In der US-Großstadt Minneapolis hat ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE am Mittwoch eine 37-jährige Frau mit mehreren Schüssen getötet. Die US-Regierung hat das Verhalten des ICE-Agenten als Notwehr verteidigt. Videos von Passanten, die den tödlichen Vorfall miterlebt hatten, werfen allerdings große Fragen auf.
Der Vorfall ereignete sich gegen 10.25 Uhr Ortszeit. Wie auf verschiedenen Augenzeugenvideos zu sehen ist, steht ein weinrotes Auto auf einer Straße, sodass ein Pick-up von ICE-Agenten die Straße nicht passieren konnte, die wegen einer Razzia im Süden der Stadt unterwegs waren. Nach mehreren verbalen Aufforderungen setzt das SUV zurück, um zu wenden. Dabei lässt es ein paar ICE-Einsatzfahrzeuge vorbei.
Wenig später eskaliert dann die Situation. Ein ICE-Agent versucht zunächst, die Fahrertür zu öffnen. Die Fahrerin scheint davon überrascht zu sein und versucht zu entkommen. Ein Beamter, der direkt vor dem Fahrzeug positioniert ist, zieht daraufhin seine Dienstwaffe und drückt mehrmals ab. Das Auto beschleunigt schlagartig und kracht wenige Meter später in parkende Autos.
Die Fahrerin, die später als Renee Nicole Good identifiziert wurde, erlag ihren Verletzungen. Sie lebte in Minneapolis, war verheiratet und Mutter einer sechsjährigen Tochter. „Renee war einer der liebenswertesten Menschen, die ich je kennengelernt habe“, sagte ihre Mutter Donna Ganger der <i>Star Tribune</i>.
=”” span=””>
Im November 2024 gewann Donald J. Trump zum zweiten Mal eine Präsidentschaftswahl in den USA und amtiert seit Januar 2025 als 47. Präsident. Er treibt den Umbau öffentlicher Einrichtungen und einen Kurswechsel in der Außenpolitik voran.
=”” div=””>
Die US-Heimatschutzbehörde (DHS) bezeichnete den Vorfall als Terrorismus und erklärte, dass der Beamte, der die tödlichen Schüsse abgab, in Notwehr gehandelt hätte. „Ein ICE-Beamter feuerte aus Angst um sein eigenes Leben, das Leben seiner Kollegen und zum Schutz der Öffentlichkeit Schüsse zur Selbstverteidigung ab“, erklärte DHS-Pressesprecherin Tricia McLaughlin in einer Stellungnahme.
Heftige Kritik an ICE
Der demokratische Bürgermeister der Stadt Minneapolis, Jacob Frey, widersprach dieser Einschätzung der Regierung jedoch deutlich. „Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass die Behauptung, dies sei lediglich ein Fall von Notwehr gewesen, kompletter Müll ist. […] Nachdem ich das Video selbst gesehen habe, möchte ich allen direkt mitteilen: Das ist völliger Bullshit. Hier hat ein Beamter rücksichtslos seine Macht missbraucht, was dazu geführt hat, dass jemand gestorben ist, getötet wurde“, erklärte Frey.
Jacob Frey, Bürgermeister von MInneapolis zum ICE
Der Bürgermeister hat außerdem laut und deutlich gefordert, dass die Agenten der Einwanderungsbehörde, die in der Stadt derzeit Razzien durchführen, Minneapolis sofort verlassen sollten. „Get the fuck out!“, also auf gut Deutsch: „Verpisst euch!“, sagte der 44-Jährige, der seit 2018 im Amt ist.
„Der angebliche Grund für eure Anwesenheit in dieser Stadt ist Sicherheit, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Menschen werden verletzt. Familien werden auseinandergerissen. Langjährige Einwohner von Minneapolis, die so viel zu unserer Stadt, unserer Kultur und unserer Wirtschaft beigetragen haben, werden terrorisiert, und nun ist jemand tot“, sagte Frey über die ICE-Operationen in seiner Stadt.
Auch der Polizeichef der Stadt sowie Minnesotas Gouverneur Tim Walz kritisierten das Vorgehen der ICE-Beamten. „Minnesota wird nicht zulassen, dass unsere Gemeinschaft als Spielfigur in einem nationalen politischen Machtkampf missbraucht wird. Wir werden uns nicht provozieren lassen. […] An Donald Trump und (Heimatschutzministerin) Kristi Noem: Ihr habt genug getan“, sagte Walz, der nur wenige Tage zuvor angekündigt hatte, dass er doch nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren wird.
Walz entschloss sich zudem, die Nationalgarde des Bundesstaates Minnesota in Alarmbereitschaft zu versetzten, sollte es in den kommenden Tagen zu gewalttätigen Demonstrationen und Ausschreitungen kommen.
Untersuchungen laufen
Heimatschutzministerin Kristi Noem hat trotz der Forderungen aus Minneapolis angekündigt, dass ICE vorerst weiter in der Stadt bleiben werde, um dort „gefährliche Verbrecher“ aus dem Stadtbild zu entfernen. Aktuell befinden sich knapp 2.000 ICE-Beamte in Minneapolis und der Nachbarstadt St. Paul, um dort Einwanderungsrazzien durchzuführen.
Noem fügte hinzu, dass der Todesschütze ein erfahrener ICE-Agent sei, der in der gegebenen Situation vorschriftsmäßig gehandelt habe. Auch US-Präsident Donald Trump blieb der Regierungslinie treu. Es sei Notwehr gewesen, sagte der Republikaner in einem Post auf Truth Social. Gleichzeitig gab er linken Politikern eine Mitschuld am Tod von Good. „Der Grund für diese Vorfälle ist, dass die radikale Linke unsere Polizeibeamten und ICE-Agenten täglich bedroht, angreift und ins Visier nimmt“, hieß es im Post des Präsidenten.
Die Bundespolizei FBI sowie das Landesamt für Verbrechensermittlungen in Minnesota haben die Untersuchung des Falls aufgenommen.
Menschen aus ganz Minneapolis versammelten sich den ganzen Mittwoch über am Ort der Schießerei, zunächst um gegen die Polizei zu protestieren. Anschließend, um der getöteten Renee Good mit einer großen Mahnwache zu gedenken.







