Investitionsgipfel der Bundesregierung: Manager für Merz

Zum Investitionsgipfel im Kanzleramt waren am Montag vor allem große Unternehmen eingeladen. Das ist das falsche Signal.

E ines hat der „Investitionsgipfel“ am Montag im Kanzleramt gezeigt: Auf die deutschen Wirtschaftsbosse kann sich Friedrich Merz verlassen. Mehr als 60 Chefs überwiegend sehr großer Unternehmen haben im Vorfeld versprochen, in den kommenden Jahren viele Milliarden in neue Anlagen, Standorte, Modernisierung und Forschung zu stecken – in Deutschland, nicht anderswo. Doch das ist – anders als manche vielleicht glauben – kein Bekenntnis zu einer Art Standortpatriotismus, sondern ein symbolischer konservativer Schulterschluss. Ob die Teilnehmenden der Managerinitiative „Made for Germany“ ihr Versprechen tatsächlich wahrmachen, kann heute kei­ne:r sagen. Darauf dürfte es Merz auch nicht in erster Linie ankommen. Ihm geht es darum, die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zu verbessern. Dann kommt der versprochene Aufschwung mehr oder weniger von allein. Glaubt er offenbar.

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Ja, Psychologie spielt eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben. Nur wer daran glaubt, dass es aufwärts geht, ist bereit, Geld auszugeben statt Reserven zu bilden. Das gilt für den Privathaushalt ebenso wie für den DAX-Konzern. Stimmung ist deshalb ein wichtiger Faktor, da liegt Merz richtig.

Die Wirtschaftsverbände, in denen überwiegend Unions-Leute an der Spitze stehen, versuchen bislang vergebens, mit Lob und Aufmunterung für die Regierung die Stimmung zu drehen – es fehlt ihnen schlicht an Glaubwürdigkeit, nachdem sie in den Ampel-Jahren alle Initiativen in Grund und Boden gestampft haben. Auch eine Show-Veranstaltung wie das Treffen mit Managern beim „Investi­tionsgipfel“ ist viel zu durchsichtig, um einen durchschlagenden Erfolg zu haben.

Vor allem: Die deutsche Wirtschaft ist sehr viel mehr als Verbände mit christdemokratischem Führungspersonal und ein paar Dutzend Managern. Das sind eben nicht zuletzt die Beschäftigten und die Konsument:innen. Wenn Merz eine Stimmungswende will, dann muss er das große Ganze in den Blick nehmen. Dazu gehört, nicht zuerst Unternehmen, sondern gerade die Bür­ge­r:in­nen zu entlasten.

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