Horrorfilm „A Useful Ghost“: Es spukt in der Staubsaugerfabrik

Der Geist einer toten Frau lebt weiter in einem Staubsauger. Ihr Mann freut sich über ihre Wiederkehr, und in der anhaltenden Liebe manifestiert sich die Verstorbene körperlich mehr und mehr. Bald hegt das Paar aus einem Lebenden und einer Untoten erneute Kinderpläne, auch gegen den Willen der Familie, einer kleinen, etwas zwanghaften Dynastie von Haushaltsgerätfabrikanten.

Diese Geschichte ist eingefasst in eine Rahmenhandlung. Sie wird einem queeren Staubsaugerbesitzer, dessen Staubsauger nachts schlimme Hustenanfälle bekommt, von einem queeren Staubsauerreparateur erzählt. So weit die Ausgangslage von Ratchapoom Boonbunchachokes in Cannes mit dem Grand Prix der Reihe Semaine de la Critique ausgezeichneten Debütfilms A Useful Ghost“, der seine über zwei Stunden Laufzeit voll ausschöpft, um sich gleich mehrfach zu transformieren.

Was man im Westen über asiatische Geister weiß, weiß man vor allem aus dem japanischen Geisterfilm. Die Geister wollen etwas von den Lebenden, nämlich Vergeltung für das, was ihnen angetan wurde. Und das meist wahllos, als virushaft um sich greifender Fluch. Die auf den sehr guten Film „Ringu“ folgende Welle an Horrorfilmen verankerte das Bild des rachsüchtigen Geistes mit langen, vors Gesicht hängenden Haaren in der globalen Genremythologie.

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Der Film

„A Useful Ghost“. Regie: Ratchapoom Boonbunchachoke. Mit Davika Hoorne, Witsarut Himmarat u.a. Thailand/Frankreich/Singapur/Deutschland 2024, 130 Min.

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Die Geister Thailands sind hierzulande weniger bekannt. Sie sind stiller und weniger spektakulär. In der Welt der Lebenden gehalten werden sie durch die Liebe, die nicht vergehen will, und durch die mit dieser Liebe verbundene Erinnerung an sie. Ratchapoom Boonbunchachoke, der auch das Skript geschrieben hat, erzählt zuallererst einmal eine Liebesgeschichte, die routiniert edgy beginnt: besessene Staubsauger, randalierende Haushaltsgeräte, skurriler Humor, so was. Die meisten Filme, die von betont abgefahrenen Prämissen ausgehen, feuern gerne aus allen Rohren, schnelle Schnitte, Krach. Und sind darin schnell ermüdend.

Ein Gefühl von Selbstverständlichkeit

„A Useful Ghost“ aber gleitet in einem betont ruhigen Rhythmus. Was als Fantasy-Komödie beginnt, entwickelt sich, ohne dass man es während des ersten Schauens merkt, zu einem stillen Drama über die Gewaltgeschichte Thailands. Langsame Montagen, geometrisch klar strukturierte Bilder und, vor allem, ein gleichbleibender Erzählrhythmus, der über alle Wechsel im Register des Plots Konstanz und bei Zuschauerin und Zuschauer ein Gefühl von Selbstverständlichkeit erzeugt. Selbstverständlich wird der Arbeitskampf am Anfang noch von einem besessenen Haushaltsgerät geführt, warum auch nicht? Gibt ja schließlich keinen Betriebsrat und keine Gewerkschaft.

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Als Geisterfilm gleitet A Useful Ghost wie von einer Mythologie in die andere

Als Geisterfilm gleitet „A Useful Ghost“ wie von einer Mythologie in die andere, vom durch die Liebe gebundenen Geist hin zum Geist, der die Lebenden hasst (wenngleich auch die liebenden Geister Thailands recht schnell recht böse werden können, sobald jemand versucht, sie aus der Welt zu drängen). Die Geisterfrau, Nat (Davika Hoorne), wird von ihrer Schwiegermutter beauftragt, einen die Staubsaugerfabrik heimsuchenden Geist zum Verschwinden zu bringen.

Das geht, indem Nat in die Träume der Angestellten eindringt, um herauszubekommen, wer den Verstorbenen so sehr geliebt hat, dass er ihn als Geist in der Welt hält. Nat geht den Pakt mit der Familie, die sie als Schwiegertochter ablehnt, ein, um bei ihrem Mann (Wisarut Himmarat) bleiben zu können.

Allegorie auf Klassenkampf

Der Plan geht auf, der Weg zurück in die Mitte der Familie und damit auch der Gesellschaft geht über die Auslöschung der Toten, die nach den Verantwortlichen greifen. Was im Kleinen geklappt hat, soll auch im Großen funktionieren. Ein Minister verlangt nach Erlösung von den Geistern, die ihn, mit Fug und Recht, heimsuchen. Wer die Getöteten geliebt oder mit ihnen im gemeinsamen politischen Kampf verbunden war (was „A Useful Ghost“ als eine Form von Liebe beschreibt), soll die Erinnerung an sie verlieren.

Spätestens ab da verwandelt sich „A Useful Ghost“ mit schwebender Leichtigkeit von einer Satire auf familiäre Zwänge in eine Allegorie auf Klassenkampf und die Verdrängung der Erinnerung an politische Gewalt. Er ist so inszeniert, als wäre jeder Wechsel im Register nur eine selbstverständliche Station auf ein und derselben Linie. Im weiteren Verlauf nimmt das alles noch einige Volten und inszeniert dabei wie im Vorbeigehen eine der seltsamsten und zugleich berührendsten queeren Sexszenen der letzten Jahre. Tradierung von Erinnerung in Form von Lust und Analverkehr.

Aber anders als das gängige Transgressions- und Edgelord-Kino, dem „A Useful Ghost“ anfangs noch zugehörig zu sein scheint, erzählt der Film seine Geschichte langsam, behutsam und, bei allem immer wieder aufblitzenden sardonischen Humor, voller Zärtlichkeit für seine Außenseiter-Figuren. Während den Vertreterinnen und Vertreter des Kapitals wie auch der repressiven Staatsgewalt sein sich am Schluss filmisch recht drastisch entladender Hass gilt.

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