarfarbe haben und auch über Drogenkonsum rappen. Bei denen läuft das aber medial plötzlich unter dem Label „Freiheit“. Und da gibt’s auch Überschneidungen mit Männern, die nach außen auf progressiv machen, aber privat diese Prinzipien leider ganz und gar nicht leben.
taz: Würdest du dich denn als Feministen bezeichnen?
Apsilon: Ich glaube, dass wir in einer kapitalistischen Welt leben, von der das Patriarchat ein Teil ist, und in der Frauen und queere Personen Unterdrückung erfahren. Und ich versuche, für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der das nicht mehr so ist.
taz: Das klingt feministisch. Dennoch vermeidest du die Bezeichnung. Hast du Angst, performativ zu wirken?
Apsilon: Ich sehe mich auf jeden Fall als Unterstützer. Aber leider ist es oft so, dass die Leute, die am lautesten rufen, „Ich bin ein Feminist“, sich dann doch nicht als solche entpuppen, siehe jetzt zuletzt Christian Ulmen.
taz: Lange war der wütende Rapstil dein Markenzeichen. Mittlerweile treten auch Beziehungen und Selbstzweifel in den Vordergrund. Bist du mit der Zeit weicher geworden?
Apsilon: Ich glaube, es ist eher so, dass ich mittlerweile weniger Angst habe, jeden Teil von mir und alle Emotionen, die ich fühle, auch in meiner Musik auszudrücken. Das musste ich erst lernen. Am Anfang meiner Rap-Karriere habe ich nur meine Wut kanalisiert. In dieser Hinsicht ist die Musik auch echter, ungefilterter geworden. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich keine Wut mehr habe oder die auf „Glanz Null“ nicht mehr vorkommt.
taz: Sie spielt weiter eine Hauptrolle, dazu gesellt sich nun Zerstörungslust. Auf dem Album sagst du irgendwann: „Vielleicht muss alles untergehen.“ Ist es einfacher, sich die Welt in Flammen zu wünschen, als zu versuchen, etwas aufzubauen?
Apsilon: Das muss sich ja nicht widersprechen. Historisch gesehen war Wut auf die Verhältnisse immer der Antrieb für Wandel, sei es beim Frauenwahlrecht oder der Bürgerrechtsbewegung in den USA – bei allem, wo wir heute denken: Gott sei Dank ist das passiert. Dass die AfD in Umfragen bundesweit stärkste Kraft ist oder Trump wiedergewählt wurde, dahinter stecken ja politisch-ökonomische Gründe. Wenn sich deine Wut gegen Ausländer oder Bürgergeldempfänger richtet, ist es natürlich eine falsche Wut gegen die falschen Leute. Aber die Wut an sich ist erst mal berechtigt. Die Rechten sollten nur nicht die Einzigen sein, die diese Emotion für sich claimen.
taz: Dein Album hört sich insgesamt ziemlich düster an. Aus welchen Momenten schöpfst du Hoffnung?
Apsilon: Ich ziehe viel Hoffnung und Kraft aus den Menschen in meinem Umfeld, die mir Halt und Liebe geben.
taz: Gibt es auch gesellschaftliche Ereignisse, die dir aktuell Hoffnung machen?
Apsilon: Dass zum Beispiel Zohran Mamdani in New York zum Bürgermeister gewählt wurde, zeigt, dass die Leute Bock auf einen anderen Ansatz haben. Und auf weirde Art und Weise macht mir auch die Schieflage der Verhältnisse Hoffnung. Die Diskrepanz zwischen Billionären, die sich wie Feudalherren aufführen, die sich ins All schießen und an ihren Fantasiewelten bauen, und einem Alltag, in dem man sich im Winter überlegt, ob man die Heizung aufdrehen soll, wird immer offensichtlicher. Ich bin zuversichtlich, dass die Menschen das nicht mehr lange mitmachen.







