
Auch in unsanierten Häusern ist der Einbau einer Wärmepumpe langfristig deutlich günstiger als der einer Gasheizung. Zu diesem Ergebnis kommt ein Studie des Beratungsunternehmens Prognos im Auftrag des Naturschutzsbunds WWF. Weil die staatliche Förderung für Wärmepumpen in den kommenden Jahren schrittweise sinken wird, zahlt sich eine rasche Installation aus, zeigen die Berechnungen. Verbraucherschützer:innen fordern, dass der Staat gerade Haushalte mit niedrigen Einkommen finanziell besser unterstützt, damit auch sie zügig auf eine klimafreundliche Heizung umsteigen können.
Der Hintergrund: Gesetzlich ist festgelegt, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein muss. Spätestens dann müssen Häuser klimafreundlich beheizt werden. Die Ampelregierung hatte deshalb den Einbau von Gas- und Ölheizungen ab einem bestimmten Zeitpunkt verboten und eine Förderung für klimafreundliche Wärmepumpen eingeführt. Das Verbot hat die schwarz-rote Regierung gekippt und stattdessen für Gasheizungen eine Quote für grüne Brennstoffe eingeführt, die nach und nach Öl und Gas beigemischt werden müssen. Woher die erforderlichen Mengen für die Biobrennstoffe kommen sollen, ist bislang unklar.
Der Staat fördert die Anschaffung einer Wärmepumpe weiterhin. Aber Wärmepumpen seien kein Selbstläufer, sagte Sebastian Breer, Gebäudeexperte des WWF, bei der Vorstellung der Studie am Dienstag vor Journalist:innen „Zwar werden viele Wärmepumpen verkauft, aber noch immer auch viele andere Heizungen.“ Im vergangenen Jahr wurden rund 290.000 Wärmepumpen in Deutschland verkauft, aber immerhin auch mehr als 220.000 neue Gasheizungen.
Der Kauf einer Gasheizung ist deutlich günstiger als der einer Wärmepumpe. Langfristig ist eine Wärmepumpe trotzdem billiger, weil die Betriebskosten sehr viel niedriger sind, zeigen die Berechnungen. „Eine Wärmepumpe hat immer einen wirtschaftlichen Vorteil“, sagte Dominik Rau von Prognos. Die Kosten für Gas werden in den kommenden Jahren stark steigen. Verantwortlich dafür sind unter anderem die neuen Vorgaben der schwarz-roten Bundesregierung, denn die vorgeschriebene Beimischung grüner Brennstoffe zu Gas verteuert den Betrieb stark. Steigende Netzentgelte und der CO2-Preis sorgen ebenfalls für höhere Kosten.
Förderung für Wärmepumpen sinkt
Vielfach wird behauptet, Wärmepumpen seien in älteren Gebäuden nicht sinnvoll, weil ohne Sanierung zu viel Wärme verloren gehe. Dabei lohnt sich eine Wärmepumpe durchaus auch für unsanierte Häuser, wie die Zahlen der Prognos-Berechnungen zeigen. Wird im Oktober 2026 in ein Einfamilienhaus mit der Energieeffizienzklasse F, das zwischen 1958 und 1968 gebaut wurde, eine Wärmepumpe eingebaut, belaufen sich die Gesamtkosten fürs Heizen auf einen Zeitraum von 15 Jahren gesehen voraussichtlich auf 56.815 Euro. Bei einer Gasheizung wären es 61.118 Euro.
Die Anschaffungskosten von 34.000 Euro für die Wärmepumpe einschließlich der möglichen staatlichen Zuschüsse sowie 14.500 Euro für den Kauf eines Gaskessels sind hier einberechnet. Für Haushalte mit einem Jahresverdienst unter 30.000 Euro gibt es einen zusätzlichen Zuschuss, den sogenannten Einkommensbonus. Für sie sind die Heizkosten mit 47.295 Euro den Berechnungen zufolge noch niedriger. Ist eine Solaranlage vorhanden, drückt das die Heizkosten nochmals erheblich.
Bei einem Einbau erst im August 2029 ist der Vorsprung der Wärmepumpe allerdings geringer, weil die Förderung bis dahin erheblich sinkt. Die staatlichen Zuschüsse sind dann zwischen 4.600 Euro bis 5.380 Euro niedriger, je nach Förderanspruch. „Schnelligkeit zahlt sich jetzt aus“, sagte Rau.
Politischer Zielkonflikt
Doch hier gibt es einen politischen Zielkonflikt, so Lorena Jonas vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Einerseits fördert der Staat gerade Haushalte mit niedrigen Einkommen, sagte sie. Andererseits seien durch das Sinken der Förderung gerade jene benachteiligt, die nicht sofort investieren können – also Haushalte mit wenig Geld. Der Einbau einer Wärmepumpe muss zu 100 Prozent vorfinanziert werden, die staatlichen Zuschüsse fließen erst nach der Installation. „Das ist für Haushalte mit wenig Einkommen ein Riesenproblem“, betonte sie. Wenigstens für jene, die bei der Förderung Anspruch auf den Einkommensbonus haben, sollte die Vorfinanzierung wegfallen, forderte sie.
Ohnehin ist die Finanzierung trotz der Zuschüsse für viele schwierig, sagte Jonas. Der Staat müsse an dieser Stelle nachbessern. Zwar gewähre er durchaus günstige Kredite. „Aber das wird von den Hausbanken nicht durchgereicht“, berichtete sie. Der Staat sollte zum Beispiel über seine Förderbank KfW den Zugang zu günstigen Krediten besser ermöglichen oder Ausfallbürgschaften anbieten, um die Finanzierungskosten zu senken.






