Fracking und Flüssiggas: Gas, eine nötige Übergangsenergie

G lücklicherweise unterscheidet sich die aktuelle Situation deutlich von der vor drei Jahren. Damals fielen russische Truppen in die Ukraine ein – und viele Leute befürchteten, die hiesigen Heizungen könnten im Winter kalt bleiben. Nun ereignet sich ein weiterer Schritt der Abkoppelung von Energielieferungen aus Russland, denn die Ukraine hat die Durchleitung von russischem Erdgas nach Österreich und der Slowakei gestoppt. Doch kaum jemand regt sich darüber auf. Das liegt auch an der Existenz der umstrittenen deutschen Flüssiggasterminals, die helfen, die Versorgung der Nachbarländer sicherzustellen.

Denn so muss Energieversorgung aussehen: sicher, bezahlbar und ökologisch. Alle drei Punkte sind wichtig, wer den letzten erreichen will, muss darauf achten, dass nicht unterwegs die Unterstützung verloren geht. Nicht genug Strom oder Heizwärme, dunkle und kalte Wohnungen, Preise, die durch die Decke gehen? Nicht mal die Angst davor sollte man den Leuten zumuten. In den Augen der Mehrheit darf die Transformation zur Klimaneu­tralität das etablierte Lebensmodell nicht infrage stellen.

Wer diesen Dreisprung vergeigt, wird sich nicht lange in politischer Verantwortung und einer Bundesregierung halten. Die Grünen und ihr Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck mussten das erfahren. 2022 haben sie die auf den russischen Angriff folgende Energiekrise zwar gemeistert, dann aber in den Augen vieler beim Gebäudeenergiegesetz überzogen. Die Vorwürfe („zu teuer“, „Ideologie“) von links, aus der Mitte und von rechts muss man nicht teilen, dennoch haben sie die Umweltpartei massiv Zustimmung gekostet. Als linke Ökologen mag man sich das anders wünschen, aber so ist die Realität.

Die erneuerbaren Energien auszubauen ist richtig. Doch das lässt sich hierzulande nicht komplett bis 2030 bewerkstelligen, wie es konsequente Um­welt­schüt­ze­r:in­nen verlangen. Selbst das geplante Ende des fossilen Energiesystems 2045 kommt ja quasi schon übermorgen, in nur 20 Jahren. Bis dahin brauchen wir einen verlässlichen, bezahlbaren Mix, der auch einen – abnehmenden – Anteil fossiler Energie beinhaltet.

Die berühmten Dunkelflauten

Darauf kann man nicht verzichten, weil das System erneuerbarer Energien alleine derzeit keine Versorgungssicherheit gewährleistet: In den berühmten Dunkelflauten liefern Wind- und Solarkraftwerke fast nichts; Reservekraftwerke müssen ran, vornehmlich mit Gas betriebene.

Alles hat seinen Preis, ein gesellschaftlicher Kompromiss zum Übergang ins Zeitalter erneuerbarer Energien ebenfalls. Makellose Lösungen existieren selten. Auch das Zukunftsgas grüner Wasserstoff erfordert eine Industrie, die Schäden verursacht. Die Energiewende braucht Windräder und Leitungen, die teilweise die Landschaft verschandeln und entwerten. Wer für Elektrobatterien und Solarparks schwärmt, muss die Ausbeutung von Ressourcen hier und anderswo akzeptieren.

Importhäfen für flüssiges Erdgas gehören ebenso zu den Schattenseiten. Dennoch wickeln sie eine Größenordnung von 10 Prozent der Gas­importe nach Deutschland ab. Und die drei Flüssiggasterminals (LNG) in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und auf Rügen spielen eine gewisse Rolle für die Versorgung anderer europäischer Staaten, augenblicklich Österreichs und der Slowakei. In einer solchen, potenziell gefährlichen Lage vermitteln sie die Sicherheit, dass es ausreichende Möglichkeiten gibt, schnell große Gasmengen zu beschaffen und zu transportieren.

LNG-Terminals sind richtig

Damit üben sie eine beruhigende psychologisch-ökonomische Wirkung aus und tragen zur Dämpfung der Preise auf dem interna­tio­nalen Gasmarkt bei – was gut ist für Privathaushalte und Unternehmen. So zeigt sich in der jetzigen Situation, dass die Bundesregierung richtig entschied, als sie diese zusätzliche Gasinfrastruktur aufbaute und teilweise staatlich finanzierte.

Ob die Anlagen jedoch im kompletten geplanten Umfang überhaupt nötig sind, ist nicht ausgemacht. Weitere LNG-Import-Installationen sind in Vorbereitung. Das New Climate Institute und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) haben vorgerechnet, dass dieser Ausbau erhebliche Überkapazitäten schüfe. Wenn die Anlagen erst stehen, könnten sie als Rechtfertigung dienen, die fossile Gaswirtschaft weiter am Laufen zu halten. Zudem verursachen sie möglicherweise zu hohe Kosten für den Staat und ökologische Schäden in der Umgebung. Dass LNG zudem mit der umweltgefährdenden Frackingtechnik gewonnen wird, ist bekannt.

Seine Nutzung sollte man deshalb auf das nötige Maß beschränken. Ein gewisser Sicherheitspuffer kann übergangsweise freilich helfen, die Versorgung zu gewährleisten.

  • informationsspiegel

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