Drohnen-Abwehr: Ukraine will Israel beim Krieg gegen Iran helfen

Israel will offensichtlich Drohnenabfangsysteme von der Ukraine kaufen. Israelischen Medienberichten zufolge hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angefragt, um über eine mögliche Zusammenarbeit bei der Abwehr iranischer Drohnen zu sprechen.

Die israelische Armee plant, den Krieg gegen Iran noch mindestens drei Wochen fortzusetzen. Es verblieben noch „Tausende Ziele“ im Iran, sagte der Militärsprecher Effie Defrin, wie die Armee bestätigte.

Bereits zu Beginn des Iran-Krieges hatte der ukrainische Präsident den USA und den Golfstaaten angeboten, diesen durch die Lieferung von Abfangsystemen und Fachleuten im Krieg gegen Iran beizustehen.

In Iran wird dies sehr genau registriert. Teheran wirft der Ukraine vor, sich durch ihre Hilfe in den Konflikt einzumischen. Vor diesem Hintergrund warnt der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Azizi, die Ukraine könne zu einem „legitimen Ziel“ iranischer Angriffe werden. Falls Kyjiw Israel mit Drohnen unterstütze, würde sich die Ukraine damit faktisch am Konflikt beteiligen. Und dann würde der Iran auch die Ukraine als militärisches Ziel betrachten.

Das Regime in Iran hatte den russischen Angriffskrieg von Anfang an mit der Lieferung der gefürchteten Shahed-Drohnen unterstützt. Für die Ukraine war dies bisher kein Grund, Iran als Kriegsziel zu betrachten.

In der Ukraine löst das neue Interesse mehrerer Staaten am Kauf ukrainischer Drohnen und Drohnenabwehr Begeisterung aus. Die Drohnenproduktion des Landes sei einer der erfolgreichsten Wirtschaftszweige des Landes, schwärmt etwa Ihor Luzenko, Kommandeur einer Drohneneinheit, in der ukrainischen New Voice.

Habe es zu Beginn des russischen Angriffskrieges nur wenige ukrainische Drohnenhersteller gegeben, so Luzenko, rechne man für 2026 mit sieben Millionen Drohnen aus einheimischer Produktion. „Das Drohnenfieber hat begonnen“, so Luzenko. In Kyjiw seien die Hotels überfüllt mit Ausländern, die in das Drohnengeschäft einsteigen wollten.

Einer der Kritiker des Verkaufs von Drohnen an Israel und die Golfstaaten ist Sergi Jagodsinski, Prorektor der Europäischen Universität in Kyjiw. Natürlich sei es verständlich, dass sich die Ukraine den USA anbiedern würde, habe man doch viel von den USA erhalten. Faktisch stelle sich die Ukraine mit ihrem Angebot, den Golfstaaten, den USA und Israel mit Drohnen beizustehen, auf eine Seite in diesem Krieg. Und damit gehe das Land das Risiko eines iranischen Angriffs ein. Mikolajiw, Odessa und Charkiw seien für iranische Raketen durchaus erreichbar, so Jagodsinski auf Youtube.

Selenskyj kritisiert die Lockerungen der Sanktionen

Unterdessen kritisierte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Entscheidung der USA, die Russland-Sanktionen zu lockern, scharf. Die Einnahmen, die Russland aus dem Ölverkauf erziele, flössen in den Krieg, zitiert die ukrainische Agentur Ukrinforn den Präsidenten.

„Ich meine, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland nicht der Welt, sondern nur Russland helfen wird.“ Die Entscheidung der USA, den Verkauf von russischem Öl und Ölprodukten, die bereits auf Schiffe verladen wurden, vorübergehend zuzulassen, bringe Russland zusätzliche 10 Milliarden Dollar ein, so Selenskyj.

In der vergangenen Woche sind bereits die ersten ukrainischen Drohnenspezialisten in einigen Golfstaaten eingetroffen. Dort sollen sie Qatar, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate vor iranischen Drohnen schützen, berichtet Ihor Luzenko in der ukrainischen New Voice. Diese drei Golfstaaten dürften nicht die Einzigen sein, die eine Zusammenarbeit mit der Ukraine für den Kauf von Drohnen anstreben. Selenskyj hatte kürzlich erklärt, dass sich bereits mehr als ein Dutzend Staaten an Kyjiw gewandt hätten, um Unterstützung beim Schutz vor iranischen Drohnen zu erhalten.

Waffendeal zwischen Ukraine und Saudi-Arabien

Die Beziehungen zwischen der Ukraine und den arabischen Staaten sind insgesamt relativ gut und seit dem russischen Angriff 2022 intensiver geworden. In diesem Monat wurde ein geplanter Waffendeal zwischen Saudi-Arabien und der Ukraine öffentlich. Ein saudi-arabisches Rüstungsunternehmen hat offenbar einen Vertrag über den Kauf ukrainischer Abfangraketen unterzeichnet. Das berichtete der Kyjiw Independent unter Berufung auf Quellen aus der ukrainischen Rüstungsindustrie. Gleichzeitig verhandeln Riad und Kyjiw demnach über ein weiteres, deutlich umfangreicheres Rüstungsgeschäft.

In Kyjiw weiß man auch die Bemühungen von Golfstaaten bei der Vermittlung in humanitären Fragen zu schätzen. So hatten in der Vergangenheit unter anderem die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien an einem Gefangenenaustausch mitgewirkt. Anfang September 2025 hatten Erstere den ukrainischen Abgeordneten Fedor Christenko vom „Oppositionsblock für das Leben“ an den ukrainischen Geheimdienst ausgeliefert und in die Ukraine überstellen lassen. Dies war nur durch vertrauliche Absprachen auf höchster Ebene möglich, wie der ukrainische Dzerkalo Tyschden berichtet hatte.

  • informationsspiegel

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