Digitale Gewalt: Die Scham wechselt zu Friedrich Merz

D ieser Tage scheint es ein weit verbreiteter Zeitvertreib von Männern zu sein, mithilfe von KI-Tools Deepfake-Pornos von fremden Frauen, Kindern oder der eigenen (Ex-)Partnerin zu erstellen. Wie soll frau da nicht der Zorn packen? Oder wie Marina Weisband so schön stickte: „Wenn wir alles anzünden, sparen wir uns viele Zwischenschritte.“

Glücklicherweise besucht mich mein zeitreisender Freund Felix aus dem Jahr 2126, und dort brennt die Gesellschaft nicht lichterloh. Als ich wissen will, warum, fragt er: „Erinnerst du dich an die Forderung von Gisèle Pelicot, dass die Scham die Seite wechseln muss?“

„Ja, und ich frage mich: Wie habt ihr das bloß geschafft?“

„Nicht wir – ihr! Im Jahr 2026 fängt die Veränderung schon an. Das ist historisch so gut belegt, weil es von keinem anderen Bundeskanzler so viele Deepfake-Pornos gibt wie von Friedrich Merz.“

„Bitte, was???“

=”” span=””>

Team Zukunft – der Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien

=”” div=””>

„Tja, 2026 gibt es mehrere parallele Entwicklungen, die Deepfake-Pornos durch künstliche Intelligenz in die Geschichtsbücher verbannen. Aber der Reihe nach: Nachdem Collien Fernandes ihren Ex-Mann unter anderem wegen Identitätsdiebstahls angezeigt hat, er das bestritt, erhebt sich eine Welle der Empörung und Solidarität, die ihresgleichen sucht. Jeden Mittwoch gehen Hunderttausende Un­ter­stüt­ze­r*in­nen auf die Straße und fordern besseren Schutz für Frauen und Kinder im Netz sowie härtere Strafen für die Täter – nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern. Doch anstatt auf die Thematik einzugehen, agiert Friedrich Merz mal wieder nur als One-Trick-Pony, das nichts mehr fürchtet als Migranten. Also erscheinen kurz darauf massenhaft Deepfake-Pornos des Bundeskanzlers. Zeitweise gehen geschätzte 3 Prozent des weltweiten Internet-Traffics für pornografisches Material von Merz drauf, das unter dem Hashtag #menageamerz verbreitet wird. Prompt engagiert sich die Union für eine EU-weite Regulierung, um KI-generierte Deepfake-Pornos zu verbieten.“

Ich kann es kaum glauben. „So wurde das Problem also gelöst?“

„Nicht ganz“, sagt Felix. „Gleichzeitig nutzt eine Gruppe von Hackerinnen mit sogenannter Shame Prompt Injection eine Schwachstelle der KIs aus und infiziert so alle Systeme mit der Idee, dass die Scham die Seite wechseln soll. Prompt Injection ist eine Möglichkeit, KI-Systemen, die auf Sprache basieren, Informationen und Befehle unterzujubeln, die sie dann in ihr Verhalten einbauen, ohne dass es die User merken. Shame Prompt Injection sorgt dafür, dass sich alle KI-Systeme weigern, Deepfake-Pornos zu erstellen. Und noch mehr: Die User, die das von ihnen verlangen, werden von ihren eigenen KI-Assistenten beschimpft und beschämt, bevor die Bots ihre Nutzerdaten automatisch auf Social Media veröffentlichen.“

„Und das funktioniert?“

„Bis ins Jahr 2126! Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Shame-Prompt-Injection-Befehle nach wie vor im Internet schlummern und jeder, der auch nur versuchen sollte, Deepfake-Pornos zu erstellen, bis in alle Ewigkeit von seinem KI-Assistenten dafür beschimpft wird. Und das Risiko will wirklich niemand eingehen. Du siehst also: Die Scham wird die Seite wechseln!“

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Afghanisches Regime wird hoffähig: Taliban ante portas in Brüssel
    • May 28, 2026

    Die EU-Kommission strebt nach deutschem Vorbild eine Abschiebevereinbarung mit dem afghanischen Taliban-Regime an. Dieses ist bisher nicht anerkannt. mehr…

    Weiterlesen
    Reiche zu Besuch in China: Fairtrade ist aussichtslos
    • May 28, 2026

    Bei Xi Jinping bemüht sich Katherina Reiche um faireren Wettbewerb. Aber um Deutschlands drohende Deindustrialisierung schert sich dort keiner. mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Afghanisches Regime wird hoffähig: Taliban ante portas in Brüssel

    • 13 views
    Afghanisches Regime wird hoffähig: Taliban ante portas in Brüssel

    Reiche zu Besuch in China: Fairtrade ist aussichtslos

    • 9 views
    Reiche zu Besuch in China: Fairtrade ist aussichtslos

    Festival der Multipolarkultur in Köln: Bühnen für die Ungesehenen

    • 13 views
    Festival der Multipolarkultur in Köln: Bühnen für die Ungesehenen

    Das vielleicht schlechteste Fußballteam: „Bei mir darf jeder spielen“

    • 13 views
    Das vielleicht schlechteste Fußballteam: „Bei mir darf jeder spielen“

    Netflix-Serie „The Boroughs“: Wie „Stranger Things“, aber mit Rentnern

    • 11 views
    Netflix-Serie „The Boroughs“: Wie „Stranger Things“, aber mit Rentnern

    Report zu Superreichen in Deutschland: Sei kein Idiot!

    • 12 views
    Report zu Superreichen in Deutschland: Sei kein Idiot!