D as Airbnb, das ich in Dallas bewohne, hat einen seltsamen Vibe. „Ist dir aufgefallen“, fragt mich ein anderer Gast, „dass die Leute hier dir nicht in die Augen sehen?“ Ich wohne als WM-Journalistin abseits der Reporterbubble für eine Woche in einem austauschbaren Reihenhaus mit zahlreichen Zimmern.
Es ist sehr billig. Im Haus leben außer mir nur männliche Gäste, und einige sitzen den ganzen Tag im Gemeinschaftsraum und starren aufs Handy. Jemand erzählt, dass er auf einen Gerichtsprozess warte und von seinem Aggressionsproblem. Doch meist schweigen sie. Einige haben sich für längere Zeit eingerichtet. Und ja, sie schauen oft nicht in die Augen. „Weil sie sich schämen“, glaubt der Gast, der sich nicht schämt. „Sie schämen sich für ihre Lage.“
Die USA sind das Land großer Träume und noch größerer Menschenrechtsverbrechen. Vielleicht folgerichtig sind sie auch das Land romantisierter Außenseiter. Von Jack Kerouac bis Hunter S. Thompson feierten Autoren das Leben am Rand der Gesellschaft. Doch etwas an dem weißen Machogedöns war immer auch unangenehm. Vielleicht haben mir einfach zu viele bürgerliche Männer erklärt, wie kultig „Fear and Loathing in Las Vegas“ sei. Die aktuellen liberalen Reportagen über prekär lebende Trump-Fans sind indes anders unangenehm, mit ihrem elitären Blick und dem melodramatischen Sound. Die Sedimente Amerikas freilegen wollen viele. Aber vielleicht ist die Popkultur-Schicht darüber mittlerweile zu dick.
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Hier drinnen in Dallas sind wir gemeinsam fremd. In der Umgebung: ein riesiger Golfplatz; menschenleere Bürgersteige und breite Highways; Fast-Food-Ketten, von denen es wohl ein Überangebot gibt, denn auch die sind oft leer.
Und so fangen wir doch an zu reden. Da ist der Typ, der zuletzt in einem Amazon-Warenlager arbeitete. Er verachtet den Kapitalismus, und ich bin überrascht über seine Deutlichkeit, hier in den USA. Im Ausland war er nie. Europa sei gefährlich, das hat er auf Tiktok gesehen. Er will ein besseres Leben und wartet auf eine Idee. Da ist der ältere Mann aus Las Vegas, er arbeitet in Casinos. Von einer zur nächsten Casinostadt ziehe er, allein. Seine Hände zittern stark. Ich frage nicht danach.
Und da ist der Gast, der sich nicht schämt, er stammt aus einem ostafrikanischen Staat. Auf einem Internat der katholischen Kirche war er, dort habe es ständig Prügel gegeben, etwa dafür, dass er seine Muttersprache nutzte. So hat er sie verlernt. Dank der Bildung konnte er emigrieren. Und wegen der Schläge kehrte er nie in sein Heimatland zurück. Ja, die USA liefern starke Geschichten. Es ist nicht schwer, sie zu finden. Schwer ist, sie richtig zu erzählen. Wie wäre es einfach ohne eine Pointe im Sinn.






