E in Fußballbundesligist, ein Opernhaus, eine Privatuniversität. Ein Konzerthaus, eine Reederei, natürlich ein Luxushotel. Und den Wolkenkratzer nicht zu vergessen! Wobei der Elbtower seit bald drei Jahren nur halb fertig vor sich hin modert. Aber jedenfalls: Der Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne hatte in seiner Geburtsstadt Hamburg fast überall seine Finger im Spiel. Dass auf Kühnes Tod am Montag emotionale Reaktionen folgten, ist also gar nicht so verwunderlich.
Da lud der Bürgermeister wenige Stunden nach dem Tod des 89-Jährigen die Presse zu einem Statement (ohne Nachfragen!) ins Rathaus, um den Verlust des „Unternehmers, Stifters und Mäzens“ zu beklagen; da würdigen sie vom Volksparkstadion am Rande der Stadt bis hinein ins wirtschaftliche, politische und kulturelle Machtzentrum zwischen der Hapag-Lloyd-Zentrale an der Binnenalster, dem Rathaus und dem Rand der Hafencity, wo die von ihm finanzierte neue Staatsoper entstehen soll, dessen „großes persönliches Engagement“.
Verschwiegen wurden jene Aspekte, die zu einer Gesamtbetrachtung dazugehören, aber das schöne Bild trüben würden. Wo kam denn das Vermögen her, das Kühne nutzen konnte, um zum Wohltäter zu werden? Das Transportunternehmen, mit dem er zu einem geschätzten Vermögen von rund 40 Milliarden Euro kam, hatte er vom Vater übernommen, der in der NS-Zeit erst den jüdischen Anteilseigner Adolf Maas herausdrängte und dann mit dem Auftrag zum Abtransport von „arisiertem“, also geraubtem jüdischen Eigentum expandierte. Diesen Aspekt der Unternehmens- und Familiengeschichte wollte Kühne noch Jahrzehnte später abwehren, kleinhalten, wegwischen.
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Und ein stabiles Bewusstsein für die Bedeutung von Geschichte zeigte Kühne zusammen mit der rot-grünen Stadtspitze auch jüngst nicht, als sie die Pläne für eine neue Staatsoper präsentierten: Dieser tolle Mäzen schenkt der Stadt ein neues Opernhaus. Wie historisch belastet der Ort ist – ja und? Schnell wurden die Geheimverhandlungen dazu geführt und festgezurrt, dass bloß niemand für den sogenannten Baakenhöft direkt an der Elbe noch eine Erinnerung fordern kann an diese Drehscheibe des deutschen Kolonialismus mitsamt seinem Völkermord an den Herero und Nama in Namibia von 1904 bis 1908. Mit viel Geld – Stand jetzt: 340 Millionen Euro – wird da bald die Oper errichtet, die als großzügiges Geschenk ebenso gesehen wird wie als wahnwitziges Denkmal, das ein Mann noch schnell im hohen Alter seiner Heimatstadt aufoktroyiert.
Ambivalente Reaktionen
Aber auf solche ambivalenten Reaktionen stieß Kühne auch schon, als er noch so etwas Harmlosem wie einem Sportverein unter die Arme griff. Einen dreistelligen Millionenbetrag pumpte er in den Hamburger SV, doch die uneingeschränkte Liebe wollte ihm einfach nicht entgegengebracht werden. Wer bezahlt, der bestimmt, dachte sich Kühne und wunderte sich über das Kopfschütteln, das seine ständigen Einmischungen von der Seite auslösten.
Ob Oper, HSV oder Elbphilharmonie, für die er im Zuge des Baukostendesasters noch Geld lockermachte – es war keine finanzielle Gewinnabsicht dabei zu erkennen. Vielmehr der Wille, dabei zu helfen, etwas besser zu machen.
Genügt das nicht für eine halbwegs kritiklose Würdigung? So wie es die Stadtoberen taten? Nun, auch da gehört zur Gesamtbetrachtung: Schon 1969 wanderte er mit seiner Firma Kühne + Nagel ins Schweizer Steuerparadies aus. Was hätte eines der großen Logistikunternehmen der Welt hier in Deutschland im Laufe der Jahrzehnte nur an Steuern gezahlt? Dagegen sind 340 Millionen Euro für eine Oper sicher nur Peanuts.







