G20-Beschluss zur Reichensteuer: Trügerischer Schein

Superreiche zahlen kaum Steuern. Der Beschluss der G20-Mitgliedsstaaten geht in die richtige Richtung. Nur mit der Umsetzung dürfte es hapern.

D ie G20 – Gruppe der größten Industrienationen plus EU und Afrikanische Union – haben sich in der Abschlusserklärung ihres Gipfels für eine Reichensteuer ausgesprochen. Klingt großartig, oder? Der aktuelle Bericht des Netzwerks für Steuergerechtigkeit belegt, wie wichtig dieser Vorstoß ist. Denn weltweit verliert die Staatengemeinschaft 492 Milliarden US-Dollar an Steuer­oasen, etwa 145 Milliarden gehen statt in Staatskassen auf Offshore-Konten von superreichen Privatpersonen.

Höchste Zeit also, dass die G20 reagieren. Euphorie ist allerdings nicht angesagt. Bis eine Umsetzung machbar wird, bleiben noch einige Hürden. Um wirklich Steueroasen auszutrocknen, braucht es globale Regeln, bei denen auch Entwicklungsländer mitreden können – und ihre Zivilgesellschaften. Die Behörden müssten Zugang zu den Konten der Despoten und Ultra­kapitalisten dieser Welt bekommen können, wie auch zu den fraglichen Daten von Unternehmen, Stiftungen und Offshore-Konten.

Richtig ist, das Thema global anzu­gehen, auch wenn letztendlich jedes Land selbst für die Steuererhebung zuständig ist. Das Forum dafür ist die UN. Brasilien will die Superreichensteuer auch dort ansiedeln – in einer globalen Steuerkonvention. Die wurde im Sommer angenommen von 110 Staaten. Dagegen waren acht Staaten: USA, Kanada, Großbritannien, Japan, Israel, Südkorea, Australien – allesamt G20-Mitglieder – plus Neuseeland. Die EU enthielt sich.

Jetzt haben die Staaten drei Jahre Zeit, den Text dazu zu verhandeln. Die Erklärung der G20-Staaten, die sich nun „bemühen“ wollen, gemeinsam „Mechanismen“ zu entwickeln für die Besteuerung der Superreichen, bleibt vorerst nicht viel mehr als heiße Luft. Und der scheidende US-Präsident Joe Biden, unter dem die USA die Bemühungen der UN blockiert hatten, gibt seinem Nachfolger eine Mission mit auf den Weg. Donald Trump wird sich freuen, verspricht er doch, das US-Paradies für Superreiche noch auszubauen.

taz lesen kann jede:r

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Texte, die es nicht allen recht machen und Stimmen, die man woanders nicht hört – immer aus Überzeugung und hier auf taz.de ohne Paywall. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 40.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!

Jetzt unterstützen

  • informationsspiegel

    Related Posts

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung
    • July 10, 2026

    Christine Wunnicke hat den diesjährigen Büchnerpreis verliehen bekommen. Federleicht verbindet sie mikroskopisch genaue Erkundungen mit Humor. mehr…

    Weiterlesen
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“
    • July 10, 2026

    In Deutschland soll die Teilzeitkrankschreibung eingeführt werden, Vorbild ist Schweden. Wie funktioniert es dort? mehr…

    Weiterlesen

    Nicht verpassen

    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    • 10 views
    Büchner-Preisträgerin Christine Wunnicke: Fröhliche Wissenschaft und heitere Aufklärung

    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    • 13 views
    Krankschreibung in Schweden: „Selbstverständlich und unproblematisch“

    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    • 10 views
    Die Wahrheit: „Der Papst hat gratuliert“

    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    • 11 views
    Neuer Job für Tübinger OB: Palmer macht den Musk

    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    • 9 views
    Hitze, Klima, Wohnen: Was das Kapital nicht schafft

    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?

    • 11 views
    Wahlarena in Mecklenburg-Vorpommern: Wie will die CDU im Osten ohne AfD und Linke regieren?