Kämpfe zwischen Pakistan und Indien: Suche nach Ausweg aus dem Kaschmir-Konflikt

Mumbai taz | Der aufflammende Konflikt zwischen Indien und Pakistan scheint sich vorerst mit der Vereinbarung einer Waffenruhe beruhigt zu haben. Nach einer langen Nacht der Gespräche „haben sich Indien und Pakistan auf einen vollständigen und sofortigen Waffenstillstand geeinigt“, verkündete Trump auf Truth Social am Samstag und klopfte sich selbst auf die Schulter. Später bestätigten beide Seiten die Einigung – und hielten sie zunächst ein. Am Montag soll es zu Gesprächen zwischen den beiden Atommächten kommen.

Wie viele hofft Radha Kumar, dass der Waffenstillstand hält. „Die Zivilbevölkerung beider Länder wünscht sich ein Ende der Kämpfe“, sagt die Konfliktforscherin aus Delhi. Doch Skepsis bleibt: Am Samstagabend hatte Pakistan laut indischen Angaben die Feuerpause zwischenzeitlich gebrochen, die Gegenseite dementierte die Vorwürfe umgehend. Es waren erneut Explosionen über Jammu und Kashmir zu hören, in Gujarat wurden Drohnen gesichtet.

Das indische Militär teilte mit, sich weiterhin in Kriegs- und Alarmbereitschaft zu befinden. Die Operation „Sindoor“ zur Verfolgung der Terroristen des Anschlags auf mehrheitlich Touristen in Pahalgam würde weiterlaufen. Indiens hindunationalistischer Premierminister Narendra Modi, der die Opposition im Kampf gegen den Terrorismus hinter sich versammelt hat, erklärte am Sonntag, Indien werde nur nachgeben, wenn auch Pakistan das tue. „Wenn von dort eine Kugel abgeschossen wird, wird von hier eine Bombe abgefeuert“, so Modi.

Indische Medien meldeten 140 getötete Ter­ro­ris­t:in­nen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters gab es außerdem mindestens 66 zivile Opfer. „Der nun vereinbarte Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan ist ein erster, wichtiger Schritt aus der Spirale der Eskalation“, erklärte das Auswärtige Amt auf X. Doch kritische Stimmen in Indien sehen in Trumps Vorstoß eine Blamage für Indien. Konfliktforscherin Kumar sieht darin einen Gesprächskanal. „Indien hat den USA erlaubt, zu vermitteln“, sagt sie der taz. Pakistan versucht zwar, sich als Sieger des Konflikts zu positionieren. Doch Indien hat als große Wirtschaftsmacht mehr zu verlieren, falls es zu einem Krieg kommen würde.

Nie verarbeitetes Trauma

Kumar erinnert an die strategische Bedeutung Jammu und Kaschmir: „Fiele die Region an Pakistan, hätte es direkten Zugang zu Indiens Kernland.“ Das werde das wirtschaftlich stärkere Indien nicht zulassen.

Andererseits dulde die geopolitische Lage Pakistans keinen Zusammenbruch. Pakistans Anspruch auf Kaschmir erklärt Kumar historisch: „Seit der Teilung Britisch-Indiens 1947 sieht sich Pakistan als schwächer. Mehr Territorium – wie der indische Teil Kaschmirs mit seinen Ressourcen – soll das ändern.“ Kaschmir sei für Pakistan strategisches Ziel und Symbol eines nie verarbeiteten Traumas zugleich. Trump bot auch in der Kaschmirfrage Vermittlung an, was Islamabad begrüßte. Doch Delhi lehnt ausländische Einmischung strikt ab.

Auf den Straßen beider Länder wurde der Durchbruch in den Verhandlungen obgleich von erleichterten Menschen bejubelt. In Indien beruhigt sich die Lage, doch in Grenzregionen herrscht weiter Alarmbereitschaft. Auch Ladakh ist stark von den Spannungen betroffen, das bis 2019 Teil des Bundesstaats Jammu und Kaschmir war.

Auch hier wurden Flüge gestrichen, die Hauptstraße gesperrt und im Abstand weniger Stunden heulten in den vergangenen Tagen die Sirenen, berichtet Ling Gesar gegenüber der taz. „Seit drei Tagen hatten wir Strom jeweils nur für ein paar Stunden“, so der junge Künstler aus der Region, was zu großer Unsicherheit führte. „Wir versuchten über soziale Medien und Whatsapp zu erfahren, was gerade passiert“, sagt er.

Beginn der touristischen Saison unterbrochen

„Der Alltag war unterbrochen“, sagt er. Geschäfte, Cafés und Schulen wurden auf Anweisung der Behörden geschlossen. „Eine zuverlässige Informationsquelle fehlte, Gerüchte fingen an, sich zu verbreiten“, sagt Gesar. Besonders bitter: Für viele ist der Frühling wirtschaftlich entscheidend, der Beginn der touristischen Saison. „Jetzt ist alles unsicher“, sagt Gesar.

Er beklagt die mediale Berichterstattung: „Anders als 1999, als Reporter noch aus der Region berichteten, herrscht heute ein medialer Ausnahmezustand zwischen Hysterie und Zensur“, sagt er. Zuletzt kursierten viele Fehlinformationen.

  • informationsspiegel

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