Halbzeit beim Super Bowl: Bad Bunny stiehlt Football die Show

Was haben diese Football-Spieler bei einem Konzert von Bad Bunny zu suchen? Diese Frage stellten viele Nut­ze­r:in­nen in den sozialen Medien scherzhaft. Denn was eigentlich die Halbzeitpause des wichtigsten Footballspiels der USA sein sollte, fühlte sich eher an wie ein vollwertiges Bad-Bunny-Konzert. Auf der wohl patriotischsten, maskulinsten, stereotypisch amerikanischen Bühne stahl Benito Antonio Martínez Ocasio, wie Bad Bunny bürgerlich heißt, den Sport­le­r:in­nen die Show.

Der Super Bowl gehört jedes Jahr zu den meistgesehenen Fernsehereignissen weltweit, und dieses Mal kam noch ein Jubiläum hinzu: Es war der 60. Super Bowl, ausgetragen im kalifornischen Santa Clara, vor rund 68.500 Menschen im Stadion und Millionen vor den Bildschirmen. Dass ausgerechnet Bad Bunny hier im Zentrum stehen würde, war ein Statement für sich. Der puerto-ricanische Künstler ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Musiker der Welt, mehrfacher Grammy-Gewinner, Streaming-Rekordhalter – und jemand, der Popkultur konsequent mit politischen Botschaften mischt.

Schon mit dem Eröffnungssong „Tití Me Preguntó“ nahm er das Publikum in Santa Clara mit auf eine Reise durch die Straßen und Landschaften Puerto Ricos. Auf der Bühne waren Nagelstudios aufgebaut, Stra­ßen­ver­käu­fe­r:in­nen mit coco frío, frischem Kokosnusswasser und Piraguas, geschabtem Eis mit Sirup, liefen über die Bühne. Compro-Oro-Stände für Gold-An- und Verkauf waren aufgebaut, und auch der Sapo Concho, eine in Puerto Rico heimische, vom Aussterben bedrohte Krötenart fehlte nicht. Die Bühne wurde zu einem liebevoll und detailreich gestalteten Miniatur-Puerto-Rico.

Die Show war nicht die große politische Keule

Dabei war die Show nicht die politische Keule, die manche im Vorfeld erwartet hatten. Eine Woche zuvor hatte Bad Bunny noch scharfe Worte gegen Donald Trump und die US-Einwanderungsbehörde ICE gefunden. Viele fragten sich, ob und wie dieser Protest auf der Super-Bowl-Bühne sichtbar werden würde. Auch über queere Repräsentation und Genderfluidität wurde spekuliert – bis hin zur Frage, ob Bad Bunny im Kleid auftreten würde. Stattdessen erschien der Musiker ganz in Weiß, im eleganten Anzug und mit Handschuhen. Ja, die Botschaft war subtiler als erwartet, aber trotzdem stark genug.

Das Bühnenbild zeigte Zuckerrohrfelder, Arbeiter:innen, und Bad Bunny tanzte auf einer Casita, einem „kleinen Haus“, ein zentrales Symbol in Puerto Rico für Gemeinschaft, Herkunft und Zusammenhalt. Politisch expliziter wurde es, als er El Apagón sang, ein Song über die Gentrifizierung und die chronischen Stromausfälle in Puerto Rico. Passend dazu ragten auf der Bühne bekletterbare Strommasten in den Himmel.

Bad Bunny machte Repräsentation nicht an Provokation fest, sondern an Präsenz. Die Show war eine Liebeserklärung an Puertoricanisch und lateinamerikanische Kulturen – relevant nicht nur für die rund 65 Millionen Latinos in den USA, sondern auch als Gegenbild zu Trumps enger Vorstellung von „America“. Viral ging die Szene eines kleinen Kindes, das als Teil der Inszenierung am Rande einer Hochzeitsfeier auf zwei Plastikstühlen schlief. „Sehr latino“, kommentierten viele. Die Hochzeit fand real auf der Bühne statt – mit echten Gästen und einem realen Brautpaar. Das Paar hatte Bad Bunny ursprünglich zu seiner Hochzeit eingeladen, er holte sie kurzerhand auf die größte Bühne des Landes.

Zwischen Fahnen des amerikanischen Doppelkontinents erinnerte die Show so auch an die widersprüchliche Rolle Puerto Ricos: In dem Außengebiet der Vereinigten Staaten gibt es den US-Dollar, US-Gesetze – aber die rund 3,2 Millionen Ein­woh­ne­r:in­nen dürfen US-Präsident und -Parlament nicht wählen. Auf einem großen Banner stand der Satz: „The only thing more powerful than hate is love.“ Bad Bunny sagte „God bless America“ – und machte sofort klar, dass er damit mehr meinte als die USA. Er zählte fast alle Länder aus Süd-, Nord und Mittelamerika auf, inklusive Puerto Rico.

Überraschungsgäste waren Lady Gaga und Ricky Martin

Wie immer gab es ein paar prominente Überraschungsgäste: Lady Gaga betrat die Bühne für eine salsa-inspirierte Version von „Die With a Smile“ – selbst der einzige englische Song in der Show wurde latinisiert. Ricky Martin, ebenfalls aus Puerto Rico, sang gemeinsam mit Bad Bunny „Lo Que Le Pasó a Hawaii“. Überraschungsauftritte von Cardi B, Pedro Pascal, Karol G und Jessica Alba sorgten für zusätzliche Aufmerksamkeit.

Über diese Show darf man sich erst einmal freuen. Sie war ein historischer Moment – wenn auch nicht mal Bad Bunnys erster Auftritt beim Super Bowl. Schon 2020 war er dort, damals als Gast von Shakira und Jennifer Lopez, mit einer unmissverständlichen Kritik an den Abschiebepolitiken der ersten Trump-Regierung. Damals symbolisiert durch Menschen in Käfigen.

Wenn auch die Botschaft dieses Jahr subtiler war, sie hat es geschafft, die Präsenz von Trump, von seiner Vorstellung eines rassistischen Amerikas zumindest für einen Abend kleinzuhalten. Deshalb verkommen alle vorherigen Boykott-Aufrufe der Show aus den republikanischen Lagern zur Randnotiz. Selbst Trump schien sich an seinen eigenen Vorschlag, die Halftime-Show zu boykottieren, nicht gehalten zu haben. Bad Bunnys Auftritt sei „die schlechteste, die er je gesehen habe“ und „ekelhaft“ gewesen, schrieb er auf seiner eigenen Plattform Truth Social. Das heißt aber auch, wegsehen konnte er offenbar nicht. Bei einer kulturell so reichhaltigen Show war das auch sehr schwer, zugegeben.

  • informationsspiegel

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