Forderung eines Tempolimits: Langsamer fahren schützt Klima und Leben

Von der Polizistin bis zum Umweltschützer: Ein breites Bündnis fordert ein generelles Tempolimit auf Autobahnen. Das ist die Botschaft eines offenen Briefs, den die Gruppe am Montag an die Koalition adressiert hat.

Initiiert wurde das Bündnis von der Deutschen Umwelthilfe (DUH), mit dabei sind unter anderem Greenpeace, die Gewerkschaft der Polizei, der Sozialverband VdK und die Verkehrsunfall-Opferhilfe Deutschland. In ihrem Brief fordern sie nicht nur ein generelles Tempolimit auf Autobahnen, sondern auch die Absenkung der Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde außerorts und innerorts die Einführung von Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit.

Hintergrund ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus der vergangenen Woche: Das hatte über eine Klimaklage der Deutschen Umwelthilfe gegen die Bundesregierung entschieden – und der DUH recht gegeben. Infrage stand das Klimaschutzprogramm, das die Ampel-Regierung 2023 vorgelegt hatte. Dabei räumte sie selbst von vornherein ein, dass die Maßnahmen zum Erreichen der gesetzlichen Klimaziele nicht ausreichen. Das geht so nicht, urteilte das Bundesverwaltungsgericht.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat versprochen, bis Ende März ein neues Klimaschutzprogramm vorzulegen. Laut der Denkfabrik Agora Energiewende stiegen die CO2-Emissionen im Verkehr zuletzt von 143 Millionen Tonnen im Jahr 2024 auf 145 Millionen Tonnen im Jahr 2025.

2.780 Verkehrstote im Jahr 2025

Gleichzeitig sind die Unfallzahlen im deutschen Straßenverkehr für das Jahr 2025 vermutlich etwas niedriger als 2024, wie der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) prognostiziert – aber mit mehr als 2,4 Millionen Unfällen immer noch extrem hoch. Die Zahl der Verkehrstoten wird laut der Prognose leicht von 2.770 im Jahr 2024 auf 2.780 für das vergangene Jahr ansteigen.

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Vor allem würde ein Tempolimit Unfälle verhindern und damit Leben retten

Christiane Rohleder, VCD

Die Tempolimits sollten jetzt im neuen Klimaschutzprogramm verankert werden, fordert das Verbändebündnis. Wie viel das bringen würde? Eine Analyse des Umweltbundesamts war 2024 beispielsweise auf eine jährliche CO2-Einsparung von 7,4 Millionen Tonnen CO2 für den Fall eines Tempolimits von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen und 80 Kilometern pro Stunde auf anderen außerörtlichen Straßen gekommen.

Christiane Rohleder, Chefin des ökologischen Verkehrsclubs VCD, ergänzt: „Vor allem würde ein Tempolimit auch Unfälle verhindern und damit Leben retten.“ Und der Verkehr selbst profitiere von einem besseren Fluss. „Eine Win-Win-Win-Situation“, findet Rohleder. Auch ihr Verband hat den offenen Brief unterzeichnet.

Tatsächlich machten die verschiedenen Tempolimits den Verkehr unmittelbar sicherer, sagt Sophia Becker, Professorin und Leiterin des Fachgebiets Nachhaltige Mobilität an der Technischen Universität Berlin, der taz. Klimapolitisch könne sich Tempo 30 innerorts zusätzlich bezahlt machen, wenn sich nach einer Weile immer mehr Menschen für klimafreundliche Alternativen zum Auto begeistern ließen.

Tempolimit: technisch „kein Problem“

Technisch jedenfalls sei die Einführung von Tempolimits „kein Problem“, sagt Becker. Zudem befürworte eine Mehrheit unter vom ADAC befragten Au­to­fah­re­r:in­nen ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Nach einer Einführung werde es sicher trotzdem Widerstand geben, ähnlich wie nach dem Erlass einer Gurtpflicht in den 70er-Jahren. „Das muss man aushalten“, sagt Becker – nach einer Weile sähen die meisten Menschen ein, dass ein Tempolimit ihrer eigenen Sicherheit dient.

Aktuell sammelt das Bundesumweltministerium Vorschläge der anderen Ministerien für das Klimaschutzprogramm ein. Das Verkehrsministerium unter Wissings Nachfolger Patrick Schnieder (CDU) teilte auf Anfrage der taz mit, dass es kein Tempolimit vorgeschlagen habe.

  • informationsspiegel

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