
Im Jahr 2023 erst hatte die Deutsche Bahn die Nutzung von Glyphosat eingestellt. Nun hat das Bahn-Tochterunternehmen InfraGo einen Antrag zur erneuten Glyphosat-Nutzung beim Eisenbahnbundesamt gestellt. Stimmt das Amt zu, dürfte ein Drittel des Streckennetzes ab kommendem Frühjahr wieder mit Glyphosat behandelt werden.
Das Pflanzengift von Bayer, das unter dem Handelsnamen Roundup zu kaufen ist, wird von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft. 2018 hatte Bayer den damaligen Hersteller Monsanto aufgekauft. Eine Studie aus dem Jahr 2000, die Glyphosat als ungefährlich einstufte, ist vergangenes Jahr von der Fachzeitschrift Regulatory Toxicology and Pharmacology offiziell zurückgezogen worden. Grund dafür waren unter anderem potenzielle Interessenkonflikte der Autor*innen.
Die weniger umweltschädliche Alternative Pelargonsäure bezeichnet eine Sprecherin der DB InfraGo als „ungenügend“. Der Einsatz dieses Mittels habe nicht ausgereicht, um „Gleise, Weichen und Signale wirksam von Pflanzenbewuchs freizuhalten“. Starker Bewuchs könne die Sicht auf die Signale beeinträchtigen, Rettungswege einschränken oder Instandhaltungsarbeiten erschweren.
Eine mechanische Entfernung des Unkrauts sei wiederum mit einem großen Bedarf an Personal verbunden und würde zu Blockierungen der Streckenabschnitte führen, teilte InfraGo mit. 60 Millionen Euro hatte die Bahn im Jahr 2025 für die sogenannte Vegetationskontrolle ausgegeben. 2020, als sie noch Glyphosat nutzte, waren es 9 Millionen Euro.
Französische Bahn kommt ohne Glyphosat aus
Jan Pehrke, Sprecher der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG), ist über den Schritt der Deutschen Bahn enttäuscht. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF zeige, dass es auch anders geht. SNCF arbeitet seit 2021 ohne Glyphosat. „Der französische Anbieter arbeitet mit Geotextilien oder baut selbst Pflanzen mit kürzeren Wurzeln an, damit das Gleisbett nicht aufweichen kann“, sagt Pehrke. Geotextilien werden unter dem Schotter der Bahntrasse verlegt. Sie sind wasserdurchlässig und stabilisieren das Gleisbett.
„Die Bahn spricht von höheren Kosten, aber es gibt ja auch gesellschaftliche Kosten“, sagt Pehrke mit Hinweis auf die Behandlungskosten einer Krebserkrankung. Auch die Kosten für die Natur dürften nicht unterschätzt werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält die Entscheidung der Deutschen Bahn für fatal. „Glyphosat schädigt die Biodiversität“, sagt Daniela Wannemacher, Teamleiterin Landnutzung beim BUND. Sie fordert eine maximal restriktive Genehmigung vom Eisenbahnbundesamt, sofern dieses dem Antrag der DB zustimmt.
Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hatten sich 2022 bewusst für den Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung entschieden. Inzwischen ist die Bahngesellschaft aber dazu übergegangen, das Pflanzengift in klar definierten Bereichen wieder einzusetzen. Die alternativen Methoden reichten langfristig nicht aus, den Bereich entlang der Gleise freizuhalten, sagt ÖBB-Sprecher-Daniel Pinka. Dadurch könnten erhöhte Rutsch- und Unfallgefahren für Mitarbeiter*innen entstehen.
„Thermische und elektrische Methoden befinden sich in einem frühen Entwicklungsstadium und sind aus diversen Gründen noch nicht bahntauglich“, sagt Pinka. Dabei scheitere es an mangelnder Zulassung und unzureichender Wirkung. „Heißwasser zeigt beispielsweise eine gute Wirkung bei wiederholter Anwendung“, sagt Pinka. Diese Methode benötige aber sehr viel Energie und Wasser.






