Leben und Arbeiten bei über 30 Grad: Heißer Scheiß


„Eis? Das war fast schon höhnisch“

Die Klinik, in der ich arbeite, wurde in den 1980er Jahren gebaut. Es gibt nur im Operationstrakt eine Klimaanlage, auf den Bettenstationen und der Intensivstation nicht. Nur zwei der sieben Zimmer der Intensivstation sind mit einer Umluftanlage versorgt, die für etwas kühlere Raumtemperaturen sorgt. In den restlichen Zimmern lag die Temperatur in den letzten Tagen öfter über 30 Grad, nachts bei etwa 27. Die Arbeit in der Hitze ist sehr anstrengend, ermüdet und macht unkonzentriert.

Insbesondere Arbeiten, die eine sterile Bekleidung – Kittel, Handschuhe, Kopfhaube, Mund-Nasen-Schutz – erfordern, sind durch die Hitze deutlich erschwert. Nach solchen Tätigkeiten ist die Arbeitskleidung unter der Schutzausrüstung regelmäßig vollkommen durchgeschwitzt.

Zudem ist die Hitze für die Pa­ti­en­t:in­nen mehr als problematisch. Es treten vermehrt etwa Flüssigkeitsmangel und Fieber auf.

Auch die Lagerung von Medikamenten bei Temperaturen über 25 Grad ist teilweise nicht zulässig. Zur Kühlung des Lagerraums wurde eine mobile Klimaanlage angeschafft. Seitdem liegen die Temperaturen dort durchschnittlich bei 27 Grad – also eigentlich immer noch zu hoch.

Die restliche Station wurde mit Ventilatoren versorgt. Nachts werden die Fenster geöffnet, damit die Nachtluft die Zimmer herunterkühlt. Die Fenster tagsüber durchgängig geschlossen zu halten, um die Hitze draußen zu halten, ist aber kaum möglich. Denn intensivmedizinisch nötige Geräte strahlen zusätzlich Hitze ab.

Die Ausstattung der Intensivstation oder des Gesamthauses mit einer Klimaanlage ist in absehbarer Zeit nicht geplant. Dabei wäre das dringend notwendig. Der Staat müsste Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Mein Arbeitgeber hat einmal Eis an alle Mitarbeitenden verteilt. Das war fast schon höhnisch.

Anonym, 34 Jahre alt, arbeitet auf der Intensivstation einer kommunalen Klinik in Oberbayern

„Viele Schwangere erzählen von starken Wassereinlagerungen, Müdigkeit“

Ich mache Schwangerschafts- und Wochenbettbetreuung und besuche Familien zu Hause. Seit einem Monat arbeite ich auch in einem Geburtshaus. Die Hitze ist Dauerthema bei meinen Klientinnen. Eine Schwangerschaft ist anstrengend genug, wenn es heiß ist, wird alles schwerer. Viele Schwangere erzählen von starken Wassereinlagerungen, Müdigkeit.

Starke Hitze bedeutet auch ein höheres Risiko für Früh- und Fehlgeburten. Und die Hitze wirkt sich auf die Neugeborenen aus. Ihre kleinen Körper können extreme Temperaturen schwerer ausgleichen und es besteht mehr als bei Erwachsenen die Gefahr, dass sie dehydrieren.

Wenn die eigene Wohnung zu heiß wird, gehen viele Eltern zu Verwandten, bei denen es kühler ist. Die Möglichkeit haben aber nicht alle. Mit einem Neugeborenen kann man aber auch nicht beliebig viel Zeit draußen verbringen. Und die Wohnung abzukühlen, ist für Eltern schwerer. Ohne Kind kann ich zum Beispiel nachts mein Fenster aufmachen und in einem leichten Zug schlafen.

Mit einem Neugeborenen geht das nicht, da kann man nicht einfach so das Fenster auflassen. Hitze hat massive Auswirkungen auf vulnerable Gruppen und das findet nicht genug Beachtung.

