„Demokratie leben“ in Mecklenburg: AfD und CDU stimmen gemeinsam gegen Demokratieprojekte

Eine jährlich stattfindende Bandnacht, eine Veranstaltungsreihe in einer Kirche zur Adventszeit, ein Projekt zur Medienbildung: Diese und andere zivilgesellschaftliche Initiativen im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden bislang aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ finanziert. Nun stehen sie vor dem Aus.

Auf Betreiben der AfD hat der Kreistag beschlossen, künftig auf insgesamt 140.000 Euro verzichten zu können, die der Bund dem Landkreis für Projekte zur Demokratieförderung zur Verfügung stellt. Die extrem rechte Partei hat im Kreistag keine Mehrheit. Schützenhilfe erhielt sie allerdings aus den Reihen der CDU-Fraktion.

So stimmten mehrere Christ­de­mo­kra­t:in­nen mit der AfD gegen die Fortführung von „Demokratie leben!“, zahlreiche weitere CDU­le­r:in­nen enthielten sich, ebenso eine Mehrheit der BSW-Fraktion. Das genügte, um dem Programm vor Ort den Garaus zu machen. Auch weil unter anderem fast die Hälfte der gemeinsamen Fraktion von FDP und SPD abwesend war.

Das Entsetzen der So­zi­al­de­mo­kra­t:in­nen in der Landeshauptstadt Schwerin ist dafür umso größer. Der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Julian Barlen, spricht von einem „schweren Fehler“ und einem „Schlag ins Gesicht“ für die Zivilgesellschaft. Er kritisiert vor allem die Zusammenarbeit von CDU und AfD. Barlen sagte der taz: „Wer zulässt, dass wichtige Demokratieförderung aus dem Landkreis verschwindet, macht sich zum Steigbügelhalter derjenigen, die zivilgesellschaftliche Strukturen gezielt schwächen wollen.“

Fassungslosigkeit herrscht auch bei den Grünen. Wer Demokratieförderung „blockiert oder sich nicht dazu durchringen kann, klar Position für sie zu beziehen, schadet nicht nur den Engagierten vor Ort, sondern dem Zusammenhalt in der gesamten Region“, sagte Jutta Wegner der taz. Sie ist nicht nur Abgeordnete im Landesparlament, sondern auch Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag und hat die Abstimmung miterlebt. Wegner sagte, „unser ländlicher Raum“ sei „erneut abgehängt“ worden – dank des Abstimmungsverhaltens von AfD, CDU und BSW: „Das ist ein wahrhaftiges Trio infernale.“

Auf der Abschussliste der AfD

Die Mecklenburgische Seenplatte ist schon der zweite Landkreis im Osten Deutschlands, in dem auf AfD-Initiative „Demokratie leben!“ bewusst der Saft abgedreht wird. So beschloss im Mai der Kreistag des thüringischen Ilm-Kreises, die Bundesmittel abzulehnen. Auch hier stimmten CDU­le­r:in­nen gemeinsam mit der AfD oder enthielten sich.

Tatsächlich greift die AfD bundesweit Demokratieprojekte an und spricht von einem angeblichen „NGO-Sumpf“, den sie „austrocknen“ werde, sobald sie am Ruder sei. Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt, die AfD ist in Umfragen mit Abstand stärkste Kraft. Auch im Wahlprogramm der Landes-AfD heißt es für die Zeit nach der erträumten Machtübernahme: „Wir beenden jede finanzielle Förderung des Landes für diese linksradikalen Netzwerke.“

Zwar gibt es auch aus der CDU Kritik an „Demokratie leben!“. Bundesfamilienministerin Karin Prien hatte in einem Interview mit der taz etwa gesagt: „Gesellschaftliche Vielfalt ist grundsätzlich positiv, aber als staatliches Förderziel sehe ich das nicht.“ Auch Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef Daniel Peters unterstützt Priens Plan, das Förderprogramm für die Zivilgesellschaft radikal „umzubauen“ und „neu auszurichten“. Das Programm einzustellen, war allerdings nicht geplant. Die CDU-Fraktion im Kreistag Mecklenburgische Seenplatte sieht das offenkundig anders.

  • informationsspiegel

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