
Verkehrsminister Bilger will das Gehalt der Bahn-Manager an die Pünktlichkeit auf der Schiene knüpfen. Wieso ist das nicht längst der Fall?
I nteressierte Bahn-Reisende dürften anlässlich der jüngsten Einlassungenen des neuen Bundesverkehrsministers gestaunt haben. „Es wird sich konkret auf die Bonuszahlungen von Bahn-Managern auswirken, wenn die Ziele, die der Bund vorgibt, nicht eingehalten werden“, sagte Steffen Bilger (CDU) Springers heißem Blatt. Boni sollen nun an Pünktlichkeitsvorgaben geknüpft werden.
Echt jetzt? Das ist kein Aprilscherz im Sommerloch? Nicht falsch verstehen. Den Bahn-Manager die Boni zu nehmen, wenn die Züge nicht pünktlich kommen, ist wirklich eine gute Idee. Aber sie ist sogar so gut und naheliegend, dass sich die Frage aufdrängt, warum es noch kein Verkehrsminister vor Bilger es geschafft hat, auf diese Idee zu kommen.
Überall in der freien Wirtschaft sind Boni für Manager an konkrete Zielvorgaben geknüpft. Weil es bekannt ist, dass Vorstände gerne tricksen und die Zahlen kurzfristig schönrechnen, ist es auch gang und gäbe, die Sonderzahlungen an den langfristigen Erfolg des Unternehmens zu koppeln und erst nach ein paar Jahren auszuzahlen.
Nun ist die Bahn kein normales kapitalistisches Unternehmen. Weil ihre Privatisierung während der letzten großen Finanzkrise abgeblasen wurde, ist sie noch immer komplett in Staatshand. Das ist auch gut so, denn sie erfüllt einen sehr wichtigen Zweck der öffentlichen Daseinsvorsorge: Menschen und Güter auf der Schiene von A nach B zu befördern. Das sollte auch so bleiben. Und deswegen sollten Bahn-Manager auch nach Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit der Verbindungen und nicht nach irgendwelchen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen bezahlt werden.
Dass es unter Bilger bei der Bahn wirklich besser wird, scheint dennoch unwahrscheinlich. Schließlich gab er als offizielles Ziel für den Fernverkehr bis 2029 eine Pünktlichkeitsquote von 70 Prozent bekannt. 100 Prozent werde es auf absehbare Zeit nicht geben, so der Politiker. Und insofern sind die Ankündigungen des neuen Verkehrsministers dann leider doch nicht so überraschend.
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