Kai Diekmann zu Konny Gellenbeck: „Schwa …mm drüber“

Sosehr Ihr es darauf angelegt habt, Euch bei mir unbeliebt zu machen – es ist ja kein Geheimnis: Mein Herz schlug immer für den Boulevard, erst recht für das kleinste Exemplar dieses Genres, auf das ich vom 16. Stock aus hinabschaute und das stets am Rand der Pleite stand: Die taz. (Anm. der Red.: Das ist offenbar eine Meinungsäußerung, als Tatsachenbehauptung wäre das unwahr.)

Deshalb hüpfte das Fan-Herz natürlich, als ich im März 2009 – unverlangt zugesandt – Post der taz erhielt. Fahrlässigkeit? Vorsatz? Ich weiß es bis heute nicht. Die taz warb um Mitglieder, besser noch: um Miteigentümer. Für 500 Euro, zahlbar in Raten à 25 Euro, konnte ich, ausgerechnet ich, der Bild-Chefredakteur, taz-Genosse werden. Und dazu satte Prämien kassieren: ein taz-Badetuch, ein taz-Weinpaket, ein taz-Rucksack oder ein tazPresso-Set.

Konny Gellenbeck

war Mitte der 1980er Jahre zu taz gekommen. Anfangs arbeitete sie in der Abo-Abteilung, später war sie jahrelang Leiterin und das prägende Gesicht der taz-Genossenschaft. Später war sie im Vorstand der taz Panter Stiftung. Sie ist ohne Zweifel seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Personen im taz-Kosmos. Nun geht sie in den Ruhestand. Zum Abschied erscheint die Konny-taz – als mehrseitige Beilage in der gedruckten Ausgabe der taz vom 5.12.2024. Daraus ist auch dieses lange Gespräch entnommen.

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Was für ein Fest! Vor allem aber: der Beginn einer wundervollen Brieffreundschaft. Und zwar mit Ihnen, liebe Konny Gellenbeck!

Chefredakteur_innen kamen, Chef­re­dak­teu­r*in­nen gingen – Sie blieben. Und haben mein Dasein als taz-Genosse (mit der Mitgliedsnummer 209738) seitdem liebevoll und geduldig (mitunter auch mit einer gewissen Strenge) begleitet:

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„Liebe Genossinnen und Genossen,

ich möchte Sie auf folgende Veranstaltung aufmerksam machen: Deutsch-deutsche Begegnungen im sandinistischen Nicaragua. Schöne Woche und Grüße aus der taz

Konny Gellenbeck“

Ich antwortete:

„Liebe Konny Gellenbeck,

haben Sie vielen Dank für die Einladung zu dieser wahrlich historischen Veranstaltung. Allerdings muss ich Ihnen mitteilen, dass mich die Unterstützung der verrückten Sandinisten durch nicht minder verrückte Ost- und West-Deutsche schon damals maßlos geärgert hat.

Mit genossenschaftlichen Grüßen (oder sagt man Glück auf?)

Kai Diekmann“

Blieb natürlich nicht unkommentiert:

„Lieber Kai Diekmann,

vielen Dank für Ihre Rückmeldung: Wir haben sehr unterschiedliche Veranstaltungen im Angebot, vielleicht treffen wir mit einer der nächsten Veranstaltungen Ihren Geschmack (Glück auf sagt man bei uns nicht!!!) Grüße aus der taz.

Konny Gellenbeck“

Stimmt. Mal ging es um nichts Geringeres als die „Rebellion gegen bestehende Machtverhältnisse“, mal ganz profan um die „Aufstockung meiner Genossenschaftsanteile“, mal um „die sonntaz“ oder das neue taz-Haus. Und immer wieder haben Sie mir erfolgreich Geld aus der Tasche gezogen: „Als Mitglied der Genossenschaft sind Sie ein wichtiger Garant der solidarischen Methode. Wir danken Ihnen für Ihre Treue und hoffen weiter auf Ihr Engagement. Die taz-Genossenschaft wächst mit ihren Aufgaben und braucht immer wieder neue Mitglieder und frisches Kapital.“

Einen überragenden Platz in unserer Beziehung nimmt natürlich Ihre Nachricht vom Herbst 2009 ein:

„Liebe Genossinnen und Genossen,

Wie viel Schwanz muss sein?

Ein Wandfries von dem Künstler Peter Lenk an der Fassade der taz in Berlin polarisiert nicht nur unter den MitarbeiterInnen der taz. Muss die Plastik eines nackten Kai Diekmann mit meterlangem Penis am taz Haus hängen? Wenn Sie uns zu dem Thema eine Rückmeldung schicken, setzen wir voraus, dass wir Ihren Kommentar auf taz.de und in der Printausgabe veröffentlichen dürfen.

Schönen Abend und Grüße aus der taz

Konny Gellenbeck“

Habe ich damals eigentlich geantwortet? Ich weiß es nicht mehr. Ach, Schwa…mm drüber. Denn: taz muss sein!

Danke!

Ihr Genosse Kai

P.S. Apropos taz-Treueprämien: Ich empfehle die „Sorglos-Feueranzünder aus Abfallholz, Toilettenpapierrollen und Kerzenwachsresten“ – für ein CO₂-neutrales Gewissen am Kamin.

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