Im Arbeitsalltag stellt mich die Hitze auch vor neue Herausforderungen. Wenn ich Hausbesuche mache, muss ich schauen, wie ich Medikamente, Blutproben und Öle transportiere – die kann ich ab 25 Grad nicht im Auto lassen. Ansonsten trinke ich viel, versuche zu entschleunigen und Termine eher außerhalb der Mittagshitze zu legen. Also wenn’s geht – bei einer Geburt ist das natürlich nicht möglich.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

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In dem Geburtshaus ist es auch wahnsinnig heiß. Bei der ersten Hitzewelle haben wir direkt zwei Klimaanlagen gekauft. Aber an den ganz heißen Tagen waren in den Geburtsräumen trotzdem an die 30 Grad. Das Gebäude ist ziemlich sanierungsbedürftig und heizt schnell auf. Ich sehe es als Aufgabe der Politik, sich um so etwas zu kümmern – das gehört einfach zum Erhalt einer vernünftigen Infrastruktur.

Verbesserte Hitzeschutzkonzepte sind total wichtig. Aber wir müssen uns viel mehr um die Ursachen des Klimawandels kümmern. Und zwar sofort. Also anders wirtschaften, aufhören, den Planeten auszubeuten. Ich glaube, dass es uns allen nur dann nachhaltig besser gehen kann.

Esther, 31 Jahre, seit zwei Jahren als freiberufliche Hebamme tätig

„Wenn die Kol­le­g*in­nen das hören, fangen sie sofort an zu lachen“

Als Kurierdienst auf dem Fahrrad ist man dauerhaft der Sonne ausgesetzt ist. Das liegt auch an den Arbeitsprozessen. Theoretisch könnten man ja in schattigeren Nebenstraßen fahren. Das braucht aber vielleicht mehr Zeit als über die Hauptstraße.

Die App, mit der unsere Lieferungen koordiniert werden, sagt uns aber: Nimm den schnellsten Weg. Und neuerdings trackt sie, wie lange wir uns an Restaurants oder bei Kunden aufhalten und spamt uns dann zu mit Fragen, warum wir nicht schon weiter sind. Ein automatisiertes Nervsystem, das im Verkehr gefährlich sein kann und Überlastung fördert, gerade an heißen Tagen. Das kommt noch on top zur Belastung von Sonne und schlechter Luft für Haut, Augen, Lunge.

Gerne wird behauptet, für Kuriere im Auto sei all das kein Problem, weil Dach über dem Kopf und Klimaanlage. Wenn die Kol­le­g*in­nen das hören, fangen sie sofort an zu lachen und sagen: „Hey, wenn draußen 32 Grad sind, hab ich drinnen knapp 38, weil bei der Dreckskarre, die ich mir gerade so bei Kleinanzeigen leisten konnte, die Klimaanlage nicht funktioniert.“ Andere, deren Klimaanlage geht, lassen sie aus, weil sie dann 30 Prozent mehr Spritkosten haben, die durch das Geld von Lieferando eh schon nicht gedeckt sind.

Lieferando hat vor ein paar Tagen eine Mail rumgeschickt und geschrieben, dass sie an einem Ort in Berlin kühle Getränke für alle bereitstellen. Das waren ein paar Dosen Cola. Wir haben in Berlin etwa 1.200 Beschäftigte, von denen mehrere Hundert auf den Straßen unterwegs sind. Da kann man sich nur denken: Schönen Dank auch. Hier wird mal wieder deutlich, wie unmenschlich die Firma eigentlich ist.

Was wirklich helfen würde? Lieferando könnte Autos mit funktionierenden Klimaanlagen und Sprit stellen, im Kofferraum eine Kühlbox mit Getränken drin. Und anstatt zu versuchen, die Ku­rie­r*in­nen noch anzutreiben, könnte die Firmen-App sagen: „Du hast jetzt eine Stunde durchgeballert. Mach mal Pause und trink was und fahr im Schatten.“

Das würde auch konform sein mit den Firmenleitlinien für Extremwetter, wo drinsteht, dass Leute bei Hitze langsamer machen sollen. Die App, mit der wir getrackt werden, müsste also umprogrammiert werden.

