Gedächtnisforschung: Wie starke Gefühle auf Erinnerungen ausstrahlen

Warum erinnern wir uns an kleinste Details scheinbar belangloser Momente, vergessen aber andere, wichtigere komplett? Dass das menschliche Gedächtnis kein Diktiergerät ist und sich Erinnerungen verändern können, wissen Neu­ro­wis­sen­schaft­le­r*in­nen schon lange. Hinter den Themen der Gedächtnisforschung stecken gesellschaftliche Fragen: Können wir den Berichten von Au­gen­zeu­g*­in­nen vertrauen? Wie beeinflusst es das Erinnern, ob ich auf einer Polizeiwache aussage oder im eigenen Bett das Erlebte reflektiere? Was führt dazu, dass sich einige Menschen Dinge besser merken können als andere?

Ein Team rund um Robert Reinhart von der Universität Boston hat sich nun mit der Frage beschäftigt, welche Rolle Gefühle bei der Frage spielen, ob wir eine Erinnerung behalten.

Die Studie

Für ihre Analyse, die im Fachblatt Science Advances erschienen ist, haben die Forschenden zehn Einzelstudien mit insgesamt 648 Teilnehmenden ausgewertet. In den Experimenten prüften Wissenschaftler*innen, wie Belohnung das Erinnerungsvermögen beeinflusst. So mussten Teilnehmende etwa Bilder von Tieren und Werkzeugen richtig zuordnen – teils ohne, teils mit Belohnung. Bei einer richtigen Antwort erhielten sie Punkte oder Geld. Dabei wurden in verschiedenen Gruppen unterschiedliche Kategorien von Bildern hoch belohnt. Einen Tag später mussten die Pro­ban­d*in­nen angeben, welche Bilder sie wiedererkannten.

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So wurde deutlich, dass die Aussicht auf Belohnung das Erinnern verstärkt. Für die Metastudie nutzen die Forschenden dann auch eine KI, die bei den Tests verwendete Bilder nach Ähnlichkeit gruppierte. So berechneten die Forschenden, ob belohnte Motive auch ähnliche, aber unbezahlte Bilder im Gedächtnis stärken. Tatsächlich wirkte sich eine Belohnung auch darauf aus, wie gut ähnliche Motive erinnert wurden.

Emotionale Erlebnisse wie eine Belohnung wirken also möglicherweise wie ein Scheinwerfer im Gedächtnis: Sie erhellen nicht nur den zentralen Moment, sondern auch die eher nebensächlichen, aber verwandten Erinnerungen um ihn herum.

Was bringt’s?

Die Studie zeigt, dass unser Gedächtnis aufmerksamer gegenüber dem wird, was emotional ist. Das gibt Hinweise darauf, warum wir uns an scheinbar nebensächliche Details rund um einschneidende Momente besonders gut erinnern. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass das Gehirn Erinnerungen nicht statisch ein- oder aussortiert, sondern dieser Filterprozess gleitend verläuft. Dieses Wissen könnte auch pädagogische Methoden rund ums Lernen und Gedächtnistraining beeinflussen. Emotionale Erfahrungen können möglicherweise dafür genutzt werden, flüchtigere Erinnerungen dauerhafter im Gedächtnis zu speichern. Inwieweit das auch für Englischvokabeln gilt, muss die Forschung noch zeigen.

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