Disqualifikation eines Olympia-Sportlers: Hut ab

T ränen sind Kirsty Coventry, der Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, über die Wangen gelaufen, als sie den Rausschmiss von Wladislaw Heraskewytsch von den Olympischen Spielen zu erklären versuchte. Echt jetzt? Der ukrainische Skeletonfahrer hatte sich partout nicht davon abbringen lassen, bei seinem olympischen Auftritt an die von Russen in deren Krieg gegen die Ukraine getöteten Sportler zu erinnern.

20 Bilder von ukrainischen Athleten, die im Krieg ihr Leben gelassen haben, hatte er auf seinen Helm aufbringen lassen. Er wollte der Welt zeigen, was Russland mit seinem Krieg auch im Sport angerichtet hat. Das darf er nun nicht. Und die IOC-Präsidentin weint.

Coventry sagt, sie könne Heraskewytschs Anliegen verstehen. Wirklich? Sie gibt ihm recht – und bestraft ihn doch. Dafür bemüht sie Regel 40 der IOC-Charta, nach der das „Field of Play“, das Spielfeld, frei von jeglichen kommerziellen oder persönlichen Botschaften bleiben muss. Das soll also der Grund sein, weshalb Heraskewytsch nicht um seine getöteten Sportkameraden trauern darf.

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Oder geht es vielmehr darum, den Eiskanal freizumachen für die geplante Wiedereingliederung der zwischenzeitlich ausgeschlossenen Russen in den Weltsport? Dort hört man die Botschaft vom Rausschmiss des Ukrainers gewiss gern. Den russischen Nachwuchsathleten hat das IOC bereits den roten Teppich ausgerollt. Gut möglich, dass der Ukrainer aus sportpolitischen Gründen seine Trauer nicht in den Wettkampf tragen darf.

Meinungsfreiheit habe ihre Grenzen, meinte Mark Adams, der stets aalglatte IOC-Sprecher, neulich zum Fall Heraskewytsch und bemühte ein Bild: „Sie können nicht in ein Einfaufszentrum gehen und ‚Feuer!‘ schreien.“ Wird das dem gerecht, was Heraskewytsch vorhatte? Wollte er nicht eher in einem brennenden Einkaufszentrum „Hilfe!“ schreien? Wer solche Hilfeschreie bestraft, hat jeden Maßstab für Menschlichkeit verloren.

Ein moralischer Tiefpunkt

Der Ausschluss des ukrainischen Skeletonis markiert den moralischen Tiefpunkt dieser Spiele von Mailand und Cortina – da kann die IOC-Chefin noch so viele Tränen vergießen und noch so schöne Worte der Anteilnahme von sich geben.

Wladislaw Heraskewytsch dagegen ist mit seinem unbeugsamen Willen, am olympischen Eiskanal von Cortina d’Ampezzo an den verbrecherischen Krieg erinnern zu wollen, mit dem Russland die Ukraine überzogen hat und der in diesem kalten Winter brutaler geführt wird als je zuvor, schon jetzt, gut eine Woche vor dem Ende der Wettkämpfe, der Superstar dieser Spiele. Eine Medaille aus den Händen des IOC braucht er dafür nun wirklich nicht.

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