Von alleine wird Lieferando das sicher nicht machen. Staat und Gesellschaft sind in der Verantwortung, das einzufordern. Das Lieferwesen muss viel stärker reguliert werden. Würden wir Es­sens­ku­rie­r*in­nen als Post­dienst­leis­te­r*in­nen anerkannt, könnten wir viel besser an bestehende Arbeitskämpfe andocken. Das wäre auch nur richtig. Was ist der Unterschied zwischen: Du bestellst über MediaMarkt eine Spielkonsole und der Postbote liefert sie in einem Karton aus, und du bestellst Essen über Lieferando und ein Expresskurier liefert es in einer Papiertüte?

Lieferando, Uber Eats und Co bezeichnen uns als „Rider“ genau um das zu vermeiden. Sie wollen uns unsere Arbeitsrechte nehmen, um uns leichter über kriminelle Subunternehmerstrukturen ausbeuten zu können. Dagegen braucht es ein gesetzliches Direktanstellungsgebot. Sofort!

Mo, 41 Jahre alt, Lieferando Workers Collective

„Wenn man Zwischenfrucht gesät hat, verwelkt sie“

Wir hier in Baden-Württemberg haben seit Mai keinen wesentlichen Regen mehr abgekriegt. Ich bin jetzt 60 Jahre alt und das habe ich noch nie erlebt. Wenn man Zwischenfrucht gesät hat, verwelkt sie, weil die Hitze einfach zu groß ist. Die Bäume auf meinen Streuobstwiesen waren wunderschön, haben eine tolle Blüte gehabt. Jetzt fällt alles runter.

Ich mag die Sonne und ich mag die Hitze. Aber dieses Jahr ist es so heiß, das übersteigt sogar meine Kapazitäten. Wir passen uns an, indem wir unsere Arbeitszeiten ändern. Die italienische Siesta wird bei uns auf jeden Fall eingehalten. Gott sei Dank haben wir klimatisierte Traktoren und einen Schwimmteich vor Ort. Das macht es leichter.

Urlaub ist momentan aber nicht möglich, weil ständig jemand vor Ort sein muss. Wenn Lüftungsalarm ist, dann muss man sofort gucken, dass es den Tieren gut geht. Die Biogasanlage muss gefüttert werden und die Motoren gewartet, im Stall muss zweimal täglich Durchgang gemacht werden.

Der Mais ist jetzt 50 Zentimeter hoch. Man braucht gar niemals dran denken, dass man den noch häckselt. Da haben wir sehr viel Geld in Sand gesteckt. Und wir haben weniger Getreideertrag. Wenn ich irgendwann Futter zukaufen müsste, wäre das so teuer, dass ich mir das gar nicht leisten könnte.

Daraus ergibt sich einfach eine Gesamtbelastung, besonders mit Blick auf die Zukunft. Ich bin zwar noch immer kämpferisch, aber ich kämpfe eigentlich nicht mehr für mich, sondern für die landwirtschaftliche Jugend. Besonders für meinen Sohn, der den Betrieb mal übernehmen wird. Wir möchten gern, dass die Jugend weitermacht. Aber die Aussichten sind wirklich sehr, sehr schwierig.

Es wird einem von der Politik nicht unbedingt leicht gemacht, einen positiven Weg zu finden. Ich denke, staatlich muss man über ein übergreifendes Konzept zum Klimaschutz kommen. Aber finanzielle Hilfen, das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Für mich muss es absolutes gesellschaftliches Umdenken geben. Jeder muss dazu beitragen und die Regionalität unterstützen.

