D ie Meldung wirkt auf den ersten Blick bizarr: Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) veröffentlicht ein Umweltranking für Kreuzfahrtreedereien. Fast könnte man meinen, die traditionell auch für die Wahl zum Vogel des Jahres zuständige Umweltorganisation will heuer die eigene Vollmeise zum Sieger küren. Denn noch 2011 hat derselbe Naturschutzbund spöttisch den Dinosaurier des Jahres an die Unternehmen Aida und TUI Cruises verliehen, deren Dampfer pro Kreuzfahrt so viele Schadstoffe wie fünf Millionen Autos ausstießen.
Der schlechte Ruf von Kreuzfahrten allgemein speist sich nicht nur aus ökologischen, sondern auch sozialen Erwägungen. Auf den Schiffen tummeln sich keine armen Leute. Die meisten sind Mittelschichtler, die sich zwar kein kleines Privatflugzeug leisten können, aber dafür eine teure Kreuzfahrt.
Die weltweite Zahl an Kreuzfahrtpassagieren stieg im vergangenen Jahr noch einmal um 7,5 Prozent auf den historischen Höchstwert von 37,2 Millionen. Die Branche brummt, die Biene nicht – das ist das Fazit, das Mutter Natur ziehen würde, wenn sie denn noch japsen könnte.
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Die Initiative des Nabu ist also, so möchte man meinen, als ob die Deutsche Veganer-Innung eine Liste mit den besten Biometzgern veröffentlicht. Oder die Polizei in einem Ranking die freundlichsten und nachhaltigsten Verbrecherbanden empfiehlt, denen man sich doch getrost anschließen möge (Wir entscheiden uns natürlich für die Letzte Generation).
Der schlechte Mensch
Doch auf den zweiten Blick ergibt das durchaus Sinn. Der Mensch ist von Natur aus schlecht. Ebenso weist er seit tausend Jahren eine originäre Neigung zu Kreuzzügen, -reisen und -fahrten aller Art auf. Will meinen: Er macht es sowieso. Vernunft, Einschränkung, gesundes Maß sind für ihn keine Kategorien. Da kann sich der Nabu auf den Kopf stellen. Also übt der sich wenigstens in Schadensbegrenzung.
„If you can’t beat them join them“, wusste schon in den 1930er Jahren der US-Senator James E. Watson. Der Satz ist auch ein Songtitel der britischen Rockband Queen, ebenso wie ein offensichtlicher Grundsatz der Politik des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump. Verbünde dich mit dem Feind, Grüße aus Vichy.
Geht man durch die Nabu-Bewertungen der Kreuzfahrtanbieter, hat sich am meisten in der Nutzung von Landstrom während der Liegezeiten, sowie bei allgemeinen Klima- und Effizienzmaßnahmen getan. Bei anderen Kriterien von Klimaziel über Schwerölstopp bis Luftreinhaltung sieht es hingegen reichlich mau aus.
Von den siebzehn zu erreichenden Punkten kommen die Testsieger, oder besser Testnichtverlierer Havila und Hurtigruten auf gerade mal 7,5 bzw. 7,25 Punkte. Überraschendes Ergebnis: Kreuzfahrt nix gut, nach wie vor.
Auf zur Antarktis
Ein achtzehnter, eher psychologischer Pluspunkt, der in der Nabu-Liste gar nicht auftaucht, da er nur die Passagiere betrifft: Gerade in der Antarktis können sich die Kreuzfahrer eins zu eins die Folgen ihres Tuns reinziehen. Abbrechendes Packeis, schmelzende Gletscher, schwitzende Pinguine. Da stehen sie nun an der Reling und gucken sich die Bescherung an.
„Schlimm, schlimm“, murmelt die eine. „Auweia“, der andere. Und die Klügste (oder „Wokste“, wie die Rechten sagen) bemerkt: „Ist das nicht eigentlich superscheiße, was wir hier gerade machen?“
Vielleicht erledigen sich Kreuzfahrten irgendwann selbst: In der Antarktis gibt es nichts mehr zu sehen, die Seychellen sind auch weg
„Aber irgendjemand muss die Katastrophe doch auch dokumentieren“, quakt da ein ganz Naseweiser. „Sind wir Journalisten?“, fragt zu Recht jetzt wieder die Kluge. „Nein“, sagt der, der vorher, „auweia“, gesagt hat, „aber der das hier gerade schreibt, ja genauso wenig.“ Auf dieses Totschlagargument hin schweigen alle. Bloß in der Ferne schreit ein Seebär um Hilfe. Zum Glück läutet der Bordgong nun zum Captain’s Dinner.
Vielleicht erledigen sich die Kreuzfahrten ja auch irgendwann selbst: In der Antarktis gibt es nichts mehr zu sehen, die Seychellen sind auch weg, und schon in diesem Sommer scheitern die in den vergangenen Jahren immer beliebter gewordenen Flusskreuzfahrten wiederholt am Niedrigwasser. Der Klimawandel frisst seine Verursacher. Und zwar nachhaltig.






