Folge von US-Sanktionen: Kuba abgeschnitten von Visa und Mastercard

Der ökonomische Aderlass in Kuba geht weiter: Seit Samstag können die Menschen im Inselstaat infolge von US-Sanktionen nicht mehr mit den Kreditkarten von Visa und Mastercard zahlen. Der Grund: Die internationale Bank, die die Transaktionen bisher abgewickelt hat, hat die Verträge mit dem kubanischen Finanzdienstleister Fincimex storniert. Dieser gehört zu Kubas größtem Konzern Grupo de Administración Empresarial (Gaesa), der sich wiederum vollständig im Besitz des Militärs befindet, also direkt von den Mächtigsten in Havanna gesteuert wird.

Kuba muss nun auf Bargeld, nationale Prepaidkarten oder russische und chinesische Bankanbieter zurückgreifen. Doch viele Devisen dürfte es in kubanischen Geldautomaten überhaupt nicht mehr geben.

„Die Ökonomie kollabiert in Scheibchen“, drückt es der kubanische Ökonom Pavel Vidal aus, der im kolumbianischen Cali lehrt und gemeinsam mit mehreren Kollegen an einem Plan für den Neustart auf Kuba arbeitet. „Sie wird erst wieder auf die Beine kommen, wenn die USA ihre Sanktionen aussetzen, wenn es zu Vereinbarungen in den Verhandlungen kommt“, meint Vidal.

Doch bisher dringt aus diesen Verhandlungen nichts nach außen. Die Verschärfung der Sanktionen lässt darauf schließen, dass der Kreis der Entscheider in Havanna, zu dem in jedem Fall die Familie des 94-jährigen Ex-Präsidenten Raúl Castro sowie die Militärs gehören, bisher wenig kompromissbereit ist.

Lenkt Kuba ein?

Das könnte erklären, warum die USA Sanktionen gegen die Nomenklatura des Systems wie Präsident Miguel Díaz-Canel, seine Frau Lis Cuesta Peraza, aber auch gegen Alejandro Castro Espín, Sohn von Raúl Castro, und etliche andere ausgesprochen hat. Das Signal aus Washington ist klar: Es geht um die Kapitulation.

Doch die Verantwortlichen in Havanna wollen durchhalten, obwohl Kuba seit Mitte Mai weitgehend vom Warenimport abgeschnitten ist. Große Reedereien wie die französische CMA CGM und die deutsche Hapag-Lloyd haben den Service nach Kuba eingestellt. „Vorübergehend“ laut den Reedereien.

Für Pavel Vidal ist mit Blick auf den Frontalangriff der USA auf Gaesa klar, dass es ohne das Einlenken der kubanischen Führung kaum weitergehen wird.

Mit der Exekutivanweisung mit der Nummer 14.404, datiert auf den 1. Mai, hat Donald Trump Sanktionen für alle Unternehmen vorgesehen, die nach dem 5. Juni noch mit der Gaesa kooperieren. Auf Deutsch übersetzt heißt der Konzern „Gruppe für Unternehmensmanagement der Streitkräfte“.

Hinter dem biederen Namen verbirgt sich ein Firmenimperium mit annähernd sechzig Unternehmen, die wie ein Krake die Inselökonomie in den Tentakeln hält. Je nach Quelle kontrolliert die Holding 40 bis 60 Prozent der kubanischen Wirtschaft. Zu ihr gehören Finanzunternehmen wie Fincimex, Supermärkte, Tankstellen, Autovermietungen und mit Gaviota auch das größte Tourismusunternehmen der Insel.

Gaviota betreibt mindestens 120 Hotels, vor allem der gehobenen Klasse. Gemanagt werden sie wiederum von internationalen, oft spanischen Ketten. Melía und Iberostar heißen die beiden großen, Barceló, Roc, Velentín die kleineren, die auf den Druck der USA auf Kuba vorerst die Segel streichen: Managementverträge wurden vor der US-Frist am 5. Juni aufgekündigt.

Die USA drohen andernfalls mit handfesten Sanktionen. Keines der betroffenen Tourismusunternehmen kann es sich leisten, auf dem US-Markt Probleme zu bekommen. Das gilt auch für große Player wie die kanadische Kette Blue Diamond mit 62 Hotels oder kleinere wie Archipelago International aus Indonesien, die bislang mindestens sechs Hotels unterhalten haben.

Geht es für Kuba also erst wieder bergauf, wenn die USA die Gaesa zerbrechen sehen? Für den Neustart der kubanischen Wirtschaft sei das ohnehin nötig, meint Ökonom Pavel Vidal. Das Konglomerat sei zu groß, zu mächtig und müsse in seine Bestandteile zerlegt werden, so der Experte.

  • informationsspiegel

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