
W enn du schon studieren willst, dann studier was Vernünftiges. Eine Geisteswissenschaft zum Beispiel. Oder bewirb dich an einer Kunsthochschule. Gib deinem Leben einen Sinn. Investment-Banking ist es nicht.
Ich habe schon einiges bereut. Aber mein Studium der Kulturwissenschaften? Niemals. Es war so breit, dass ich mein Arbeitsleben immer wieder an meine Interessen anpassen konnte, aber konkret genug, dass ich weiß, was ich gelernt habe und wie ich es in Beruf und Alltag einsetzen kann.
Vor allem habe ich viel von dem gelernt, was ich zum Glücklichsein und für ein selbstbestimmtes Leben brauche. Keine*r meiner Kolleg*innen hat eine Midlife-Crisis. Nicht nur, weil sich kaum jemand einen Sportwagen leisten könnte, sondern weil es keine Vorhersehbarkeit oder Routine gibt, aus der man ausbrechen müsste.
Brotlosigkeit der Kunst ist keine Regel
Immer, wenn es der Wirtschaft schlecht geht, sollen junge Leute dazu verführt werden, gegen ihre Interessen zu handeln, ihre Träume zu opfern und einen Beruf zu ergreifen, der nicht ihrer Leidenschaft entspricht. Das ist ein schlechter Rat. Macht lieber euer Hobby zum Beruf. Aber sucht euch dann ein neues Hobby. Man braucht ein Hobby, egal wie erfüllend der Job ist. Arbeit muss ausgeglichen werden, denn Arbeit bleibt Arbeit und nur Freizeit ist Freizeit.
Die angebliche Brotlosigkeit der Kunst ist keine Regel. Sie ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die ihre Gültigkeit verliert, sobald wir aufhören, die Künste nach irgendeiner ausgedachten Verwertungslogik zu bemessen, die Menschen in das Schneeballsystem des Kapitalismus zwingen soll. Je unglücklicher dich dein Job macht, desto mehr kaufst und konsumierst du. Wer sich für das Literaturstudium und gegen den vermeintlichen Geldjob entscheidet, hat das nicht nötig.
Künstler*innen werden nicht durch KI ersetzt werden. Höchstens Programmierer*innen. Denn KI kann zwar Bilder generieren, aber keine Kunst erschaffen. Du willst das diskutieren? Bildung in Philosophie und Kunstgeschichte hilft.
Es wird nicht nur Armutsangst geschürt, um zukünftige Studierende davon abzuhalten, einen Weg einzuschlagen, der für sie sinnvoll ist. Geisteswissenschaften werden zunehmend abgewertet, als etwas, das uns als Gesellschaft nicht weiterbringt. Wer sagt das?
Big MINT is scamming us
Nichts gegen Chemiker*innen, aber wir können nicht alle im Labor stehen und die nächste Antifaltencreme entwickeln. Irgendwer muss auch in der Bib sitzen und im Flüsterton Adorno diskutieren. Ingenieure werden gebraucht? Okay Jannis, aber wenn du Bauingenieur wirst, wer modelt dann? Wer reist um die Welt und sieht cute aus auf Fotos? Du nicht. Du bauingenieurst dann. Auch cool, aber nicht das, was du wolltest. Wenn du deinen Traumjob nicht machst, dann macht ihn wer anders.
Jeder Taschenrechner kann Mathe. Auf einen Master in Gender Studies kann man wirklich stolz sein. Wenn alle etwas im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik studieren, nutzt das vor allem Pharmafirmen, Chemiekonzernen und der Autoindustrie. Big MINT is scamming us. Bildung an sich ist ein Wert. Wer profitiert davon, wenn niemand mehr kritisch denken lernt?
Wenn die Kultur nicht das Leben normaler Menschen verbessern, sondern nur den Reichen dienen würde, würden rechte Parteien nicht alles dafür tun, die Künste kaputt zu sparen und in ihrem Sinne in Kultur und Wissenschaft einzugreifen.






