Demonstrationen in Mexiko: „Gen Z“-Proteste im Sinne Trumps

„Claudia tiene miedo“, Claudia hat Angst, skandieren die Demonstranten, als sich eine Mauer von Sicherheitskräften mit riesigen Schutzschildern vor ihnen aufbaut. Eine Gruppe Jugendlicher trägt ein gelbes Plakat mit der Aufschrift: „Narco-Morena Fuera“. Was so viel heißt wie: Die von kriminellen Kartellen unterwanderte linke Morena-Regierung soll verschwinden.

Präsidentin Claudia Sheinbaum unternehme nichts gegen die Gewalt, beschwert sich der Demonstrant Alan. „Das organisierte Verbrechen lässt Jugendliche verschwinden, zwangsrekrutiert sie.“ Wenn die Regierung nichts unternehme, dann solle doch Donald Trump eingreifen, sagt der 19-Jährige. Genau das hatte US-Präsident Anfang der Woche im Rahmen seines Kampfes gegen Drogen angekündigt.

Alan ist vermummt, trägt ein Tuch, auf dem ein Totenkopf mit Strohhut abgebildet ist – das Symbol für die Protestbewegung der Generation Z. Nur ein paar Dutzend Menschen sind an diesem Donnerstag einem Aufruf zur Demonstration in Mexiko-Stadt gegen Unsicherheit und Gewalt gefolgt. Doch in den vergangenen Tagen beteiligten sich zahlreiche Menschen an den Protesten. Am Samstag gingen Zehntausende in mehreren Städten auf die Straßen, allein in der Hauptstadt waren es 17.000.

Viele waren in weißer Kleidung sowie einem Sombrero gekommen, zur Erinnerung an den Mord an Carlos Manzo, dem Bürgermeister der Stadt Uruapan im westmexikanischen Bundesstaat Michoacán. Der Politiker wurde am 1. November von einem Auftragsmörder des organisierten Verbrechens erschossen. Er hatte sich für ein hartes Vorgehen gegen kriminelle Kartelle eingesetzt, die große Teile von Michoacán kontrollieren. Wenige Wochen vor seinem Tod kritisierte er die Regierung, weil sie dort 200 Nationalgardisten abziehen ließ.

Dritter getöteter Bürgermeister in einem Jahr

Michoacán ist eine der besonders gefährlichen Gegenden Mexikos. Offiziellen Angaben zufolge wurden dort 2024 über 1.500 Personen ermordet. Viele Menschen leiden unter dem Terror der Kartelle, die u.a. Limonen- oder Avocadobauern zwingen, Schutzgeld zu bezahlen. Wer den Kriminellen in die Quere kommt, lebt gefährlich. Manzo ist schon der dritte Bürgermeister, der 2025 in Michoacán eines gewalttätigen Todes starb.

Sein Tod führte zu ungewöhnlich heftigen Reaktionen der Bevölkerung von Uruapan. Wo sonst die Angst regiert, gingen Zehntausende auf die Straße, einige stürmten das Rathaus und lieferten sich Kämpfe mit der Polizei. Später weiteten sich die Proteste aufs ganze Land aus, und die Forderung, mit harter Hand gegen die Kartelle vorzugehen, öffnete Rechtsextremen und Vertretern einer repressiven Sicherheitspolitik die Pforten.

So wurde die Forderung laut, wie der salvadorianische Staatschef Nayib Bukele vorzugehen, der zehntausende mutmaßliche Bandenmitglieder jenseits rechtsstaatlicher Kriterien inhaftieren ließ. Teilnehmer der Proteste am Samstag sprühten in Mexiko-Stadt mit Blick auf die jüdische Herkunft Sheinbaums eine antisemitische Beleidigung („Judenhure“) auf eine Wand.

Auch der Multimillionär Ricardo Salinas Pliego rief zu den Protesten auf. Der Unternehmer liegt wegen einer Steuerschuld von 50 Milliarden Pesos (2,33 Milliarden Euro) im Streit mit der Regierung.

Präsidentin Sheinbaum zeigt sich gelassen

Ein Großteil der Mobilisierung in den sozialen Netzwerken sei von Bots gesteuert gewesen, die nicht aus Mexiko selbst aktiviert worden seien, erklärt der Politikwissenschaftler Carlos Pérez Ricart der taz. Natürlich hätten auch Menschen aus legitimen Gründen protestiert, betont er. „Es ist jedoch offensichtlich, dass hinter den Ereignissen eine künstlich erzeugte Komponente mit politischen Zielsetzungen steht.“

In den USA werden die Proteste von Medien des rechtsextremen MAGA-Milieus – darunter Steve Bannon und Alex Jones – aufgegriffen. Sie bezeichnen Mexiko als „narcoterroristischen Staat“ und fordern implizit eine US-Intervention. Vor wenigen Tagen schloss Trump ein solches Vorgehen nicht mehr aus: „Würde ich Angriffe in Mexiko starten, um Drogen zu stoppen? Für mich ist das in Ordnung.“

Er wirft dem Nachbarland vor, nicht genug gegen den Drogenschmuggel zu unternehmen. In den letzten beiden Monaten hatte das US-Militär 21 mutmaßliche Drogenboote nahe Kolumbien und Venezuela angegriffen. Mindestens 80 Menschen kamen ums Leben. Mexikos Präsidentin Sheinbaum zeigt sich dennoch hinsichtlich einer drohenden Invasion in ihrem Land gelassen. „Das wird nicht passieren“, sagte sie auf ihrer täglichen morgendlichen Pressekonferenz.

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