
Die neuste Staffel beschäftigt sich mit den Kwasizabantu. Wieder gelingt es dem BR eindrücklich Abgründe spiritueller Gruppierungen zu zeigen.
Mit nackten Knien auf der Kante eines Holzscheites. Oder gleich Prügel. Bestraft, weil Rebecka und ihr Bruder beim Kinderschminken in der Schule mitgemacht hatten. Das ist in den Augen ihrer Familie eine Sünde. Diese ist Mitglied in einer Gemeinde der evangelikalen Gruppierung Kwasizabantu. Und da gilt: Wer sein Kind liebt, züchtigt es, damit es nicht in die Hölle kommt.
Mittlerweile ist Rebecka 40 Jahre alt und hat nichts mehr mit der Gemeinde zu tun. Aber der Missbrauch, den sie bei Kwasizabantu erlebte, verfolgt sie bis heute. Auch, weil sich einer der Täter nach Jahrzehnten bei ihr meldete.
In der neuesten Staffel des Podcasts „Seelenfänger“ des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel „Holy Hell“ begleiten die Journalist:innen sie dabei, einen der Täter zu konfrontieren. Außerdem begeben sich die Report:innen auf investigative Recherche nach Südafrika. Hier wurde Kwasizabantu 1970 von Erlo Stegen, einem Nachkommen deutscher Missionare, gegründet. Ironischerweise bedeutet der Name: „Der Ort, an dem Menschen geholfen wird.“
Rebecka und ihr Bruder sind zwei von vielen Aussteiger:innen, die heute von Missbrauch, systematischer und sexualisierter Gewalt bei Kwasizabantu berichten. In mehreren Ländern gab und gibt es dazu Ermittlungsverfahren. Das „Seelenfänger“-Team versucht herauszufinden, wie die Gemeinde heute ist. Wieder schafft es die Podcastreihe, eindrücklich die Abgründe vermeintlich spiritueller Gruppierungen zu zeigen. Vor allem, weil Betroffene eine Stimme bekommen.
Die bleiben nicht nur Opfer von brutalen Praktiken einer fundamentalistischen Glaubensgemeinschaft. Es geht auch darum, wie sie sich heute wehren und Handlungsmacht zurückgewinnen. Darauf sollte sich das Team konzentrieren. Die verdeckte Recherche in der Zentrale in Südafrika wirkt dagegen eher wie ein Versuch, noch ein paar Szenen für den Podcast zu erzeugen.
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