Attentatsversuch auf Präsidenten Syriens: Ahmed al-Scharaa ist Islamisten nicht radikal genug

Der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa ist ein „vorrangiges Ziel“ von Attentaten des „Islamischen Staates“ (IS) – auch als islamistische Miliz Daesh bekannt. Das geht aus einem Bericht des UN-Büros für Terrorismusbekämpfung hervor, den UN-Generalsekretär António Guterres dem UN-Sicherheitsrat am Mittwoch vorgelegt hatte und der am Freitag publik wurde.

Im Jahr 2025 wurden demnach fünf Attentatsversuche auf den syrischen Präsidenten, den Innenminister Anas Khattab und den Außenminister Asaad al-Schaibani vereitelt. Daten oder Details zu den Angriffen gibt es in dem Report nicht. Al-Scharaa soll in Aleppo und im südlich gelegenen Daraa von der Gruppe Saraya Ansar al-Sunna (SAS) angegriffen worden sein.

In dem Report wird die Gruppe als Tarnorganisation des IS eingestuft. Sie ermögliche es, dessen Angriffe plausibel abzustreiten und „operative Kapazitäten“ zu verbessern.

Saraya Ansar al-Sunna tauchte erstmals im Februar 2025 auf, nach dem Machtwechsel in Syrien. Ein Funktionär der Gruppe sagte im Mai 2025, dass sie bereits vor dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien aktiv gewesen seien. Eigenen Angaben zufolge versammeln sich Kämpfer verschiedener militanter Gruppierungen und abtrünnige Kämpfer der Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) bei SAS.

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Syrien

Die über 50-jährige Gewaltherrschaft der Assad-Familie ist seit 2024 Geschichte. Baschar al-Assad ist nach Russland geflüchtet, nachdem Rebellen das Regime gestürzt haben. Derzeit amtiert die Übergangsregierung von HTS-Führer al-Scharaa.

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Ehemaliger Milizenführer heute Präsident

HTS ist die Miliz, deren Anführer der jetzige Präsident Ahmed al-Scharaa einst in Idlib war. Unter seinem Kampfnamen al-Jolani hatte er das Bündnis aus 13 Milizen angeführt, die das Assad-Regime Anfang Dezember 2024 gestürzt hatten. Die sunnitisch-islamische HTS hatte sich offiziell aufgelöst, ihr nahestehende Personen als Übergangsminister eingesetzt und Al-Scharaa zum Präsident ernannt.

Den Ex-HTS Gefährten ist al-Scharaa nicht radikal-islamistisch genug. SAS beschuldigt die syrische Regierung der Säkularisierung Syriens. Sie äußerten Unzufriedenheit über den in ihren Augen zu toleranten Umgang mit religiösen Minderheiten.

Die Gruppe hat sich über ihre medialen Kanäle zu Anschlägen auf und Hinrichtungen von Ala­wi­t*in­nen in Homs, im Umland von Hama und an der Westküste bekannt. Auch einen Anschlag in einer griechisch-orthodoxen Kirche in Damaskus am 22. Juni hatte die Gruppe für sich beansprucht. Laut Bericht der Übergangsregierung seien für den Anschlag allerdings zwei IS-Mitglieder verantwortlich.

Islamischer Staat weiter aktiv

Der IS „bekennt“ sich in der Regel nicht zu seiner Gewalt. Seit 2019 gilt er als besiegt. Das UN-Generalsekretariat warnt davor, dass der IS und seine Verbündeten weiterhin ausländische Kämpfer rekrutieren, Gelder beschaffen und moderne Technologien wie Drohnen und digitale Währungen nutzen. Es gebe weiterhin rund 3.000 Kämpfer im Irak und Syrien. In Syrien verüben IS-Zellen vor allem Angriffe gegen Sicherheitskräfte im Norden und Nordosten des Landes.

Auch dem IS ist Präsident al-Scharaa zu gemäßigt. Nach dessen Besuch im Weißen Haus im Mai rief ein Leitartikel im IS-Newsletter ehemalige HTS-Mitglieder und ausländische Kämpfer dazu auf, gemeinsam die „abtrünnige“ syrische Regierung zu bekämpfen.

Erst im November 2025 hatte der UN-Sicherheitsrat al-Scharaa von der Terrorliste genommen. Im gleichen Monat hatte sich die syrische Übergangsregierung der von den USA geführten Koalition gegen den IS angeschlossen.

  • informationsspiegel

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