Martina, 60, ist Landwirtschaftsmeisterin und führt einen Ackerbaubetrieb mit Schweinemast im Landkreis Biberach

„Sie können nicht mal kurz nach Hause gehen und den Wasserhahn aufdrehen“

Ich erlebe die heißen Tage so wie jedes Jahr bei der Berliner Obdachlosenhilfe. Wir haben jedes Jahr das Problem, dass die Sommer sehr heiß sind. Dieses Jahr fühlt es sich allerdings noch heißer an als sonst.

Wir müssen auf unseren Touren oft viel mehr Wasser einpacken. Hitze ist für uns auch ein Thema im Zusammenhang mit Obdachlosigkeit. Sie ist meistens genauso gefährlich wie Kälte. Viele unserer Gäste sind obdachlose Personen. Sie sterben im Sommer an Hitze genauso wie im Winter an Kälte. Gerade im Hochsommer ist das ein Riesenthema.

Problematisch ist vor allem die Wasserversorgung, gerade auch in Berlin. Es gibt hier nur ein paar Brunnen mit Trinkwasser und das ist nicht genug. Für Leute, die keinen Zugang zu fließendem Wasser haben, ist das ein riesiges Problem. Sie können nicht mal kurz nach Hause gehen und den Wasserhahn aufdrehen.

Gerade was die Hitze angeht, sind wir eigentlich total schlecht aufgestellt. Wir haben Getränke dabei, aber das hilft eher nur für den schnellen Durst vor Ort. Zum Mitnehmen haben wir zum Beispiel auch nicht unbedingt viel. Die Menschen müssen das ja auch noch mit rumschleppen. Da sind wir nur der Tropfen auf den heißen Stein.

Wir sehen hier immer wieder Leute mit Sonnenbränden. Die sind den ganzen Tag draußen und können sich nicht schützen.

Ich habe das Glück, dass ich eine kühle Wohnung habe und mich abends abkühlen kann. Die Leute bräuchten auch eine Wohnung, damit sie sich mal abkühlen oder abduschen können. Wohnraum schützt vor Hitze.

Annie, 37 Jahre alt, ehrenamtlich aktiv bei der Berliner Obdachlosenhilfe mit wöchentlicher Essensausgabe an Bedürftige

„Der Supermarkt ist schön kühl“

Die heißen Tage machen mich wach, topfit und super motiviert. Und die Hitze macht mich viel lockerer. Nee, ich mach nur Spaß. 25 Grad möchte jeder gern, aber das ist ja nicht zu haben auf Dauer. Die 40 Grad letztens waren wirklich eine Herausforderung. Aber man hat ja dann so ein gemeinsames Leiden mit allen, die sind dann alle so: Okay, ist jetzt so. Aber keiner möchte immerzu schwitzen. Es ist schön, wenn es dann endlich wieder aufhört.

Wenn man keinen Zugang zu Trinkwasser hat, ist das schon schwierig. Trinkbrunnen sind dann mal wirklich gut. Wenn es warm ist, macht das bei vielen Kreislaufprobleme. Schwindel oder Kopfschmerzen oder Kreislauf – zum Glück geht das bei mir irgendwie.

Mir hilft keiner, durch die heißen Tage zu kommen. Ich mache lieber alles allein. Ein bisschen Sonnencreme benutze ich an diesen Tagen, was ich sonst gar nicht mache. Ich müsste eigentlich auch mal eine Sonnenbrille haben, es war doch sehr hell letzte Woche. Ich achte schon darauf, dass ich immer mal wieder im Schatten bin.

Sonst habe ich da keine großen Rezepte. Ich habe genug Wasser und, na ja, den kühlen Supermarkt. Wenn ich im Supermarkt bin, denke ich: Hier bleibe ich. Aber ich kann ja nicht immer einkaufen gehen. Es gibt auch Kirchen, die offen sind an den heißen Tagen. Auch wenn die Kirchen jetzt warm sind, sie sind trotzdem noch irgendwie kühler. Im Prinzip müsste es, damit es mir gutgeht, nach zwei, drei Tagen wieder kühler werden, so um 25 Grad. Diese Phase, als es zwei Wochen lang so extrem heiß war, das war schon wirklich viel.

