
Gleise, die sich in der glühenden Hitze verbiegen, eingestellter Zugverkehr, versagende Klimaanlagen, Hitzeschocks bei Fahrgästen – solche Meldungen über den Berliner ÖPNV kursierten während der 40-Grad-Welle Ende Juni. Eine Anfrage der Grünen im Abgeordnetenhaus hat jetzt etwas mehr Licht in die Folgen der Extremtemperaturen für den Nahverkehr und seine NutzerInnen gebracht. Demnach sind strukturelle Schäden und Betriebseinschränkungen noch überschaubar – aber für viele Fahrgäste bleibt es auf Jahre ein schweißtreibendes Unterfangen, an solchen Tagen unterwegs zu sein.
Die verkehrspolitischen Sprecherinnen der Grünen-Fraktion, Antje Kapek und Oda Hassepaß, hatten unter anderem wissen wollen, wie oft S- und U-Bahnen, Trams, Busse und Regionalzüge am 26., 27. und 28. Juni hitzebedingt ausfielen. Laut der Senatsverwaltung für Mobilität und den Verkehrsunternehmen gab es bei der Tram zwei Vorkommnisse: einen Gleisabschnitt von 600 Metern in der Bernauer Straße, der geschliffen werden musste, und eine verzogene Weiche in Köpenick. Zugausfälle auf den U-Bahnlinien 1 und 3 wegen einer Signalstörung seien „nicht zwingend“ der Hitze anzulasten.
Die Busse – ob Diesel oder elektrisch – hatten offenbar deutlich mit der Klimatisierung zu kämpfen. Weil man sich aber durch Reinigung und Wartung der Anlagen gut vorbereitet habe, sei das „Störungsniveau auf beherrschbarem Niveau“ geblieben, so die BVG. In der Elektrobusflotte hätten Warnmeldungen zur Batteriekühlung zum Ausfall einzelner Fahrten geführt.
Die S-Bahn meldete keine Probleme mit ihrer Infrastruktur, aber doppelt so viele Störungen im Fahrzeugbetrieb wie sonst üblich: Vor allem Türsteuerungen scheinen bei großer Hitze häufiger zu versagen. Gravierender war die Situation auf den Regionallinien: Einige Züge der DB Regio Nordost blieben zeitweise stehen, weil Lokomotiven Kühlpausen einlegen mussten. Und die dieselbetriebenen Züge der Niederbarnimer Eisenbahn fielen an allen drei Tagen „spätestens ab 16 Uhr“ aus, weil die Klimaanlage ihren Dienst versagte.
Fehlende Statistiken
Statistiken, mit denen sich die Hitzestöranfälligkeit der Infrastruktur über die vergangenen Jahre vergleichen ließe, gibt es bei der BVG nicht – weil das, so das Unternehmen, „in der Vergangenheit noch nicht notwendig“ war. Die S-Bahn GmbH verzeichnete 2018 und 2019 jeweils zwei hitzebedingte Störungen an Weichen oder Stellwerken, sowie eine Signalstörung im Jahr 2024.
„Wenn wir jetzt nicht handeln, werden BVG, S-Bahn und Regionalverkehr in Zukunft über weite Teile des Sommers ausfallen und Berlin wird nicht mehr funktionsfähig sein“, warnt Antje Kapek. Die Senatsverwaltung sieht das offenbar gelassener, räumt aber ein, man müsse mittlerweile davon ausgehen, „dass künftig Tagesmaxima von 40 °C wiederholt erreicht und überschritten werden können“. Was die „Klimarisikoanalyse Berlin 2026“, auf deren Grundlage der Senat plant, in Teilen obsolet macht: Sie enthält keine Aussagen zu Tagen, an denen mehr als 35 Grad °C herrschen.
Zwar sollen die neuen Fahrzeugreihen von S-Bahn, Tram und Regionalbahnen laut Senatsantwort auch bei bis zu 45 Grad fahrtüchtig bleiben, aber der Komfort der NutzerInnen bleibt ein Problem. Für die Klimaanlagen, die in den neuen Zügen der S-Bahn verbaut sind, gilt nur eine DIN-Norm mit angenommenen Maxima von 35 Grad Celsius. In den älteren Baureihen, die erst bis 2036 komplett ausgemustert sein sollen, gibt es ohnehin keine Klimatisierung, genauso wenig wie in der U-Bahn. Immerhin: Bei der Tram sind laut BVG schon 266 von 380 Bahnen klimatisiert, bis 2032 sollen es alle sein.
Eher dürftig sind die Antworten auf Kapeks und Hassepaß’ Frage nach dem Berliner Hitzeaktionsplan. „Die Maßnahmen des Hitzeaktionsplans mit Bezug auf den ÖPNV lassen sich überwiegend nicht kurzfristig umsetzen“, schreibt die Mobilitätsverwaltung. „So sind die Beschaffung neuer S-Bahn-Fahrzeuge und auch die Aufstellung neuer BVG-Wartehallen keine Maßnahmen, welche kurzfristig umsetzbar sind.“ Man prüfe aber, inwieweit „die Fahrgastinformation in Bezug auf Hitzeereignisse einbezogen“ werden könne. Die BVG habe schon ihre elektronischen Anzeigen mit dem Hinweis „Bitte achtet aufeinander und trinkt ausreichend Wasser“ bespielt.






