Antifa-Aktion gegen Burschenschaft: Mauer gegen rechts mal praktisch

Hannover taz | Wie auf einer Ameisenstraße schlängeln sich am Samstagmittag etwa hundert Menschen schweigend durch die hannoversche Nordstadt. Einige haben Warnwesten an, andere sind vermummt. Zwischen sich tragen sie riesige Holzwände.

Als der Tross in die Rühlmannstraße einbiegt, wird es hektisch. Nach und nach werden die Holzwände vor einer Villa, dem Haus der Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig, aufgestellt und verdübelt. „Nazizentren Dichtmachen!“, steht über die gesamte Länge der Wand gesprüht.

Drinnen in der Villa soll um 14 Uhr eine Sitzung des Gesamtvorstandes der Burschenschaft steigen. Laut Semesterprogramm wird normalerweise erst getagt und danach gebechert.

Den An­woh­ne­r:in­nen hinterließen die Ak­ti­vis­t:in­nen Flugblätter, um sie über das Treiben in der Villa zu informiere – einem faschistischen Zentrum, wie die Ak­ti­vis­t:in­nen schreiben. Beispielsweise kann nur, wer zum „deutschen Volk“ gehört (und Student ist), im Männerbund Mitglied werden.

Treff für Rechte

Genauer heißt es in einem Beschluss des Dachverbandes der Deutschen Burschenschaft: „Die deutsche Volkszugehörigkeit ist danach an verschiedene Merkmale wie Abstammung, Sprache, Erziehung, Kultur und Bekenntnis geknüpft.“

Die Immobilie wird auch für einschlägige Veranstaltungen genutzt. Hier trug der AfD-Politiker Joachim Paul am 18. November 2023 zum Thema „Schicksalsfrage Einwanderung – warum Remigration nötig und machbar ist“ vor. Das zeigen Bilder. Joachim Pauls Nähe zum rechtsextremen Vorfeld der AfD, deren Jugendorganisation Junge Alternative (JA) und auch Kadern der Identitären Bewegung kann jeder selbst auf den sozialen Medien nachverfolgen.

In der Ghibellinia-Leipzig träfen „Rechtsextremisten auf Unterstützer in bürgerlichen Parteien und finanzstarke Unternehmer“, heißt es in dem Flugblatt weiter. Damit sind vor allem die Mitglieder des Altherrenverbandes gemeint, die teils hohe Posten in großen Unternehmen bekleiden.

Nach 15 Minuten ist die Mauer fertig. Die Gruppe fackelt Pyrotechnik ab und während sich alle zerstreuen, werfen ein paar wenige Christbaumkugeln mit Farbe auf die Fassade. Zu einer direkten Konfrontation zwischen denen im und vor dem Haus kommt es nicht. Erst als die Polizei eintrifft, wagen sich ein paar Burschen heraus.

Polizisten mit Brecheisen

Am Abend steht ein Großteil der Wand immer noch. Eine technische Einheit der Polizei demontiert sie fluchend mit einem Brecheisen. Übrig bleiben die kleinen Löcher, in denen die Dübel saßen. Die Fassade, die voller Farbflecken früherer Attacken ist, hat ein paar frische Kleckse.

Die Polizei ermittelt nun wegen des Verdachts der Nötigung und des Landfriedensbruchs, wie ein Sprecher der taz sagte. Außerdem sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Pyrotechnik eingeleitet worden. In der Nähe seien Personen kontrolliert worden. Ob die aber wirklich zur Gruppe gehörten, habe man nicht ermitteln können.

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