Europäische Banken und Klima: Das Kapital an die kurze Leine

Amerikanische Finanzinstitute steigen vermehrt aus dem Klima-Abkommen der Banken aus. Jetzt könnten europäische Banken folgen.

N ach dem Wahlsieg Donald Trumps kippte eine US-Bank nach der nächsten: Goldman Sachs, Bank of America, JP Morgan Chase – die Titanen der Wall Street verließen das Klimabündnis der Banken, die Net-Zero Banking Alliance (NZBA), unter deren Schirm sie freiwillig Klimaschutz versprachen. Zunächst sah es so aus, als blieben wenigstens die europäischen Banken stabil. Doch nun scheint es, als würden auch Geldhäuser in Frankfurt, Paris, London und Rom den Ausstieg aus dem Klimaschutz planen. Damit entlarven sie sich: Klimaschutz war für sie ein Trend, auf den sie aus PR-Gründen aufgesprungen sind. Gut zu wissen, dann muss das Kapital wohl an die kurze Leine.

Lang genug konnten die Banken und Vermögensverwalter auf ihre selbst gesteckten Klimaziele verweisen: Weniger Investments in fossile Projekte versprachen sie, dafür mehr Kredite für Erneuerbare. Für die US-Banken drohen nun Klagen, weil republikanische Staatsanwälte darin wettbewerbsverzerrende Absprachen sehen. Dass die Wall Street nach Trumps Sieg ihre Klima-Ambitionen zurückschraubt, ist deshalb nachvollziehbar, obwohl es auffällig widerstandslos geschieht. Wenn es ihnen jetzt europäische Banken nachtun, ist das schlicht rückgratlos. Es zeigt sich: Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz sind nichts wert, wenn Behörden und Politik nicht nachhelfen.

Sie könnten Banken zum Beispiel verbieten, ab einem bestimmten Zeitpunkt noch in fossile Projekte zu investieren. Außerdem könnte die staatliche Förderbank KfW viel mehr Kredite für Wind- und Solarparks oder Wohngebäude aus Holz vergeben und so die Macht der Banken über die Transformation unserer Leben und der Wirtschaft verringern.

Begründen muss man das übrigens gar nicht damit, Menschen vor der Erderhitzung retten zu wollen. Der Finanzstabilitätsrat, der das globale Finanzsystem überwacht, warnte kürzlich vor der nächsten Finanzmarktpanik. Diesmal nicht wegen maroder Hypotheken habgieriger Banken – sondern weil Versicherungen nicht mehr mit den gigantischen Schäden zurechtkommen, die der Klimawandel verursacht.

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