Doku über Missbrauch bei Tantra-Yoga: Die ultimative Ehre

Sehnsucht nach Spiritualität und die Erfahrung, unglücklich mit dem eigenen Körper zu sein und ihn auf einmal als kostbar zu erleben. Beispielsweise so begründen die interviewten Frauen im Rückblick ihren Beitritt in die tantrische Yogabewegung Atman. Die Apple-TV-Dokumentarserie „Twisted Yoga“ beleuchtet einen Fall, der sich zwischen spirituellen Versprechen und Vorwürfen der Schwerstkriminalität bewegt: den Fall des Gurus Gregorian Bivolaru, der bereits durch den BR-Podcast „Toxic Tantra“ und das gleichnamige Buch durch die Journalistinnen Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen beleuchtet wurde.

Bivolaru gründete vor Jahrzehnten eine Yogabewegung in Rumänien. Heute gibt es in vielen Ländern Yogaschulen unter dem Dachverband Atman, so auch in Deutschland. Die interviewten Frauen – in der Dokumentarserie etwa aus Großbritannien, Australien und Dänemark, in dem BR-Podcast aus Deutschland – erzählen von sehr ähnlichen Erlebnissen.

Als Yogaschülerin habe man sich nach einiger Zeit bewerben können, um in „der Villa“ in Rumänien „heilige Zirkel des Femininen“ zu erlernen. Die Bewerbung? Mit Bikinifotos aus verschiedenen Winkeln, zwecks „Bestimmung der Aura“. Dort angekommen, hätten die Frauen ihren Pass abgeben und auf die Bibel schwören müssen, kein Geheimnis der „Villa“ jemals preiszugeben. Dann seien Nacktfotos gemacht worden, um die Aura „noch besser“ sehen zu können.

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die serie

„Twisted Yoga“

jetzt auf Apple TV, drei Episoden

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Rückblickend bezeichnen einige der Frauen die Zeit in Rumänien als eine Art der sexuellen Vorbereitung – auf die ultimative Ehre, ein Treffen mit dem Guru Bivolaru in Paris. Die Frauen berichten davon, ihr Handy abgegeben und die Augen verdeckt zu haben, bevor sie in eine Wohnung mit ihm gebracht worden seien, von einem erneuten Schwur der Verschwiegenheit und von Sex, bezeichnet als „sexuelle Initiation“, mit Bivolaru, mittlerweile 74 Jahre alt.

Der Reiz der Bewegung

Eine der Frauen berichtet, sie habe keinen Sex mit ihm haben wollen. Seine Antwort? Sie habe ein zu großes Ego und einen bösen eigenen Willen, sie sei besessen von Dämonen, die sie von göttlicher Erleuchtung abhielten. Bestrafungen bei Regelverstößen seien etwa das Abrasieren des Haares und Isolation von der Gruppe gewesen.

Die Stärke der Dokumentarserie liegt dabei in der Interviewführung – es wird neben allen verstörenden Schilderungen auch Raum für positive Erinnerungen an spirituelle Verbundenheit und Gemeinschaft gelassen, wodurch der Reiz der Bewegung greifbarer wird.

2023 wurde Bivolaru während einer Razzia in Frankreich verhaftet, Ermittlungen unter anderem wegen Vergewaltigung, Menschenhandel und Entführung in einer organisierten Bande laufen dort weiterhin. In Deutschland wurden die Ermittlungen im Oktober 2025 eingestellt.

Die juristische Bewertung des Falls ist komplex: In Frankreich gibt es den einzigartigen juristischen Tatbestand der psychologischen Unterwerfung, spezifisch auf Verbrechen innerhalb eines Kults zugeschnitten. Der Verband Atman bezeichnet die Vorwürfe auf seiner Website als „Hexenjagd“. Bivolaru streitet alle Vorwürfe gegen sich ab. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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