Vielleicht bräuchte ich eine persönliche Klimaanlage oder einen Springbrunnen zum Reinspringen. Es gibt ja wohl auch Wasserangebote, ich weiß nur gar nicht, wo man da nachschauen kann. Im Winter freue ich mich ja immer auf den Sommer, aber jetzt habe ich schon wieder genug von der Sonne.

Anonym, 66, angetroffen bei einer Essensausgabe für wohnungslose Menschen in Berlin

„Das nervt total“

Die Hitze ist sehr schlimm. Das nervt total. Aber das habe ich auch bald hinter mir. Ich bin sehr krank. Wenn es so richtig heiß ist, setze mich manchmal in den Park. Ich passe schon auf mich auf. Meine einzige Anlaufstelle ist die Mühlenstube am U-Bahnhof Rehberge.

Wasser habe ich keins, aber die geben mir dort immer was. Ich bin alle zwei Tage dort. Da kann ich mich auch ausruhen. Ich sitze im Rollstuhl und kann sonst nicht viel machen.

Aydin, 42, obdachlos, angetroffen an einem U-Bahnhof, mit großen Verbänden über offenen Wunden an beiden Beinen

„Als würde ich in einem Backofen arbeiten“

Seit 15 Jahren arbeite ich Vollzeit als Alltagsbegleiterin in einer städtischen Pflegeeinrichtung für Senior*innen. Meine Hauptaufgabe auf der Station ist es, die 28 Be­woh­ne­r*in­nen – der älteste ist 98 Jahre alt – mit mehreren Mahlzeiten am Tag zu versorgen. Das Haus muss ohne Klimaanlage auskommen – keine Kleinigkeit bei den fast tropischen Temperaturen, die derzeit in Baden-Württemberg herrschen. Aktuell fühlt es sich an, als würde ich in einem Backofen arbeiten.

Diese Situation ist für die Be­woh­ne­r*in­nen sehr belastend. Für uns jedoch, das Personal, ist es jetzt doppelt so hart. Trotzdem versuchen wir alles, um es den Menschen hier so angenehm wie möglich zu machen.

Ganz viel trinken ist das A und O, da sind meine Kol­le­g*in­nen und ich wirklich hinterher. Auch die Küche schickt immer mal wieder Teller mit Stücken kalter Wassermelone, Eis und gut gekühlte Säfte vorbei. Anders als in den vergangenen Jahren musste in diesem bisher kei­n*e Be­woh­ne­r*in ins Krankenhaus gebracht werden, weil er oder sie zu wenig getrunken hat.

In den Fluren und im Speisesaal unserer Einrichtung gibt es große Ventilatoren. In allen anderen Räumlichkeiten wird zwischen fünf und neun Uhr morgens gelüftet, danach gehen Rollos und Jalousien herunter.

Die anderen Kol­le­g*in­nen und ich arbeiten bei der Hitze etwas langsamer, viele haben Konzentrationsprobleme. Mir selbst kommt es so vor, als würde ich 100 Kilo wiegen, meine Beine fühlen sich so schwer an. Das Haus braucht unbedingt eine Klimaanlage. Die könnte es tatsächlich irgendwann geben, obwohl das Gebäude alt ist und entsprechende Arbeiten aufwendig.

So schwer es gerade jetzt auch ist, ich will noch ein paar Jahre schaffen. Ich will nirgendwo anders sein. Denn ich liebe meinen Beruf wirklich sehr.

Anonym, 62 Jahre alt, Betreuerin in einer Einrichtung für Se­nio­r*in­nen im Großraum Stuttgart

„Ohne Fächer oder Handventilator verlasse ich die Wohnung nicht“

Chronische Krankheiten zeigen sich oft in Phasen. Manche Tage sind so gut, dass man fast selber vergisst, wie krank man ist. An anderen kann man kaum etwas tun außer warten und ertragen. Erholung gestaltet sich nach meiner Erfahrung deutlich schwieriger, wenn der Körper ohnehin schon unter Hitzestress steht.

