Friedrich Merz in München: Der Kanzler, seine Tränen und die Suche nach der Wahrheit

W ar das echt? Kann man Friedrich Merz die Erschütterung und die Tränen, die er bei der Eröffnung der Synagoge in München zeigte, abnehmen? Die einen sagen so, die andern so.

Es ist aber auch wirklich kompliziert. Männer im Alter des Bundeskanzlers sind in einer Zeit groß geworden, die klare Verhaltensstandards setzte: Jungs weinen nicht, Mädchen ist es erlaubt, weinerlich sein. So in etwa lässt sich grob zusammenfassen, wer damals die Gesellschaft zu Tränen rühren durfte. Doch auch heute ist man sich – trotz aller wissenschaftlicher Forschung und weitgehender Aufweichung der Geschlechterstereotype – nicht einig darüber, was Mann so darf. Vielleicht darf er weinen, vielleicht aber auch nicht. Schließlich ist ein Mann auch nur ein Mensch, sogar einer mit Gefühlen. Und zu Gefühlen gehören ab und zu auch Tränen.

Aber ist ein Bundeskanzler ein ganz normaler Mann oder ein ganz besonderer? Die einen sagen so, die andern so.

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Merz’ Tränen sind so etwas wie die schwarzen Kassen der CDU reloaded

Und dann gibt es da noch jene, die Merz raten, wenn er schon ergriffen und tränenreich in der Synagoge steht, sich endlich ehrlich mit seinem Nazi-Opa auseinanderzusetzen. Der soll, so hat die taz herausgefunden, nicht zufällig in Nazi-Abgründe geraten sein, wie Merz betont, sondern war wohl ein recht überzeugter SA-Mann. So jedenfalls belegt das seine Personalakte aus dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Auch seine NSDAP-Mitgliedschaft hat er offenbar persönlich und sogar früher beantragt, als lange bekannt war. Haben Merz’ Tränen von heute direkt mit seiner Suche nach der Wahrheit von damals zu tun? Die einen sagen so, die andern so.

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
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Was Merz über seinen Opa denkt und ob die Angefasstheit des Kanzlers echt war – wir wissen es nicht und werden es vermutlich nie erfahren. Merz’ Tränen sind so was wie die schwarzen Kassen der CDU reloaded.

Übrigens wäre es wünschenswert, wenn mehr Männer einfach mal weinen – ohne rumzuheulen. Wenn sie emotional werden – ohne gefühlig zu sein. Wenn sie ihre eigene Unsicherheit zulassen – ohne sich ihrer Männlichkeit beraubt zu fühlen. Männer, die weinen, sind nicht nur angenehmere Partner, Kollegen, Mitmenschen, sie gelten laut einer frischen Studie auch als glaubwürdiger. Ist das Rätsel um Merz’ Tränen jetzt gelöst? Die einen sagen so, die anders so.

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