Dokumentarfilm über Brücken: Sind so schlanke Pfeiler

Sechs massive Betonpfeiler ragen aus einer graugrünbraunen Wasseroberfläche und verjüngen sich in einer schmaler werdenden Reihe im Fluchtpunkt des Bildes. Das hintere Ende wird von einem filigranen Stahlbogen überspannt, im selben Industriegrün gehalten wie die gerillte Unterseite der Fahrbahn. Eine Brücke, gefilmt von schräg unten. Die Autos, die sich darüber bewegen, kann man nur erahnen. Hin und wieder durchfliegen Vögel das Bild, einmal quert ein Boot. Sonst bewegt sich nichts. Gar nichts.

„Es scheint an der Zeit zu sein, Brücken zu betrachten“, hat der US-Avantgardefilmer James Benning seinen Dokumentarfilm „Eight Bridges“ im Programmheft der Berlinale angekündigt. Acht Brücken in 80 Minuten, plus zwei Minuten Abspann: Nach seinen Vorgängerarbeiten „Ten Skies“ und „18 Lakes“ untersucht Benning filmisch ein weiteres Landschaftsphänomen seiner Heimat.

Seine Methode ist größtmögliche Formstrenge und radikale Langsamkeit. Die am Ufer aufgebaute Kamera bewegt sich zehn Minuten lang nicht: Kein Schwenk, kein Schnitt – in Echtzeit rollen Autos oder Züge über die Fahrbahn, bewegen sich Fuß­gän­ge­r:in­nen am Bildrand und verschwinden hinter einer Einzäunung, Wolken ziehen vorbei.

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Die Doku

21. Februar, 21.30 Uhr, Silent Green, Berlin

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Rascheln, ein Hupen, Plätschern

Auch die Tonspur verweigert alle Kinokonventionen. Kein Voice-over, keine Musikuntermalung, kein Soundeffekt dramatisieren das Gesehene. Stattdessen field-recording-artige Umgebungsgeräusche, als wolle Benning sagen: Es ist, was es ist. Irgendwo krächzt ein Vogel im Schilf, es raschelt, man hört vereinzeltes Hupen, Verkehrsrauschen, gelegentlich ein Plätschern.

Bennings sorgsam komponierte Kameraausschnitte wirken wie gemalte Tableaus des Industriezeitalters: Wasser und Luft, Himmel und Erde, Vegetation und Stahlbeton der verschiedensten Epochen, Funktionen und Stile. Die geradezu lächerliche Zärtlichkeit, mit der sich die Kamera banalen Nutzkonstruktionen und Alltagsausschnitten widmet, überträgt sich mit der Zeit auf den Zuschauer. Eine kühne modernistische Betonschalung springt ins Auge, ein wunderbares Geländerrot.

Der Blick schärft sich an Details wie dem Seil, das links unten ins Wasser hängt. Wozu es wohl dient? Warum erklettern Teenager immer wieder die Böschung über der Golden Gate Bridge (die einzige Brückencelebrity im Film) – eine Mutprobe? Welche Stadt versorgen die vielen Lieferlastwagen, die im Stau stehen?

Irgendwann hat sich das Sehen derart entschleunigt, dass der Zug der Wolken über einen windigen Himmel geradezu rasant anmutet. Die Geschichten, die James Benning sich weigert zu erzählen, entstehen im unterbeschäftigten Kopf des Zuschauers von ganz allein. Im Abspann werden die porträtierten Brücken wie Stars präsentiert: Edmund Pettus Bridge, Alabama, Hi-line RR Bridge, North Dakota. Der Teil der Zuschauer, der nicht eingeschlafen ist, applaudiert voller Bewunderung.

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