Bei meiner Erkrankung, die in direktem Zusammenhang mit dem Atemsystem steht, belastetet eine drückende, feuchtwarme Umgebung besonders stark. Ohne einen Fächer oder aufladbaren Handventilator verlasse ich die Wohnung nicht.

Ich wohne glücklicherweise in einem Neubau, aber auch der heizt sich über den Tag auf, auch die Luftfeuchtigkeit steigt. In dem Altbau, in dem ich vorher gewohnt habe, war es bei Hitze noch schwerer aushaltbar. Auch das Lüften während der gesamten Nacht kann die Wohnung nicht völlig abkühlen.

Besonders diese schwüle Stauhitze reizt in meinem Fall die Atemwege und provoziert Halsschmerzen, Husten, Heiserkeit und Atemnot, was wiederum zu Kopf- und Kieferschmerzen, Müdigkeit, Kreislaufproblemen, Schwierigkeiten beim Einschlafen und emotionaler Erschöpfung führt.

In solchen Phasen, in denen ich nicht vor der Hitze fliehen kann, bin ich meinen Mitmenschen, die mir kleine und große Aufgaben abnehmen und mir Verständnis entgegenbringen, besonders dankbar. Von dieser Unterstützung sowie dem Zugang zu Wasser, kleinen Hilfsmitteln wie Lutschtabletten sowie meinen ärztlich verschriebenen Inhalationen bin ich vollkommen abhängig. In Hitzezeiten noch mehr als sonst.

Anonym, 26, wohnt in der Nähe von Augsburg

„Mein Haus wird keine Wärmedämmung bekommen“

Seit drei Jahren wohne ich in einer Maisonettewohnung im dritten Stock eines Altbaus. Eigentlich fühle ich mich da recht wohl – eigentlich. Aber seit fast vier Wochen nicht mehr. In meinem knapp 40 Quadratmeter großen Schlafzimmer direkt unter dem Dach zeigt das Thermometer fast kontinuierlich über 40 Grad an. Im Raum darunter ist es kaum kühler. Da helfen auch mehrere Ventilatoren nichts. Das fühlt sich an wie eine Fangopackung.

Das Haus hat keine Wärmedämmung und wird auch keine bekommen. Es steht unter Denkmalschutz. Wegen der Überhitzung leide ich unter Schlaflosigkeit und kann mich nur mit Mühe konzentrieren. Mir fehlt deshalb die Energie, um meinen Alltag geschmeidig zu bewältigen.

Normalerweise erledige ich einen Teil meiner Arbeit im Homeoffice. Das erspart mir die oft staulastige Anfahrt nach Stuttgart. Außerdem verbrauche ich so weniger Sprit, da freut sich dann die Haushaltskasse.

Arbeiten zu Hause bei dieser Gluthitze ist aber auch eine Zumutung. Ich trinke dann viel Wasser, zwischendurch gehe ich auch schnell mal unter die Dusche. Und ich benetzte häufiger meine Unterarme mit kaltem Wasser. Das kommt während einer Zoomkonferenz bei den anderen Teil­neh­me­r*in­nen allerdings weniger gut an.

Gleiches gilt, wenn man legere, lockere Bekleidung trägt, etwa ein leichtes Top oder ein dünnes T-Shirt. Da hat sich ein Kollege neulich doch etwas irritiert gezeigt. Also habe ich meine Tätigkeiten wieder an meinen Schreibtisch in der Firma verlagert. Da sind die Räume klimatisiert, da lässt es sich gut aushalten.

Weil die Hitze im Sommer zu einem Dauerproblem werden könnte, habe ich schon überlegt, mir eine neue Wohnung zu suchen. Doch es findet sich keine, die bezahlbar ist. Also lautet die Devise wohl erst einmal: Weiter schwitzen!

Anita, 49 Jahre alt, Sekretärin, wohnt in Esslingen am Neckar und arbeitet in Stuttgart

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