Chaostage bei der FDP: Das liberale Finale kommt Ende Mai

Mitten im Todeskampf der FDP gibt sich Henning Höne, in Nordrhein-Westfalen Vorsitzender der 12-köpfigen Landtagsfraktion und bisher heißester Kandidat für den Job des Bundesparteichefs, kämpferisch: „Als Marktwirtschaftler freue ich mich auf den anstehenden Wettbewerb mit Wolfgang Kubicki“, postete der 39-jährige Betriebswirt auf Instagram. „Mein Angebot an die Partei bleibt bestehen: Die FDP braucht einen Neustart“, schrieb Höne mit Blick auf den 74 Jahre alten Kubicki.

Der hatte am Ostersonntag nach langem Zögern verkündet, beim Bundesparteitag Ende Mai in Berlin jetzt doch auch für den Bundesvorsitz der Liberalen kandidieren zu wollen. Für den Rechtsanwalt, zuvor jahrzehntelang Fraktionschef in Schleswig-Holstein und danach Bundestags-Vizepräsident, ist es ein Rückzug vom Rückzug: „Dass ich nicht die Zukunft der Partei bin, das weiß ich selbst“, hatte Kubicki erklärt, nachdem die FDP 2025 aus dem Bundesparlament geflogen war.

Seit Ostersonntag klingt Kubicki, der in der Vergangenheit populistisch-derb austeilen konnte und der etwa 2020 die nur mit Stimmen der AfD mögliche Wahl von Thomas Kemmerich zum Kurzzeit-Ministerpräsidenten Thüringens als „großartigen Erfolg“ feierte und den Grünen Robert Habeck den „unfähigsten Wirtschaftsminister aller Zeiten“ genannt hat, ähnlich – und doch ganz anders. „Ich bin nicht die Zukunft der FDP, aber ich will dafür Sorge tragen, dass die FDP überhaupt noch eine Zukunft hat“, sagte Kubicki dem Berliner Portal Politico.

Zur Kandidatur gedrängt habe ihn der Ex-FDP-Chef Christian Lindner, dessen Fundamentalopposition innerhalb der Ampel-Regierung des ehemaligen SPD-Kanzlers Olaf Scholz vielen als Grund für den Niedergang der FDP gilt, so Kubicki im Tagesspiegel: „Jemand muss jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen“, habe ausgerechnet Lindner gesagt. In Umfragen dümpelt die Partei, die zuletzt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz keinen einzigen Landtagssitz erobern konnte, bei kaum noch messbaren Werten von drei Prozent herum.

Dürr klammerte

Das Führungschaos der Liberalen läuft damit auf ein Duell der Generationen hinaus. Denn der amtierende Bundesparteichef Christian Dürr, der sich trotz eines klaren Misstrauensvotums des FDP-Bundesvorstands an sein Amt klammerte, hat erklärt, nicht mehr antreten und künftig Kubicki unterstützen zu wollen. Der hatte zuvor seine Gegenspielerin, die EU-Parlamentarierin und Verteidigungsexpertin Agnes Strack-Zimmermann, auflaufen lassen: „Ich bin schon verheiratet“, konterte Kubicki deren verklausuliertes Angebot, die FDP doch in einer Doppelspitze zusammen mit ihr zu führen.

Strack-Zimmermann selbst unterstützt mittlerweile Henning Höne, der wie sie aus NRW stammt. Jetzt sei „nicht die Zeit für persönliche Eitelkeiten oder späte Selbstvergewisserung“, erklärte die Düsseldorferin. Die FDP müsse „von einer neuen Generation in die Zukunft geführt werden, nicht nur von alten Schlachtrössern“, stichelte die 68-Jährige über den 74-jährigen Kubicki.

Ob Höne, der „in der Mitte Wahlen gewinnen“ und dazu mit „Wirtschaftswachstum und solider Haushaltspolitik“ werben will, das Rennen macht, ist aber längst nicht sicher. Zwar ist er als Parteivorsitzender in Nordrhein-Westfalen Chef des mit Abstand größten Landesverbands – von den etwa 68.000 FDP-Mitgliedern leben dort rund 17.000. Geholfen hat das schon Christian Lindner, der als NRW-Landtagsfraktionschef die Partei 2017 zurück in den Bundestag geführt hat. Doch auch Höne weiß, dass er bundesweit längst nicht so bekannt ist wie sein Gegenspieler: „Ich habe von Anfang an gesagt“, postete er, „dass unter anderem Wolfgang Kubicki und Agnes-Strack-Zimmermann als profilierte Gesichter weiterhin eine wichtige Rolle in der FDP innehaben müssen.“

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Hitze in Israel: Gefährliche Bräune
    • September 12, 2026

    In Israel sonnen sich viele junge Menschen zu den gefährlichsten Stunden des Tages für schnelle Bräune. Über den Trend „Tanmaxxing“. mehr…

    Weiterlesen
    Chinas Aufstieg seit 2001: Von der Goldgrube zum Konkurrenten
    • September 12, 2026

    Der WTO-Beitritt war zentral für Chinas Entwicklung. Der Westen träumte vom „Wandel durch Handel“, Xi Jinping aber seinen „chinesischen Traum“. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Hitze in Israel: Gefährliche Bräune

    • 11 views
    Hitze in Israel: Gefährliche Bräune

    Chinas Aufstieg seit 2001: Von der Goldgrube zum Konkurrenten

    • 10 views
    Chinas Aufstieg seit 2001: Von der Goldgrube zum Konkurrenten

    Weibliche Genitalverstümmelung: Gegen die Wissenslücke

    • 12 views
    Weibliche Genitalverstümmelung: Gegen die Wissenslücke

    EU-Beitrittskandidat Montenegro: Die orthodoxe Kirche wurde zum Handlanger der Politik

    • 9 views
    EU-Beitrittskandidat Montenegro: Die orthodoxe Kirche wurde zum Handlanger der Politik

    +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Drei Tote bei russischen Luftangriffen

    • 10 views
    +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Drei Tote bei russischen Luftangriffen

    Frauen im Landtag von Sachsen-Anhalt: Es lebe die neue alte Männerwelt

    • 9 views
    Frauen im Landtag von Sachsen-Anhalt: Es lebe die neue alte Männerwelt